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Die Erreger der Vogelgrippe-Virus H5N1 sind in der Aufnahme durch ein elektronisches Mikroskop braun dargestellt.
Die Erreger der Vogelgrippe-Virus H5N1 sind in der Aufnahme durch ein elektronisches Mikroskop braun dargestellt.(Foto: dapd)

Anschläge mit Millionen Opfern möglich: Angst vor neuem Supervirus

Wissenschaftler aus den Niederlanden und den USA forschen nach Impfstoffen gegen den gefährlichen Vogelgrippe-Erreger H5N1 – und entdecken bei ihren Arbeiten die Formel für einen Supervirus. Die USA befürchten jetzt, dass die Erkenntnisse in falsche Hände gelangen und Terroristen mit dem neuen Virus Biowaffen bauen könnten. Die Folge könnten Anschläge mit Millionen Todesopfern sein.

Die US-Regierung hat an Forscher und Wissenschaftsjournale appelliert, Daten über ein im Labor entwickeltes Supervirus unter Verschluss zu halten. Bei dem überaus gefährlichen und hochansteckenden Virus handelt es sich um eine Variante des Vogelgrippe-Erregers H5N1.

Die US-Behörde für Biosicherheit (NSABB), die die Regierung in Washington berät, befürchtet im Falle der Veröffentlichung der Informationen über das Vogelgrippevirus H5N1, dass dieses für Anschläge mit Millionen von Todesopfern hergestellt werden könnte.

Geschlachtete Hühner in Schanghai.
Geschlachtete Hühner in Schanghai.(Foto: dpa)

Der Vorgang ist einzigartig. Noch nie zuvor habe sich die US-Regierung in die Veröffentlichung einer Studie eingeschaltet und Geheimhaltung empfohlen, erklärte der Chefredakteur der Journals "Science", Bruce Alberts. Üblich ist, dass Forscher alle Einzelheiten auf den Tisch legen, damit andere Kollegen die Studie wiederholen und ihr Ergebnis verifizieren können. Stattdessen schlug der Beraterausschuss für Biosicherheit im US-Gesundheitsministerium vor, nur das Ziel der Studie zu beschreiben, nicht aber die Experimente selbst.

Der Vorsitzende der NSABB, Paul Keim, zeigte sich im vergangenen Monat zutiefst besorgt über das Virus. "Ich kenne keinen anderen krankheitserregenden Organismus, der so beängstigend ist wie dieser", sagte Keim laut dem US-Verband zur Förderung der Wissenschaft.

Nur wenige Mutationen reichten aus

Die Forschungen wurden von Ron Fouchier an der Erasmus Universität in Rotterdam und Yoshihiro Kawaoka an der US-Universität von Wisconsin durchgeführt. Fouchier hatte bereits im September auf Malta über sein neues Vogelgrippe-Virus gesprochen. Es habe nur weniger Mutationen bedurft, um den Erreger hochansteckend zu machen, sagte er damals.

Die Nationalen Gesundheitsforschungsinstitute (NIH) der USA in Bethesda hatten die Studien finanziert, um die Infektionsgefahr des H5N1-Virus besser einschätzen und Vorbeugung treffen zu können. Beide Arbeiten hätten gezeigt, dass das Infektionspotenzial des Virus für Säugetiere, Menschen eingeschlossen, deutlich größer ist als bisher angenommen, teilten die NIH jetzt mit.

Auch die beiden Forscher verteidigen sich damit, dass ihre Arbeit die Suche nach Impfstoffen und anderen Mitteln gegen das Supervirus fördert. Fouchier hat sein Papier derweil überarbeitet und kritische Daten herausgenommen, bestätigte "Science". Der Chefredakteur von "Nature", Philip Campbell, teilte mit, dass er derzeit mit dem Beraterausschuss für Biosicherheit im Gesundheitsministerium über die Veröffentlichung der Studie aus Wisconsin verhandele.

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Quelle: n-tv.de

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