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Flüchtlinge im Hafen von Piräus.
Flüchtlinge im Hafen von Piräus.(Foto: AP)

Familiennachzug übers Mittelmeer: Anteil der Kinder und Frauen steigt

Menschenrechtler machen die Bundesregierung dafür verantwortlich, dass immer mehr Frauen und Kinder die gefährliche Überfahrt aus der Türkei nach Griechenland wagen. Auch das Kinderhilfswerk kritisiert die geplante Einschränkung des Familiennachzugs.

Viel war im vergangenen Jahr von den jungen Männern die Rede, die ohne Frau und Kinder aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan nach Deutschland kamen. Tatsächlich waren unter den Asylantragstellern 69,2 Prozent Männer. Allerdings hatten viele Flüchtlinge gehofft, ihre Familien nachholen zu können. "Das machen alle Flüchtlinge so", wissen Menschen, die mit Flüchtlingen arbeiten. "Einer geht vor, die anderen kommen nach."

Mittlerweile sind mehr Frauen und Kinder auf der Flucht nach Europa als Männer. 36 Prozent derer, die die gefährliche Überfahrt von der Türkei nach Griechenland riskierten, seien Kinder, teilte das UN-Kinderhilfswerk Unicef mit. Diese Zahl könne sogar noch höher sein, so Unicef, da viele Kinder ihr Alter verschwiegen. "Kinder und Frauen machen jetzt fast 60 Prozent der Flüchtlinge und Migranten aus, die die Grenze von Griechenland nach Gevgelija in der früheren jugoslawischen Republik Mazedonien überqueren."

Theoretisch hat bislang jeder anerkannte Flüchtling oder Asylbewerber das Recht, Frau und Kinder nach Deutschland zu holen. In der Praxis funktionierte das allerdings nicht: Häufig warten Nachzugsberechtigte ein Jahr, bevor sie auch nur einen Termin bei der deutschen Botschaft in Ankara oder Beirut bekommen.

Zudem wird das Recht auf Familiennachzug eingeschränkt. "Um die Flüchtlingsströme besser zu bewältigen, wird der Familiennachzug für Antragsteller mit subsidiärem Schutz für zwei Jahre ausgesetzt", erklärte die Bundesregierung am Mittwoch. Unter den "subsidiären Schutz", der weniger Rechte bringt als die Anerkennung als Asylberechtigter oder nach der Genfer Flüchtlingskonvention, fiel 2015 nur 0,6 Prozent aller Antragsteller. Die Bundesregierung dürfte bemüht sein, diesen Anteil im laufenden Jahr deutlich zu steigern.

Das Deutsche Kinderhilfswerk warf der Bundesregierung vor, die Rechte von Kindern einem politischen Aktionismus zu opfern, da die Aussetzung des Familiennachzugs auch für Minderjährige gilt, die ohne Eltern nach Deutschland kommen. "Es ist bereits nach derzeitiger Rechtslager für viele unbegleitete Flüchtlingskinder nahezu unmöglich, ihre Eltern in die Bundesrepublik Deutschland nachzuholen", sagte Thomas Krüger, der Präsident des Verbandes. Eine Aussetzung des Familiennachzugs für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge mit subsidiärem Schutzstatus lege der Integration der Kinder "weitere Steine in den Weg". Nötig sei ein Ausbau der Rechtsansprüche, keine Einschränkungen.

Auch Pro Asyl kritisierte die Einschränkung des Familiennachzugs. Dies werde den derzeitigen Trend verstärken, dass Kleinkinder, Kinder und Frauen sich auf die lebensgefährliche Fluchtroute und in die Hände von Schleusern begeben, so die Organisation. "Mit dieser Politik unterläuft die Bundesregierung ihren selbstgestellten Anspruch auf eine zügige Integration in Deutschland", sagte auch die Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, Selmin Caliskan.

Quelle: n-tv.de

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