Freitag, 20. August 2010
Wie stark ist die Linke?: Aktuelle Zahlen bleiben geheim
Wie viele Mitglieder hat die Linke und wie viele davon bezahlen eigentlich Beitrag? Mit dieser Frage bleiben die Journalisten auch künftig allein. Die Linke will nur die Zahlen vom Dezember 2009 herausrücken. Über Zahler und Nichtzahler erfährt man nichts.
Gregor Gysi und Klaus Ernst wollen nur die Mitgliederzahlen zum 31. Dezember 2009 weitergeben.
(Foto: dpa)
Nach dem heftigen Krach um die sogenannte Karteileichen-Affäre bei der Linken will der Bundesvorstand die aktuellen Mitgliederzahlen geheim halten. Das wurde auf einer Sitzung in Berlin beschlossen, wie aus einem internen Brief an die Parteigliederungen hervorgeht. Darin wird gebeten, auf Anfrage nur die Mitgliederzahlen zum 31. Dezember 2009 weiterzugeben. "Weitere Wünsche nach Übersichten über zahlende und nichtzahlende Mitglieder geben wir nicht an die Medien", heißt es in dem Schreiben.
Der bayerische Landesschatzmeister Ulrich Voß hatte seinem eigenen Verband schwerste Satzungsbrüche vorgeworfen und die falschen Mitgliederzahlen mehrerer Kreisverbände angeprangert – vor allem solcher Kreisverbände, die dem Bundesvorsitzenden Klaus Ernst nahe stehen. Da die Zahl der Delegierten bei Parteitagen sich nach der Mitgliederzahl der jeweiligen Kreisverbände richtet, habe Ernst bei der Nominierung der Kandidaten für die Bundestagswahl 2009 davon profitiert. Der Bundesvorstand hat Voß deswegen scharf kritisiert.
Wie aus dem jüngsten Finanzbericht der bayerischen Linken für das Jahr 2008 hervorgeht, gab es in Bayern tatsächlich außerordentlich viele nichtzahlende Mitglieder – nämlich mit knapp 38 Prozent mehr als ein Drittel. Im Finanzbericht für den Landesparteitag am 3. Dezember 2009 wird die Mitgliederzahl in Bayern auf 3225 beziffert, von denen 1221 keinen Beitrag gezahlt hatten. Erstellt wurde diese Liste von der damaligen Landesgeschäftsführerin Gilberte Lebien-Schachner. Bundesgeschäftsführer Werner Dreibus wollte diese Zahlen aber jüngst nicht bestätigen, obwohl der bayerische Landesverband sie schriftlich dokumentiert hat.
dpa/AFP
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