Politik
Sonntag, 14. Juni 2015

Hacker-Angriff auf den Bundestag: Abgeordnete erhielten falsche Merkel-Mails

Ein Mail von Angela Merkel - für viele Bundestags-Abgeordnete ist das keine Alltäglichkeit. Dass das Schreiben gefälscht ist, ahnen sie ja nicht. Denn auch die Kanzlerin ist von der Hacker-Attacke auf das Parlament betroffen.

(Foto: dpa)

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist von dem Cyber-Angriff auf den Deutschen Bundestag offenbar persönlich betroffen. Ein Rechner aus ihrem Bundestagsbüro sei einer der ersten, bei dem ein Schadprogramm, ein sogenannter Trojaner, gefunden worden sei, berichtete die "Bild am Sonntag". Ein Sprecher der Unionsfraktion wollte dies demnach "weder bestätigen noch dementieren". Der Zeitung zufolge nutzten Hacker den Namen von Merkel für das Versenden von infizierten Mails.

Bundestagssprecher Ernst Hebeker bestätigte die Existenz des Schreibens mit dem Absender "Angela Merkel" und dem Betreff "Einladung Telko" - was wohl für Telefonkonferenz stehen soll. Auch er selbst habe es bekommen, sagte er. Der Link in der E-Mail war infiziert. "Es ist aber vollkommen unklar, ob diese Mail im Zusammenhang mit dem Cyber-Angriff steht." Zeitgleich seien auch andere verdächtige Mails aufgetaucht - etwa eine vermeintliche Rechnung der Deutschen Telekom.

Nicht vom BSI überwacht

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Bis Freitagnachmittag wurde der Trojaner dem Bericht zufolge auf 15 Computern festgestellt, die an das Bundestagsnetzwerk angeschlossen sind. Bei fünf Computern sei ein Datenabfluss nachgewiesen worden. Der Cyber-Angriff auf das Parlament läuft seit rund vier Wochen. Das Computersystem wurde nach dem jüngsten Stand der Ermittlungen mit Hilfe von E-Mails angegriffen und mit Schadsoftware infiziert. Den Hackern ist es dabei gelungen, tief in die IT-Infrastruktur des Parlaments vorzudringen.

Die Erneuerung des IT-Netzwerks im Bundestag könnte bis zu zwei Jahre dauern, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" unter Berufung auf Sicherheitsfachleute. Unter anderem müsse die gesamte Software des Bundestags ausgetauscht werden. Diese Aufgabe soll nach Informationen der "FAS" das Unternehmen T-Systems übernehmen, das zur Deutschen Telekom gehört.

Dem Bericht zufolge gibt es im Bundestag Kritik daran, dass das Parlament 2009 - anders als der Bundesrat - beschlossen hatte, sich nicht dem Netz der Bundesregierung anzuschließen, das vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) überwacht wird. Fachleute seien sich einig, dass der Angriff dann keinen Erfolg gehabt hätte. "Die Chance wäre um einiges größer gewesen, den Angriff abzuwehren", sagte der CDU-Abgeordnete Clemens Binninger der "FAS".

CCC fordert IT-Spezialisten

Der Hacker-Angriff gilt als weitaus schwerwiegender als zunächst dargestellt. "Man muss sich vorstellen, ein ausländischer Nachrichtendienst hätte den Generalschlüssel zu allen Büros und Aktenschränken des Bundestags erbeutet und kann sich bedienen", sagte die Grünen-Abgeordnete Steffi Lemke der "FAS". Bundesinnenminister Thomas de Maizière hatte am Freitag gesagt, es spreche einiges dafür, dass hinter dem Cyberangriff ein ausländischer Geheimdienst stecke.

Unterdessen empfahl die Organisation "Chaos Computer Club" (CCC) dem Bundestag, nicht nur Geld für Software und Hardware in die Hand zu nehmen, sondern auch für bessere IT-Spezialisten zu sorgen. "An neuralgischen Punkten muss der Bundestag sich qualifiziertes Personal zulegen, das vielleicht nicht nach Bundesangestelltentarif bezahlt wird", sagte CCC-Sprecher Dirk Engling der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post".

Engling verwies darauf, dass es im Parlament auf vielen Politikfeldern wie etwa der Energiewende immer wieder um wichtige Dokumente gehe, für die von interessierter Seite viel Geld bezahlt werde. Mit Hackern komme man schon für fünf- und sechsstellige Beträge ins Geschäft. Dagegen müsse sich der Bundestag besser wappnen.

Quelle: n-tv.de

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