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Startet Kim die Rakete am 15. April? : Berlin bestellt Botschafter ein

Die Lage in Nordkorea deutet nicht auf Entspannung. Während sich das Land offensichtlich auf einen weiteren Raketenstart vorbereitet, treffen die USA "alle notwendigen Vorsichtsmaßnahmen". Der Start der Rakete könnte am 15. April erfolgen, dem Geburtstag des Staatsgründers Kim Il Sung. In Berlin wird Kims Botschafter ins Auswärtige Amt zitiert.

Nordkorea bereitet inmitten der militärischen Spannungen offenbar einen weiteren Raketentest vor. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete unter Berufung auf Militärquellen, der Norden könne möglicherweise am 15. April, dem Geburtstag des gestorbenen Staatsgründers Kim Il Sung, eine Rakete abfeuern.

Nach Angaben von Yonhap verlegte Nordkorea bereits eine zweite Mittelstreckenrakete an die Ostküste, was Befürchtungen eines Angriffs gegen Südkorea oder Japan schürte. Unklar ist, ob die Rakete mit einem Sprengkopf bestückt ist. Die beiden Raketen seien auf mobile Abschussrampen installiert und dann versteckt worden. Unklar sei, ob die Raketen für eine Militärübung oder einen Test verlegt worden seien. Sie könnten theoretisch die beiden US-Verbündeten Südkorea und Japan oder die US-Militärbasis auf der Insel Guam im Westpazifik treffen.

Nordkorea hatte bereits vor einem Monat mit einem Präventivschlag gegen die USA gedroht. Vergangene Woche ordnete die Armee an, Raketen für einen Angriff in Bereitschaft zu versetzen.

Berlin bestellt Botschafter ein

Westerwelle mach der Führung in Pjöngjang klar, dass die G8-Staaten angemessen reagieren werden.
Westerwelle mach der Führung in Pjöngjang klar, dass die G8-Staaten angemessen reagieren werden.(Foto: dapd)

Wegen der zunehmenden Spannungen bestellte die Bundesregierung den nordkoreanischen Botschafter ein. Auf Weisung von Außenminister Guido Westerwelle wurde der Diplomat ins Auswärtige Amt zitiert. Dort sei dem Botschafter "in deutlichen Worten die sehr große Sorge der Bundesregierung angesichts der von Nordkorea zu verantwortenden Eskalation" vermittelt worden, sagte Ministeriumssprecher Andreas Peschke. Das jüngste Vorgehen der Führung in Pjöngjang sei "im Ton und in der Sache in keiner Weise akzeptabel".

Das Thema Nordkorea wird nach Angaben des Ministeriumssprechers auch beim Außenminister-Treffen der G8-Staaten am kommenden Mittwoch und Donnerstag in London eine wichtige Rolle spielen. Dort gehe es darum, zu einer "sowohl entschlossenen wie auch geschlossenen Reaktion" zu kommen. Die G8-Gruppe besteht aus sieben großen Industrienationen (USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien, Japan und Deutschland) und Russland. Ihre Außenminister treffen sich zweimal pro Jahr.

Norbert Eschborn, Leiter des Auslandsbüros der Konrad Adenauer Stiftung in Seoul, geht nicht von einer direkten Konfrontation Nordkoreas mit den USA aus. Im Gespräch mit n-tv.de erwartet der Korea-Experte dennoch, dass Kim einigen seiner Drohungen Taten folgen lassen wird. Eschborn schätzt ein, dass die Rhetorik vor allem dazu diene, die eigene Bevölkerung auf Linie zu bringen. Die Führung in Nordkorea sei "relativ verzweifelt, weil die Versorgungslage im Land schlecht ist". Schon im letzten Jahr versprach die Führung zum 101. Geburtstag von Kim Il Sung einen Aufschwung. Das Versprechen, Nordkorea zu einem wirtschaftlich leistungsfähigen und starken Land zu machen, sei nicht eingelöst worden. Wohl deshalb brauche Kim andere Erfolge.

