Politik
Mit aller Härte geht der türkische Präsident Erdogan gegen mutmaßliche Anhänger von Gülen vor. Deren Namen sind offenbar schon länger bekannt.
Mit aller Härte geht der türkische Präsident Erdogan gegen mutmaßliche Anhänger von Gülen vor. Deren Namen sind offenbar schon länger bekannt.(Foto: dpa)
Samstag, 30. Juli 2016

40.000 Gülen-Anhänger identifiziert: Ankara fing verschlüsselte Nachrichten ab

Kurz nach dem Putschversuch werden in der Türkei Zehntausende Menschen verhaftet oder entlassen. Woher hat die Regierung all die Namen? Ein Behördenvertreter sagt nun, dass schon lange Nachrichten von Gülen-Anhängern abgefangen wurden.

Die Türkei hat nach Angaben eines Behördenvertreters schon lange vor dem Putschversuch am 15. Juli verschlüsselte Nachrichten von Anhängern des islamischen Predigers Fethullah Gülen abgefangen. Dadurch habe Ankara die Namen von Zehntausenden Mitgliedern des Gülen-Netzwerks gehabt, sagte der ranghohe Behördenvertreter, der anonym bleiben wollte.

Demnach begann der türkische Geheimdienst MIT bereits im Mai vergangenen Jahres damit, über die Handy-App ByLock versendete Nachrichten zu entschlüsseln. Darüber seien fast 40.000 Namen von Gülen-Anhängern, darunter die von 600 Militärangehörigen, identifiziert worden. Eine "große Anzahl" der auf diese Weise Identifizierten sei "direkt" in den Putschversuch verwickelt gewesen, sagte der Behördenvertreter weiter.

Die türkische Regierung macht den im Exil in den USA lebenden 75-jährigen Gülen für den Putschversuch verantwortlich. Seit dem versuchten Umsturz wurden in der Türkei mehr als 18.000 Menschen festgenommen, zumeist, weil sie Gülen nahestehen sollen. Darunter sind Soldaten und Polizisten, aber auch Beamte, Richter und Journalisten. Etliche weitere Menschen wurden entlassen oder suspendiert. Der Prediger Gülen bestreitet allerdings jede Verwicklung und hat den Putschversuch scharf verurteilt. Das Vorgehen der Regierung auch gegen kritische Medien und die Justiz stößt international auf Kritik.

Journalistin weist Vorwürfe zurück

Die festgenommene regierungskritische Journalistin Nazli Ilicak wies derweil Verbindungen zu den Verantwortlichen für den Putschversuch zurück. Dies berichtete die türkische Nachrichtenagentur DHA. Ilicak sagte demnach der Staatsanwaltschaft, sie habe "keine Verbindung" zu den Anhängern Gülens.

Ein Staatsanwalt hatte am Freitag Haftbefehle für 21 festgenommene Journalisten beantragt, ein Gericht gab 17 der Anträge statt, darunter auch für Ilicak. Dutzende weitere Mitarbeiter von Medien sind zur Fahndung ausgeschrieben. Ilicak war Ende 2013 von der regierungsnahen Zeitung "Sabah" entlassen worden, als sie im Rahmen von Korruptionsermittlungen den Rücktritt mehrerer Minister der Regierungspartei AKP forderte. Die Regierung hält die damaligen Korruptionsermittlungen für ein Gülen-Komplott.

Quelle: n-tv.de

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