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Mittwoch, 09. August 2017

Fahrer weiter flüchtig: Auto rast in Pariser Vorort in Soldatengruppe

Im Pariser Vorort Levallois-Perret fährt ein Auto in eine Gruppe Soldaten. Die Polizei berichtet von sechs Verletzten, darunter drei "schwerer Verletzte". Der Fahrer des Wagens ist auf der Flucht. Innenminister Gérard Collomb spricht von einer "absichtlichen Tat".

In einem Vorort von Paris hat ein Unbekannter Soldaten während ihrer Patrouille durch das Ortszentrum mit einem Auto angefahren. Wie die französische Polizei mitteilte, gab es bei dem Vorfall in Levallois-Perret am Morgen sechs Verletzte - darunter drei "schwerer" Verletzte. Sie schweben den Angaben nach aber nicht in Lebensgefahr. Der Fahrer konnte mit seinem Wagen, einem BMW, fliehen. Nach ihm wird gefahndet. Innenminister Gérard Collomb sprach von einer "absichtlichen Tat".

Nach Angaben Collombs berichteten die Soldaten, dass sie den Eindruck hatten, dass in dem Auto ein einzelner Mann gesessen habe. Sie hatten gerade ein Gebäude verlassen, in dem die Stadtverwaltung von Levallois-Perret der Armee Räume überlassen hat. "Unsere Soldaten sind rausgegangen, um ihre Runde zu drehen, und ein bereitstehender BMW ist auf sie zugerast", sagte Bürgermeister Patrick Balkany im Fernsehsender BFMTV. "Das war ohne jeden Zweifel Absicht."

"Ich habe einen unglaublichen Lärm gehört", sagte ein Anwohner. Von seinem Balkon aus habe er dann zwei Soldaten auf dem Boden liegen sehen. Schnell seien zahlreiche Einsatzfahrzeuge von Polizei und Rettungskräften eingetroffen. Der Tatort wurde weiträumig abgeriegelt. Regierungssprecher Christophe Castaner sagte nach der wöchentlichen Kabinettssitzung im Élyséepalast, es würden alle Mittel eingesetzt, um den oder die Verantwortlichen zu "neutralisieren".

Anti-Terror-Spezialisten ermitteln

Die verletzten Soldaten schweben nicht in Lebensgefahr.
Die verletzten Soldaten schweben nicht in Lebensgefahr.(Foto: REUTERS)

Die französische Verteidigungsministerin Florence Parly bezeichnete die Tat als "feige". Der Angriff werde nicht die "Entschlossenheit der Soldaten" mindern, sich für die Sicherheit der Franzosen einzusetzen, erklärte die Ministerin. Parly sprach den verletzten Soldaten ihren Beistand aus.

Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft hat unterdessen die Ermittlungen übernommen. Ermittelt werde unter anderem wegen terroristisch motivierter Mordversuche, hieß es in einer Erklärung. Der Inlandseinsatz "Sentinelle" (Wache oder Wachposten) wurde nach den islamistischen Anschlägen auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" und einen jüdischen Supermarkt im Januar 2015 in Paris ins Leben gerufen. Die verletzten Soldaten sind im Rahmen "Sentinelle"-Mission im Einsatz.

Immer wieder Angriffe auf Soldaten

Nach einer beispiellosen islamistischen Terrorserie mit fast 240 Toten herrscht in Frankreich immer noch der Ausnahmezustand. Auf Straßen und vor öffentlichen Gebäuden patrouillieren deshalb Polizisten und schwer bewaffnete Soldaten. Sie bewachen unter anderem Synagogen, Flughäfen, Bahnhöfe und Touristenattraktionen wie Museen oder den Pariser Eiffelturm.

Dabei werden sie selbst immer wieder Ziel von Angriffen. Im März war ein Mann am Pariser Flughafen Orly bei einer Attacke auf patrouillierende Soldaten erschossen worden. Am Samstagabend hatte ein Angreifer am Eiffelturm ein Messer gezückt und "Allah ist groß" geschrien. Patrouillierende Soldaten forderten ihn auf, das Messer wegzulegen, er ließ sich widerstandslos festnehmen. Der in Mauretanien geborene Franzose wurde in die Psychiatrie eingewiesen.

Levallois-Perret liegt im Département Hauts-de-Seine nordwestlich von Paris.
Levallois-Perret liegt im Département Hauts-de-Seine nordwestlich von Paris.(Foto: picture alliance / -/Google/dpa)

Quelle: n-tv.de

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