Terroranschlag in IndienAcht Tote in "German Bakery"

Den Rettungskräften bietet sich ein Bild der Verwüstung: Bei einem Terroranschlag auf das Restaurant "German Bakery" sterben in Westindien mindestens acht Menschen, viele werden verletzt. Noch ist unklar, wie viele Ausländer unter den Opfern sind. Auch von den Tätern fehlt bislang jede Spur.
Bei einem Anschlag in der westindischen Stadt Pune sind mindestens acht Menschen getötet und mehr als 30 weitere verletzt worden. Wie die Polizei mitteilte, ging der Sprengsatz am frühen Abend in dem beliebten Restaurant "German Bakery" (Deutsche Bäckerei) im Stadtteil Koregaon Park im ehemaligen Poona hoch. Nach Angaben der indischen Regierung war unter den Todesopfern mindestens ein Ausländer.
Ein weiterer Ausländer wurde bei dem Anschlag verletzt, wie Innenminister G.K. Pillai sagte. Die Nationalität der betroffenen Ausländer ist noch nicht bekannt. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin konnte nicht sagen, ob auch Deutsche unter den Todesopfern waren. Die deutschen Stellen in Indien stehen ihren Angaben zufolge aber in Kontakt mit den Behörden vor Ort.
Bombe in Päckchen
Der Sprengsatz explodierte in den frühen Abendstunden, als sich zahlreiche Touristen in dem Restaurant aufhielten. "Wir hörten einen lauten Knall und dann sind wir alle rausgerannt", sagte ein Angestellter der Bäckerei. "Die Wucht der Explosion war so groß, dass überall kleine Körperteile herumlagen." Der Sprengsatz sei vermutlich in einer Tasche versteckt gewesen, die in dem Restaurant deponiert worden sei, sagte ein hochrangiger Polizist. "Wir haben viele Leute in Krankenwagen gebracht", sagte ein Ausländer einem lokalen Fernsehsender. "Die German Bakery gibt es nicht mehr." Die Wucht der Explosion ließ Fenster zersplittern und hinterließ einen riesigen Krater im Innern des Gebäudes.
Wie Innenminister Pillai sagte, gehen die indischen Behörden von einem Terroranschlag aus. Zu der Tat bekannte sich aber noch niemand. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. "Lasst uns nicht spekulieren", sagte Innenminister Palaniappan Chidambaram. "Lasst uns auf den Untersuchungsbericht warten, bevor wir irgendwelche Schlüsse ziehen." Die Sicherheitskräfte auf Flughäfen und in Bahnhöfen wurden in Alarmbereitschaft versetzt.
Sollte sich auch nur der geringste Hinweis auf eine Verwicklung Pakistans ergeben, würde dies das ohnehin schwierige Verhältnis zwischen den beiden Atomstaaten weiter erschweren. Der Anschlag ereignete sich nur einen Tag, nachdem Indien und Pakistan die Wiederaufnahme ihrer Friedensgespräche am 25. Februar beschlossen hatten. Die indische Regierung hatte den mühsamen Prozess nach den Anschlägen in Mumbai im November 2008 abgebrochen. Damals hatten sich Extremisten drei Tage lang in dem ehemaligen Bombay verschanzt und 166 Menschen getötet. Die indische Regierung vermutete, dass die Spur der Attentäter nach Pakistan führte.
Bereits zuvor waren 2008 in Indien zahlreiche Anschläge verübt worden, bei denen insgesamt mehr als 100 Menschen starben. Die meisten Attentate sollen auf das Konto von Muslim-Extremisten gehen, in einigen Fällen wurden jedoch militante Hindus als Täter vermutet. In den vergangenen Monaten hatten die indischen Behörden im ganzen Land ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft, nachdem neue Anschlagsdrohungen eingegangen waren.
Restaurant in der Nähe von jüdischem Kulturzentrum
Das Restaurant befindet sich in der Nähe des weltweit bekannten Osho Ashrams der Bhagwan-Bewegung und eines jüdischen Kulturzentrums. Das Meditationszentrum des indischen Gurus Bhagwan Shree Rajneesh, der sich später auch Osho nannte, wird seit den 70er Jahren von westlichen Touristen besucht. In dem Ashram soll nach Angaben von Innenminister Pillai auch der US-Bürger David Headley übernachtet haben. Er sitzt derzeit in den USA in Untersuchungshaft, weil er an der Planung der Terroranschläge in Mumbai beteiligt gewesen sein soll.
Das jüdische Chabad House in Pune wird von der Chabad-Lubavitch-Bewegung betrieben, die von den Terroranschlägen in Mumbai betroffen war. Bei dem Angriff auf das jüdische Zentrum im früheren Bombay waren sechs Menschen getötet worden, darunter der Rabbiner und seine schwangere Frau. Pune liegt rund 100 Kilometer südöstlich von Mumbai im Bundesstaat Maharashtra.