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Besuch in Kuba: Bei Gabriel hing Che an der Wand

Von Susanne Ungrad, Havanna

Als erster deutscher Wirtschaftsminister seit 15 Jahren reist Sigmar Gabriel nach Kuba. Das Land entwickelt sich, wenn auch zaghaft. Er will einen Fuß in der Tür haben, wenn es in Kuba richtig losgeht.

Auch er habe als junger Genosse ein Foto des lateinamerikanischen Revolutionärs Che Guevara an der Wand hängen gehabt, erzählt Sigmar Gabriel auf dem Flug nach Kuba. Revolutionsromantik sei das gewesen – die jedoch bald der Realität gewichen sei, als sich die Menschenrechtslage auf Kuba verschärfte.

Auf dem Flug nach Kuba spricht Sigmar Gabriel mit Journalisten.
Auf dem Flug nach Kuba spricht Sigmar Gabriel mit Journalisten.(Foto: dpa)

Doch seit rund einem Jahr lockert der noch immer kommunistische Karibikstaat seine Politik. Jetzt – Jahrzehnte später – ist Gabriel deshalb als Wirtschaftsminister gefragt. Er ist das erste Mal in Kuba, zugleich ist er der erste deutsche Wirtschaftsminister seit 15 Jahren, der ins Land reist. Der Zeitpunkt, sagt Gabriel, sei richtig. Denn man müsse mit der deutschen Wirtschaft einen Fuß in der Tür haben, wenn es losgeht. Kuba ist ein neuer Markt, der an nahezu allem Bedarf hat. Hier rechtzeitig einzusteigen, könne sich langfristig lohnen, so Gabriel.

Das Wort "langfristig" ist dabei entscheidend. Kuba braucht vieles, was Deutschland zu bieten hat: Maschinen, Energieanlagen, Wasseraufbereitung. Doch man muss im Castro-Staat einen langen Atem haben, wenn man investieren will. Auch wenn die Gesetze etwas gelockert wurden, von freier Marktwirtschaft ist Kuba weit entfernt. Die Handels- und Investitionshemmnisse sind noch zu groß. Und es fehlt an Devisen.

Jede dritte Familie hat Verwandte in den USA

Die Revolution ist in Havanna allgegenwärtig: Wandgemälde von Che Guevara.
Die Revolution ist in Havanna allgegenwärtig: Wandgemälde von Che Guevara.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Kuba entwickelt sich zaghaft, die Revolution ist noch allgegenwärtig. An den bröckligen Häuserwänden hängen Bilder von Fidel Castro und Che Guevara. Alte Ami-Schlitten aus den 1950er-Jahren quälen sich noch immer durch die Straßen. Dennoch weht auf Havannas Hafenpromenade ein neuer Wind. Taxifahrer und Restaurantbesitzer dürfen auf eigene Rechnung arbeiten. Es gibt einige Internet-Hotspots in der Stadt. Die kosten allerdings drei Dollar die Stunde, und das bei einem Monatslohn von rund 23 Dollar im Monat.

Doch denen, die den Absprung geschafft haben, geht zunehmend besser. Die anderen arrangieren sich oder wandern ab. Durch die neue Reisefreiheit ist das leichter möglich. 2015 waren es allein 60.000 Kubaner, die ausgewandert sind. Jede dritte kubanische Familie hat Verwandte in den USA.

Dafür kommen neuerdings mehr Touristen. Die Hotels sind dauerhaft ausgebucht. Jeder Kokosnuss-Verkäufer verdient mehr als ein Arzt, der vom Staat bezahlt wird. Mit dem Tourismus allein kann Präsident Raúl Castro sein Land allerdings nicht voranbringen. Das vor einem Jahr gelockerte US-Embargo und die Abhängigkeit von Russland und Venezuela, die Kuba letztlich fallen ließen, haben die Insel an den Rand der Existenz gebracht.

Hier könnte Deutschland einspringen. Die Bundesrepublik steht in Havanna hoch im Kurs, auch wegen der DDR-Vergangenheit des östlichen Landesteils. Zugleich wird deutsche Wertarbeit geschätzt, wenn auch nicht die deutschen Preise. Auch hier will Minister Gabriel verhandeln, zum Beispiel über eine Erweiterung von Hermes-Bürgschaften. Endgültige Ergebnisse wird es auf dieser Reise nicht geben. Das sei auch nicht das Ziel. Man müsse immer wieder vorsprechen, nachhaken, Interesse bekunden. Dem Minister geht es darum, die Wirtschaftsbeziehungen mit Kuba deutlich auszubauen.

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Quelle: n-tv.de

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