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Die OECD-Studie ist die erste Vergleichsstudie der wirtschaften und sozialen Integrationsergebnisse von Zuwanderern und ihren Kindern.
Die OECD-Studie ist die erste Vergleichsstudie der wirtschaften und sozialen Integrationsergebnisse von Zuwanderern und ihren Kindern.(Foto: obs)

OECD zeigt erste Integrationsstudie: Ausländerkinder ziehen nach

Kinder von Ausländern in Deutschland finden sich immer besser in Bildung und Arbeitsmarkt zurecht. Das ergibt die erste vergleichende Studie, die die OECD unter ihren Mitgliedsländern erhoben hat. Obgleich: Hochqualifizierte Migrantenkinder haben es hierzulande vergleichsweise schwerer als geringqualifizierte.

Kinder von Zuwanderern können sich immer besser  in den Arbeitsmarkt der jeweiligen Länder integrieren. In Deutschland ist die Situation sogar vielfach besser, als in vielen anderen OECD-Ländern. Und das, obgleich die Kinder von Migranten oftmals einen niedrigeren Bildungsstand haben, als ihre deutschen Altersgenossen. Das ist das Ergebnis der ersten international vergleichenden Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Unter dem Titel "Integration von Zuwanderern" fasst sie vielfältige Indikatoren aus Bildung, Gesundheit, Wohn-, Einkommens- und Arbeitsverhältnissen zusammen, die die Stärken und die Herausforderungen einzelner OECD-Länder im Umgang mit Migranten und ihren Kindern belegt.

Jugendliche mit Migrationshintergrund bei der Auftaktveranstaltung "Integration durch Bildung" im türkischen Haus in Berlin.
Jugendliche mit Migrationshintergrund bei der Auftaktveranstaltung "Integration durch Bildung" im türkischen Haus in Berlin.(Foto: picture alliance / dpa)

Noch vor vier Jahren waren in der Gruppe der 15 bis 34-Jährigen in Deutschland 13 Prozent der Kinder von Einwanderern weder in Ausbildung noch in Beschäftigung, im OECD-Schnitt waren es damals über 16 Prozent. Bei Kindern deutscher Eltern lag die Quote 2008 der Beschäftigungslosen in diesem Alter bei etwas mehr als neun Prozent.

Im Jahre 2012 zeigt sich in vielen Bereichen ein deutlich positiveres Bild, oder anders ausgedrückt, den OECD-Ländern gelingt heute besser, Zuwanderer zu integrieren.

Vergleicht man zum Beispiel die Beobachtungszeiträume 2000-2001 und 2009-2010, ergibt sich im Bereich der Bildung, der Anteil der Hochqualifizierten unter den Migrantenkindern innerhalb dieser zehn um fünf Prozentpunkte gestiegen ist. Besonders stark zeigt sich dieser Trend in Deutschland, Dänemark, Luxemburg und den Niederlanden.

Die Jungen holen bei der Bildung auf

In Deutschland haben heute sogar zwölf Prozent mehr Neuzuwanderer einen Hochschulabschluss als noch vor zehn Jahren. Allerdings gibt es laut dieser Studie auch einen Wermutstropfen, denn aufgrund der eher geringen Zuwanderungsrate gehört Deutschland nach wie vor zu jenen Ländern, in denen der Anteil der wenig qualifizierten Migranten besonders hoch ist: 38 Prozent, also weit mehr als ein Drittel aller im Ausland geborenen und in Deutschland lebenden Menschen zwischen 15 und 64 Jahren, haben maximal den Pflichtschulabschluss. Im OECD-Schnitt sind es 30 Prozent. Zugleich erzielen jedoch vor allem die männlichen Nachkommen von Zuwanderern einen deutlichen Bildungsfortschritt gegenüber ihren Eltern.

Gute Bildung zahlt sich aus

Der Erfolg auf dem Arbeitsmarkt ist eng mit der Bildung verbunden - unabhängig, ob Zuwanderer oder nicht. Und so sind mit der steigenden Bildung auch die Beschäftigungsraten für Migranten im vergangenen Jahrzehnt in fast allen OECD-Ländern gestiegen. 2010 lagen sie im Schnitt bei 65 Prozent und damit nur noch 2,6 Prozentpunkte tiefer als für Menschen ohne Migrationshintergrund. In Deutschland, wo der Anstieg besonders ausgeprägt war, gehen mittlerweile 64 Prozent der Zuwanderer im Erwerbsalter einer Beschäftigung nach, im Vergleich zu 57 Prozent im Jahr 2000. Auch Österreich verzeichnete einen Anstieg deutlich über dem OECD-Schnitt.

Auffällig wenige Zuwandererkinder in Deutschland sind nach ihrer Ausbildung im öffentlichen Sektor beschäftigt. 2008 arbeiteten in Deutschland etwa 26 Prozent der Gesamtbeschäftigten in der Altersklasse 15-34 in der öffentlichen Verwaltung, in Bildungseinrichtungen, bei Gesundheitsanbietern oder Sozialdienstleistern. Kinder von Zuwanderern waren allerdings nur halb so oft in diesem Feld tätig. Eine ähnlich große Diskrepanz in diesem Bereich gab es sonst nur in Luxemburg und in Dänemark.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass höhere Bildungsabschlüsse den Zugang zum Arbeitsmarkt sowohl für im Ausland als auch für im Inland Geborene erleichtern. Allerdings: Hochqualifizierte Zuwanderer finden im Vergleich zu ebenso qualifizierten Einheimischen schlechter einen adäquaten Job. Bei Geringgebildeten ist dies genau andersherum. Hier ist die Beschäftigungsquote der Zuwanderer im OECD-Durchschnitt sogar höher als die der entsprechenden Gruppe im Inland Geborener mit gleichem Bildungsniveau.

OECD-weit lebten 2010 ungefähr 110 Millionen Menschen in einem anderen als ihrem Geburtsland. Das entspricht etwa neun Prozent der Gesamtbevölkerung. Über ein Drittel davon entfällt auf die Vereinigten Staaten. Deutschland ist mit fast zehn Prozent aller Zuwanderer innerhalb des OECD-Raums das zweitwichtigste Aufnahmeland. Anders als in den meisten anderen OECD-Ländern hat sich der Anteil von Zuwanderern hier seit 2000/2001 aber nicht erhöht. Er liegt bei knapp 13 Prozent der Gesamtbevölkerung.

(Foto: OECD)

Quelle: n-tv.de

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