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Auf die Unterstützung von Suppenküchen sind, so wie hier in Berlin, immer mehr Menschen in Europa angewiesen.
Auf die Unterstützung von Suppenküchen sind, so wie hier in Berlin, immer mehr Menschen in Europa angewiesen.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Humanitäre Krise mitten in Europa: 43 Millionen Menschen müssten ohne Hilfe hungern

Die Wirtschaftskrise macht mehr als 40 Millionen Europäer abhängig von Hilfseinrichtungen. Das Rote Kreuz spricht von der "schlimmsten humanitären Krise seit 60 Jahren". Besonders stark ist Spanien betroffen - obwohl dort zuletzt die Zahl der Millionäre steigt.

Arbeitsloser in Griechenland: Rund 120 Millionen Europäer sind akut von Armut bedroht.
Arbeitsloser in Griechenland: Rund 120 Millionen Europäer sind akut von Armut bedroht.(Foto: picture alliance / dpa)

Infolge der weltweiten Finanzkrise ist in Europa der Lebensstandard von Millionen Menschen unmittelbar betroffen. Nach Angaben der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) könnten sich insgesamt 43 Millionen Europäer von ihrem eigenen Geld nicht genug zu essen leisten. Sie seien daher auf Suppenküchen und Lebensmittelspenden angewiesen. Zudem seien rund 120 Millionen Menschen auf dem Kontinent laut der in Rom und Genf veröffentlichten IFRC-Studie akut von Armut bedroht.

"Europa ist mit der schlimmsten humanitären Krise seit sechs Jahrzehnten konfrontiert", erklärte IFRC-Generalsekretär Bekele Geleta. Obgleich einige wenige Länder in Europa nach den teils erheblichen Wachstumseinbrüchen der letzten Jahre wieder erste Zeichen der Erholung zeigten, seien die Menschen in bestimmten Regionen noch mehr deutlich stärker in die Armut abgerutscht. Die IFRC stützt sich dabei auf Datenerhebungen von 42 nationalen Gesellschaften, nach denen die Zahl der Menschen, die Nahrungsmittel von den Hilfsorganisationen bekommen, in den letzten drei Jahren in 22 Ländern Europas um 75 Prozent gestiegen sei.

Die Veröffentlichung der Studie war zugleich der Start einer Kampagne der IFRC unter dem Motto "Europe in Crisis - Think Differently" (etwa: Europa in der Krise - Umdenken). Der Auftakt sei in Italien erfolgt, weil das Land mit am schlimmsten betroffen sei. Die Folgen der Krise machten es für Helfer immer schwieriger, Spenden für Bedürftige zu bekommen, erklärte Francesco Rocca, Präsident des italienischen Roten Kreuzes.

Kluft zwischen Arm und Reich in Spanien am größten 

Besonders stark von den Krisenauswirkungen betroffen ist auch Spanien. Dort hatte sich die Zahl der in absoluter Armut lebenden Menschen nach Angaben der Hilfsorganisation Caritas mit zuletzt drei Millionen gegenüber dem Wert aus dem Jahr 2008 verdoppelt. Zu den "absolut Armen" zählen demnach Bürger, die ein Einkommen von weniger als 307 Euro im Monat aufweisen – in Spanien immerhin 6,4 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Die Caritas half im Jahr 2012 unmittelbar 1,3 Millionen in Spanien lebenden Menschen aus der Not und damit rund dreimal so vielen wie vor Beginn der Wirtschaftskrise 2008. Während die Wirtschaftsleistung in dieser Zeit um 7,5 Prozent und das durchschnittliche Einkommen um etwa 4 Prozent sank, seien die Preise hingegen um 10 Prozent gestiegen, hob die Caritas in ihrem Jahresbericht hervor. Die Sparpolitik der Regierung, die auch von der Bundesregierung unterstützt wird, drohe nun in Spanien eine "zweit Welle der Verarmung" auszulösen. Die Familien könnten ihrer traditionellen Unterstützungsfunktion durch das Ausmaß der Krise nicht länger gerecht werden.

Gleichzeitig stieg jedoch auch die Anzahl der spanischen Millionäre, was die Schere zwischen Armut und Wohlstand dort weiter auseinandergehen lässt, als in jedem anderen Land Europas. Laut einer Studie der Credit Suisse ist die Zahl der Millionäre in Spanien allein 2012 um 13 Prozent auf jetzt 402.000 gestiegen.

Quelle: n-tv.de

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