Hinrichtungstermin verstrichenAschtiani lebt noch
Mittwochs ist Hinrichtungstag im Gefängnis von Tabris. Dort sitzt auch die zum Tod verurteilte Sakine Mohammadi Aschtiani. Doch bisher haben sich die schlimmsten Befürchtungen nicht bewahrheitet.
Die zum Tod durch Steinigung verurteilte Iranerin Sakine Mohammadi Aschtiani ist weiterhin am Leben. "Sie wurde heute nicht hingerichtet", sagte die in Deutschland lebende Sprecherin des Komitees gegen die Steinigung, Mina Ahadi, unter Berufung auf ihre eigenen Quellen im Iran. Die Uhrzeit für die Hinrichtungen sei für diesen Mittwoch bereits verstrichen. "Aber die Gefahr bleibt. Es kann immer passieren", ergänzte sie.
Ahadi und französische Menschenrechtsaktivisten hatten zuvor die Besorgnis geäußert, die Hinrichtung Aschtianis könne unmittelbar bevorstehen. Die Behörden hätten dem Gefängnis in Tabris, in dem Aschtiani einsitze, grünes Licht für die Hinrichtung durch den Strang gegeben, berichtete die Gruppe Internationales Komitee gegen Steinigung auf ihrer Webseite.
Verurteilung nach der Scharia
Aschtiani war nach iranischen Angaben im Jahr 2006 in zwei verschiedenen Gerichtsverfahren zum Tode verurteilt worden. Im ersten Fall wurde sie wegen angeblicher Verwicklung in den Mord an ihrem Ehemann zum Tod durch den Strang verurteilt. Ein Berufungsgericht wandelte das Urteil 2007 in eine zehnjährige Haftstrafe um.
Im zweiten Fall wurde sie wegen mehrfachen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilt. Ihr Schicksal löste weltweit Empörung und Proteste aus. Im Juli wurde ihre Hinrichtung zunächst ausgesetzt. In iranischen Medien hatte es aber bereits damals geheißen, der Mutter zweier Kinder könnte statt der Steinigung der Tod durch Erhängen drohen.
Internationaler Protest
Die US-Regierung erklärte, man verurteile die iranischen Pläne auf das Schärfste. Der Fall zeige, dass der Iran die Menschenrechte fundamental missachte. Von den Behörden im Iran gab es zunächst weder eine Bestätigung noch ein Dementi zu dem Bericht.
Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton teilte mit, sie sei tief besorgt angesichts der Berichte, die Exekution Aschtianis stehe möglicherweise unmittelbar bevor. Sie forderte die iranischen Behörden auf, die Todesstrafe nicht zu vollziehen. Zugleich bezweifelte Ashton, dass Aschtiani einen fairen Prozess im Iran bekommen hat. Diese Zweifel hege sie auch wegen der Inhaftierung des Anwalts und des Sohnes von Aschtiani.
Der Fall hat dem Iran internationale Kritik eingebracht und die schon wegen des Atomstreits belasteten Beziehungen zum Westen weiter verschlechtert.