Politik

Schießerei im Krankenhaus31 Tote bei Anschlägen in Pakistan

15.06.2013, 18:47 Uhr
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Helfer bringen Verletzte vor dem umkämpften Krankenhaus in Sicherheit. (Foto: AP)

14 Frauen sterben, als Terroristen einen vollbesetzten Bus in der Unruheprovinz Belutschistan in die Luft sprengen. Doch für die Überlebenden ist der Horror noch lange nicht vorbei: Extremisten dringen in die Klinik ein, nehmen die Verletzten als Geiseln und liefern sich stundenlange Feuergefechte mit den Sicherheitskräften.

Bei Anschlägen und Angriffen von Extremisten in der pakistanischen Unruheprovinz Baluchistan sind heute 31 Menschen getötet worden, darunter vier Angreifer. In der Provinzhauptstadt Quetta explodierte eine Bombe in einem Bus für Studentinnen der einzigen Frauenuniversität der Provinz, Sardar Bahadur Khan. Dabei wurden 14 Frauen getötet und 19 weitere verletzt, wie die Polizei mitteilte.

Ein Sprecher der Sicherheitskräfte sagte, möglicherweise habe eine Selbstmordattentäterin, die sich als Studentin ausgab, den Sprengsatz gezündet. Nach der Explosion ging der Bus in Flammen auf. Viele der verletzten Frauen schwebten nach Polizeiangaben in Lebensgefahr.

Neunzig Minuten später griff ein Selbstmordattentäter mit einer zweiten Bombe das größte Krankenhaus der Stadt an, in das die Opfer des ersten Anschlags eingeliefert worden waren. Parallel eröffneten fünf Angreifer dort das Feuer auf Polizisten und nahmen einige Dutzend Menschen als Geiseln.

"Nichts rechtfertigt eine solche Gewalt"

Erst nach mehreren Stunden gelang es Sicherheitskräften die Kontrolle über das Krankenhaus zurückzugewinnen. Bei Schusswechseln kamen insgesamt 16 Menschen ums Leben, darunter vier Mitglieder der Sicherheitskräfte und der Verwaltungschef der Klinik, auch vier der Angreifer wurden getötet. Ein fünfter Angreifer sei festgenommen worden, teilten die Behörden mit.

Die sunnitische Extremistengruppe Lashkar-e-Jhangvi, der Verbindungen zu Al-Kaida und den Taliban nachgesagt werden, bekannte sich telefonisch zu den Angriffen. Sie geht seit Monaten gegen Schiiten in Quetta vor. Allein in den Monaten Januar und Februar starben über 250 Menschen bei zwei Anschlägen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Anschläge auf das Schärfste. "Nichts rechtfertigt eine solche Gewalt", teilte Bans Sprecher Martin Nesirky mit. Ban betrachte die seit einigen Jahren ansteigende Gewalt gegen Frauen in Pakistan mit Sorge.

Im Südwesten Pakistans kommt es immer wieder zu Angriffen auf Mädchen und Frauen, die zur Schule oder zur Universität gehen. Für weltweite Bestürzung sorgte im vergangenen Jahr ein Anschlag auf die pakistanische Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai. Die damals 15-jährige Malala berichtete seit drei Jahren in einem Blog über ihr schwieriges Leben. Im Oktober schoss ihr ein Kämpfer der islamistischen Taliban in ihrem Schulbus in den Kopf. Sie überlebte den Anschlag nur knapp und lebt inzwischen in Großbritannien.

Haus von Staatsgründer Jinnah in Flammen

In der Nacht vor den Anschlägen hatten Aufständische das ehemalige Wohnhaus des Staatsgründers Mohammed Ali Jinnah in der Ortschaft Ziarat nach Polizeiangaben mit Panzerfäusten beschossen und dabei einen Wachmann getötet. Das Quaid-e-Azam-Residenz-Museum, in dem Erinnerungsstücke an Jinnah ausgestellt waren, fing nach dem Angriff Feuer und brach zum Teil ein.

Jinnah hatte in dem zweistöckigen Holzhaus aus dem Jahr 1892 etwa zwei Monate lang gelebt, bevor er 1948 starb. Er war Chef der Muslime in Britisch-Indien und gründete 1947 den muslimisch dominierten Staat Pakistan. Ministerpräsident Nawaz Sharif verurteilte den Angriff auf das Museum scharf.

Die Befreiungsarmee Baluchistans bekannte sich nach Angaben des pakistanischen Innenministers Nisar Ali Khan zu dem Anschlag auf das Museum. In der dünnbesiedelten und unterentwickelten Wüstenprovinz kämpfen seit Jahrzehnten mehrere Separatistengruppen mit Gewalt für eine größere Unabhängigkeit der Provinz von Islamabad. Auch Taliban-Milizen sind in der Region aktiv.

Die neue Regierung von Nawaz Sharif ernannte in Baluchistan kürzlich Politiker der baluchisch-nationalistischen Bewegung zum Gouverneur und Regierungschef der Provinz. Er nährte damit die Hoffnung, dass es gelingen könnte, die dortigen Spannungen abzubauen.

Quelle: ntv.de, AFP/dpa