Politik
Mit einer Autobombe soll der Anschlag verübt worden sein.
Mit einer Autobombe soll der Anschlag verübt worden sein.(Foto: REUTERS)

Regierungschef sagt Brüssel-Reise ab: Autobombe in Ankara reißt 28 Menschen in den Tod

In der türkischen Hauptstadt Ankara explodiert eine Autobombe neben einem Armee-Konvoi. Beinahe im Stundentakt steigt die Zahl der Todesopfer. Laut Gouverneur Kiliclar werden zudem 61 Personen verletzt. Die Regierung spricht von einem Terroranschlag.

Bei einem Autobomben-Anschlag auf einen Konvoi der Armee in der türkischen Hauptstadt Ankara sind nach offiziellen Angaben mindestens 28 Menschen getötet worden. Der Sprengsatz sei an einer Ampel detoniert, als dort mehrere Fahrzeuge mit Armee-Angehörigen angehalten hätten, teilte das Büro des Gouverneurs der Stadt, Mehmet Kiliclar, weiter mit. Ein Militärvertreter bestätigte, dass der Anschlag Soldaten galt und unter den Toten Soldaten seien. 61 Menschen wurden verletzt. Der frühere Vize-Regierungschef Bekir Bozdag bezeichnete die Explosion in der Nähe des Parlaments und des Armee-Hauptquartiers auf Twitter als Terroranschlag. Regierungschef Ahmet Davutoglu sagte seine geplante Reise zum EU-Gipfel in Brüssel ab.

Video

Ziel des "Terroranschlags" seien mehrere Fahrzeuge gewesen, die Angehörige der Streitkräfte transportiert hätten, teilte das Militär mit. Zu der Detonation sei es gekommen, als die Fahrzeuge gegen 18.30 Uhr (Ortszeit/17.30 MEZ) an einer Ampel gehalten hätten. Es handele sich um einen "niederträchtigen und verräterischen Angriff". Die Regierung verhängte aus Gründen der "nationalen Sicherheit" eine Nachrichtensperre, die aber nicht offizielle Verlautbarungen betrifft.

Aus Polizeikreisen verlautete zudem, ein Fahrzeug sei explodiert. Zu der Detonation kam es im Regierungsviertel Cankaya vor dem Hauptquartier der Luftwaffe in der Nähe des Parlaments. Auf Fernsehbildern waren ein großes Feuer und zahlreiche Krankenwagen zu sehen. Über Ankara stieg eine Rauchwolke auf. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag. Ein ranghoher Vertreter der Sicherheitskräfte sagte unmittelbar nach der Detonation, es gebe erste Hinweise, dass Extremisten der verbotenen Arbeiterpartei PKK die Tat verübt hätten. In Sicherheitskreisen im kurdischen Südosten des Landes hieß es hingegen, möglicherweise stecke die Extremistenmiliz IS hinter dem Anschlag.

Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte "diesen neuerlichen terroristischen Akt auf das Schärfste". Zugleich sprach sie den Opfern und Angehörigen ihr Mitgefühl aus. "Dem türkischen Volk sage ich: Wir Deutsche teilen ihren Schmerz. Im Kampf gegen die Verantwortlichen für solche menschenverachtenden Taten stehen wir an der Seite der Türkei."

Erdogan: "Recht auf Selbstverteidigung"

Präsident Recep Tayyip Erdogan kündigte Vergeltung an. Die Türkei sei entschlossen, von ihrem "Recht auf Selbstverteidigung" Gebrauch zu machen, erklärte Erdogan am Mittwoch. Vize-Regierungschef Numan Kurtulmus sprach von einem Angriff "auf unsere Nation". Die Türkei werde vor dem "Terror" nicht zurückweichen.

Türkische Sicherheitskräfte sind in den vergangenen Monaten immer wieder zum Ziel von Anschlägen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK geworden. Gegen die PKK gehen die Sicherheitskräfte seit Mitte Dezember mit einer Offensive in der Südosttürkei vor. Im Juli war ein Waffenstillstand zwischen der türkischen Regierung und der PKK gescheitert. In dem seit 1984 anhaltenden Konflikt sind mehr als 40.000 Menschen getötet worden. Allerdings wurden in der Vergangenheit Anschläge in der Türkei auch der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) oder linksterroristischen Gruppen angelastet.

Erst vor einem Monat hatte ein Anschlag die Metropole Istanbul erschüttert. Ein Selbstmordattentäter hatte nahe der Blauen Moschee elf Menschen in die Luft gesprengt. Unter den Opfern waren auch zehn Deutsche einer Reisegruppe.

In Ankara waren im vergangenen Jahr bei einem Bombenanschlag mehr als Hundert Menschen getötet worden. Für die Tat wird die Extremistenmiliz IS verantwortlich gemacht.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen