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Gabriel will die SPD-Mitglieder von seinem Kurs überzeugen.
Gabriel will die SPD-Mitglieder von seinem Kurs überzeugen.(Foto: dpa)

Der Mann, der die SPD in die große Koalition führt: Auf Gabriel kommt es an

Viele spekulierten vor der Wahl schon auf den Rückzug von SPD-Chef Gabriel. Doch bei der schwierigen Entscheidung der Partei über einen Eintritt in die große Koalition spielt er nun eine Schlüsselrolle. Bei Gabriels Mission halten sich Chancen und Risiken die Waage.

Manchmal ändern sich die Dinge in der Politik sehr schnell. "Vielleicht bin ich dann weg", räsonierte Sigmar Gabriel nach Angaben der "Zeit" noch vor einigen Wochen am Rande eines Wahlkampftermins. Dann gab es 25,7 Prozent bei der Bundestagswahl. Viel mehr hatte der 54-jährige SPD-Chef ohnehin nicht erwartet, dennoch war es enttäuschend. Aber es war genug, damit nicht das passierte, was im Raume stand. Keine Nacht der langen Messer, keine rollenden Köpfe in der SPD. Und der Mann aus Goslar kann plötzlich Vizekanzler werden.

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In Erwartung eines schwierigen Wahlergebnisses hatte Gabriel einen Parteikonvent knapp eine Woche nach der Wahl anberaumt. Das erwies sich als Vorteil, denn vorher sollte es keine Konsequenzen geben. Beim Konvent dominierte dann nicht die Debatte über die Wahl, sondern die Frage, unter welchen Bedingungen man zum Eintritt in die große Koalition mit der Union bereit ist. Gabriel, der ein feines Gespür für Stimmungen hat, baute vor: Um die Basis mitzunehmen, entscheiden am Ende die rund 470.000 Mitglieder über einen Koalitionsvertrag.

Gabriel versucht im Moment, Vertrauen aufzubauen, nicht nur bei der skeptischen SPD-Basis, sondern auch bei Kanzlerin Angela Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer. Auf ihre Sechs-Augen-Gespräche kommt es an - bisher scheint die Chemie zu stimmen, aus der Koalition 2005 bis 2009 kennen sie sich gut. Gabriel tut dazu etwas, was bisher nicht als sein Markenzeichen in der Partei galt: Er wägt die Worte, arbeitet strategisch daran, wie die Koalition klappen könnte.

Der starke Mann

So ist er derzeit uneingeschränkt der starke Mann der SPD - vor der Wahl noch wurde er in Länderkreisen zur Disposition gestellt. Es war sicher hilfreich, sich nach Dissonanzen wieder mit Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier zu arrangieren. Dieser weiß wie kaum ein Zweiter bei der SPD, wie Koalitionsverträge ausgehandelt werden.

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Gabriel, Vater zweier Töchter, wird oft unterschätzt und in Schubladen gesteckt. Er kennt die Auf und Abs der Politik, mit seinen Launen verhalte es sich ähnlich, heißt es in der SPD. Derzeit macht er scheinbar vieles im schwierigen Nachwahl-Prozess richtig. Im Wahlkampf noch nervte er einige in der Partei mit immer neuen Vorstößen und Ideen, die nach hinten losgingen. Einer, der ihn gut kennt, betont: "Für Gabriel braucht man Nerven wie Drahtseile."

Mit 40 wurde er 1999 Deutschlands jüngster Ministerpräsident in Niedersachsen, 2003 jagten ihn die Wähler schon wieder aus dem Amt. In Berlin brachte es der gewichtige Niedersachse, der früher als Berufsschullehrer tätig war und mit einer Zahnärztin aus Magdeburg verheiratet ist, zunächst nur zum SPD-Pop-Beauftragten ("Siggi Pop").

Vier Jahre Parteichef

2005 konnte er als Bundesumweltminister ein Comeback feiern - bis heute gehört er auf diesem Feld zu den profiliertesten Politikern. Nach dem 23-Prozent-Debakel bei der Bundestagswahl 2009 und dem Abgang von Franz Müntefering wurde Gabriel nach einer mitreißenden Rede beim Parteitag in Dresden neuer Parteichef. Immerhin ist er es nun schon vier Jahre, zuvor gab es in vier Jahren vier Vorsitzende.

Gabriel verkörpert eine SPD-Aufsteigergeschichte aus einfachen Verhältnissen. In seiner Kindheit lebte er getrennt von seiner Mutter, beim herrischen Vater, einem überzeugten Nazi. Als er mal mit einer schlechten Note nach Hause kam, sammelte der Vater das ganze Spielzeug zusammen und gab es an einen Kindergarten ab. Der Junge driftete ab, klaute, zerstach Reifen und schoss mit einer Zwille umher, wie er Anfang 2013 einem "Zeit"-Journalisten offenbarte. Erst in der Pubertät habe er sich gefestigt: Mädchen und die Politik hätten ihm dabei geholfen. 1977 trat er in die SPD ein.

Gabriel, der sein Netto-Einkommen als Abgeordneter und SPD-Chef mit 10.864 Euro angibt, stärkte als Vorsitzender die Mitbestimmung der Mitglieder, erstmals konnten sich Bürger am Wahlprogramm beteiligen. Die Kanzlerkandidatur traute er sich noch nicht zu. Nun könnte das Schmieden einer großen Koalition zu seiner bisher größten Bewährungsprobe werden. Eine Operation mit Chancen und Risiken.

Quelle: n-tv.de

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