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Aufregung im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge: Das "Nein zum Heim" ruft vor allem Asylbefürworter auf den Plan.
Aufregung im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge: Das "Nein zum Heim" ruft vor allem Asylbefürworter auf den Plan.(Foto: picture alliance / dpa)

Proteste im sächsischen Freital: Anwohner demonstrieren gegen Flüchtlinge

In Freital bei Dresden gibt es seit Wochen Proteste gegen Flüchtlinge, die dort in einem Hotel untergebracht sind. Nun will die Landesregierung dort ein Ausweichquartier zur Erstaufnahme mit fast 300 Plätzen einrichten.

Erneut haben rund 80 Menschen am Abend in Freital bei Dresden gegen die Unterbringung von Asylbewerbern in einem ehemaligen Hotel protestiert. Die Zahl der Gegendemonstranten fiel nach Polizeiangaben erheblich größer aus als die Menge der Asylgegner: Etwa 200 Menschen stellten sich demnach dem Protest entgegen. Sie riegelten die Unterkunft der Flüchtlinge ab, so dass die Gegner des Asylbewerberheims nicht bis zum fraglichen Anwesen vordringen konnten. Die Polizei trennte beide Gruppen. Zu Zwischenfällen kam es nicht.

Am späten Abend zogen sich die Gegner der Flüchtlingsunterkunft zurück. Auch die Gegendemonstration löste sich größtenteils auf. Nur eine Handvoll Menschen blieb am Heim zurück, um es nach eigenen Angaben gegen Angriffe "der Rechten" zu schützen. "Der Einsatz wurde um 00.45 Uhr beendet", sagte ein Polizeisprecher. Dennoch werde man die ganze Nacht über vor der Unterkunft präsent bleiben.

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Freital ist der Wohnort des Pegida-Gründers Lutz Bachmann. Der Ort gilt als Hochburg der "Patrioten gegen die Islamisierung des Abendlandes" und ihrer teils offen fremdenfeindlichen Anhänger. Bereits zu Wochenbeginn hatte es in Freital vor dem früheren Hotel "Leonardo" Proteste gegen die Unterbringung von Flüchtlingen gegeben, nachdem die Landesdirektion erklärt hatte, in der Unterkunft bis zu 280 Plätze für die Erstaufnahme von Asylbewerbern einzurichten. Ein Motto der Gegner einer Unterbringung von Asylsuchenden in Freital lautet: "Asyl-Wahn stoppen: Nein zum Heim". Bislang hat der Landkreis dort etwa 100 Asylbewerber untergebracht. In der Kreisstadt Freital leben rund 40.000 Einwohner.

Staatliches Missmanagement?

Politiker von Linken, SPD und Grünen äußerten sich besorgt über die Proteste. Besonders erschreckend sei die Stimmungsmache, die die Organisatoren von Pegida in Freital betreiben würden, meinte der stellvertretenden Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Henning Homann. Linke und Grüne warfen der schwarz-roten Staatsregierung Missmanagement vor. Innenminister Markus Ulbig (CDU) wies die Vorwürfe zurück.

Die Landesdirektion will das Freitaler Hotel als Zwischenlösung für die Erstaufnahme von Flüchtlingen nutzen. Mit der Belegung der 280 Plätze könnten die umstrittenen Zelte, die in der zentralen Erstaufnahmeeinrichtung in Chemnitz errichtet worden seien, Zug um Zug wieder abgebaut werden, hieß es.

"Verantwortung unserer Gesellschaft"

Schon seit Anfang März fänden jeden Freitag rassistische Aufmärsche gegen die Unterkunft statt, erklärte die örtliche Linken-Abgeordnete Verena Meiwald. Die Wahl der Stadt als Standort für die Erstaufnahme zeige, wie wenig sensibel das Innenministerium vorgehe.

Ulbig dagegen rechtfertigte die Unterbringung: "Mit der Einquartierung in Freital können Flüchtlinge aus Zelten herausgebracht werden", erklärte der Minister. "Ausländerfeindliche oder populistische Parolen Einzelner dürfen nicht die Verantwortung unserer Gesellschaft für eine vernünftige und anständige Unterbringung infrage stellen."

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Quelle: n-tv.de

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