USA bleiben äußerlich gelassen

Der Kampfjet F-22 Raptor gehört der Ausrüstung der US-Truppen auf Hawaii.
Der Kampfjet F-22 Raptor gehört der Ausrüstung der US-Truppen auf Hawaii.(Foto: dpa)

Derweil fahren die USA im Konflikt mit Nordkorea weiter ihre zweigleisige Strategie. Sie setzen auf eine harte Haltung gegenüber Pjöngjang bei gleichzeitig demonstrativer Gelassenheit. US-Präsidentensprecher Jay Carney sagte an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One, "alle notwendigen Vorsichtsmaßnahmen" seien eingeleitet. Zugleich bezeichnete er die Kriegsdrohungen Nordkoreas als "altbekannte Verhaltensmuster" der nordkoreanischen Führung.

Die Kriegsdrohungen seien "bedauerlich, aber vertraut", sagte Carney auf dem Rückflug mit Präsident Barack Obama aus dem US-Bundesstaat Kalifornien. Washington hatte Pjöngjang zuvor bereits aufgefordert, seine Kriegsrhetorik einzustellen. Die jüngste "in einer langen Reihe von provokativen Erklärungen dient nur dazu, Nordkorea weiter vom Rest der internationalen Gemeinschaft zu isolieren und sein Ziel der wirtschaftlichen Entwicklung zu unterminieren", erklärte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats der USA, Caitlin Hayden.

Das Atom-U-Boot USS San Francisco liegt in der U.S. Marine-Basis auf der Insel Guam.
Das Atom-U-Boot USS San Francisco liegt in der U.S. Marine-Basis auf der Insel Guam.(Foto: U.S. Navy)

Der Generalstab der nordkoreanischen Volksarmee hatte am Donnerstag mitgeteilt, es sei nun offiziell grünes Licht für einen Atomangriff auf die USA gegeben worden. Das Pentagon kündigte an, "in den kommenden Wochen" eine Raketenabwehr auf Guam aufzustellen. Das US-Militär beorderte in den vergangenen Tagen bereits Kampfflugzeuge und Zerstörer in die Region. Auf der rund 3400 Kilometer südöstlich von Nordkorea gelegenen Insel sind 6000 US-Soldaten stationiert.

Experten sehen Nordkorea aktuell nicht in der Lage, das US-Festland anzugreifen. Pjöngjang drohte aber mit Angriffen auf Guam und Hawaii sowie auf Südkorea und Japan, wo zehntausende US-Soldaten stationiert sind.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich "zutiefst besorgt" über die Verschärfung der Spannungen und rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf. "Die nukleare Bedrohung ist kein Spiel", sagte Ban. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton kündigte an, "anhaltende Verstöße" Nordkoreas führten zu einer noch geschlosseneren Antwort der internationalen Gemeinschaft. Russland nannte die Verstöße Pjöngjangs gegen UN-Resolutionen "inakzeptabel".

Märkte bereits unter Druck

Südkoreas Vize-Finanzminister Choo Kyung Ho rechnet mit dauerhaften Belastungen der Märkte durch den Nordkorea-Konflikt. "In der Vergangenheit haben sich die Märkte schnell von den Auswirkungen durch Ereignisse im Zusammenhang mit Nordkorea erholt, aber die jüngsten Drohungen Nordkoreas sind stärker und die Folgen könnten sich deswegen nicht so schnell in Luft auflösen", sagte Choo bei einem Gespräch mit hochrangigen Vertretern von Wirtschaftsverbänden. Ziel des Zusammentreffens war es, Maßnahmen zu diskutieren, um die Stabilität der Märkte zu gewährleisten. Choo rief dazu auf, schnell und entschlossen einzugreifen, wenn es nötig sei.

Aktuell verlor der südkoreanische Leitindex Kospi 1,2 Prozent im frühen Handel. Bisher haben sich die Auswirkungen des Konflikts auf der koreanischen Halbinsel auf die Finanzmärkte in Grenzen gehalten.

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Quelle: n-tv.de

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