Politik
Rund 35.000 forderten seit den frühen Morgenstunden in Islamabad den Sturz der Regierung.
Rund 35.000 forderten seit den frühen Morgenstunden in Islamabad den Sturz der Regierung.(Foto: dpa)

Durcheinander in Pakistan: Ashraf in Bedrängnis

In Islamabad ruft ein muslimischer Geistlicher zum Sturz der "korrupten Regierung" auf. Er will Neuwahlen erreichen, sonst werde es eine "Revolution" geben. Das Oberste Gericht des Landes ordnet derweil die Festnahme von Regierungschef Ashraf an. Er und 15 weitere Personen stehen unter Korruptionsverdacht.

Die Vorwürfe gegen Ashraf wiegen schwer.
Die Vorwürfe gegen Ashraf wiegen schwer.(Foto: dpa)

In Pakistan kündigt sich möglicherweise ein Putsch gegen die Regierung an. Der Oberste Gerichtshof des Landes ordnete die Festnahme von Regierungschef Raja Pervez Ashraf an. Grund sei ein Korruptionsfall im Zusammenhang mit Energieprojekten, berichteten mehrere TV-Sender. 

Pakistans Regierung teilte Stunden später mit, keine Informationen über einen Haftbefehl gegen Ashraf zu haben. Weder die Regierung, noch das Justizministerium oder der Regierungschef selbst hätten eine schriftliche Anordnung von Seiten der Justiz erhalten, sagte der pakistanische Informationsminister Qamar Zaman Kaira dem privaten TV-Sender Geo.

Ashraf wird vorgeworfen, in seiner Zeit als Wasser- und Energieminister Schmiergelder angenommen zu haben. Von dem Geld habe er sich Immobilien in Großbritannien gekauft. Zwischen dem Verfassungsgericht und der von der Volkspartei PPP geführten Regierung schwelt seit Langem ein Konflikt.

Wegen der Korruptionsvorwürfe muss sich Ashraf seit Jahren vor Gericht verantworten, konnte aber bislang jegliche Verurteilung abwehren. Trotz der Vorwürfe wurde er vor einem halben Jahr zum Premier gewählt - der Alternativkandidat war ebenso in Korruptionsvorwürfe verwickelt.

Die Vorwürfe werden auch gegen 15 weitere Personen erhoben. Ob dies Politiker im Umfeld des Regierungschefs sind, ist zur Stunde unklar.

Prediger fordert Auflösung der Parlamente

Hinter kugelsicherem Glas ruft Qadri seine Landsleute zur Revolution gegen die Regierung auf.
Hinter kugelsicherem Glas ruft Qadri seine Landsleute zur Revolution gegen die Regierung auf.(Foto: dpa)

Zuvor hatte der populäre Geistliche Tahir ul-Qadri zum Sturz der Regierung und der regionalen Parlamente aufgerufen. Er fordert die Einsetzung einer Übergangsregierung in Absprache mit dem Militär und der Justiz sowie Reformen, um die Wahl "ehrlicher Leute" zu erlauben.

Am Vormittag war ein Ultimatum Qadris zur Auflösung des Parlaments ausgelaufen. Daraufhin hatte rief seine Anhänger zur Fortsetzung ihrer Proteste auf. "Ich bitte euch, zu bleiben. Ich werde bleiben", rief der 61-jährige Prediger der Menge in der Hauptstadt Islamabad zu. "Ja", rief die Menge zurück. Der Kleriker hatte der Regierung mit einer "demokratischen Revolution" gedroht, sollte sie nicht aus dem Amt scheiden. Am Rande des Regierungsviertels in Islamabad war es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen.

Qadri war am Sonntag mit zehntausenden Anhängern von Lahore nach Islamabad aufgebrochen, um gegen die Korruption und Ineffizienz der Regierung zu protestieren. Qadri hatte bereits am 23. Dezember, kurz nachdem er nach Jahren in Kanada zurückgekehrt war, in Lahore bei einer Kundgebung 100.000 Anhänger versammelt.

In Islamabad fallen Schüsse

Während der Proteste in Islamabad waren Schüsse zu hören. Ein Sprecher Qadris warf der Polizei vor, das Feuer eröffnet zu haben, als sie den Prediger festzunehmen versuchten. Ein Organisator der Proteste, Muzamal Ahmed Khan, warf der Polizei vor, die Demonstranten zu gewaltsamen Reaktionen provozieren zu wollen. Innenminister Rehman Malik jedoch sagte, die Demonstranten würden Waffen tragen und auf die Polizei schießen.

Qadri ist der Führer der religiösen Bewegung Minhaj ul-Quran (Der Weg des Koran) in Lahore. Nach eigenen Angaben hat sie mehr als 500 Religionsschulen in Pakistan und Vertretungen in mehr als 90 Ländern. Seinen Anhängern gilt er als Vertreter eines liberalen und friedlichen Islams. Die Regierung wirft ihm aber vor, die Abhaltung der im Frühsommer geplanten Wahlen verzögern zu wollen. Qadri fordert die Einsetzung einer Übergangsregierung in Absprache mit dem Militär und der Justiz sowie Reformen, um die Wahl "ehrlicher Leute" zu erlauben.

Quelle: n-tv.de

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