Politik
Berlusconi am vergangenen Sonntag beim Fußballspiel Juventus Turin gegen den AC Milan.
Berlusconi am vergangenen Sonntag beim Fußballspiel Juventus Turin gegen den AC Milan.(Foto: Reuters)

Der alte Mann mit der fahlen Haut: Berlusconis Traum vom Comeback

Von Udo Gümpel, Rom

Italiens Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi plant die Rückkehr in die Politik. Nicht mit seiner alten Partei, schon gar nicht mit seinen alten Parteifreunden. Nur eine Damenriege echter und gefärbter Blondinen darf mit von der Partie sein. Ein Spaziergang wird das nicht.

Zurück auf die politische Bühne. Mit dem alten Markennamen "Forza Italia", der ihm so viel Glück gebracht hat. Diesmal als "Forza Italia 2.0". Der 75-Jährige mit den unzähligen Liftungnarben, dem angeklebten Haarschmuck und der fahl-ockerfarbenen Haut, ruiniert von Jahren des zu dick aufgetragenen Make-ups - kein Regisseur traut sich mehr, ihn auch nur im halben Close-up zu zeigen: Dieser Mann kann es nicht lassen und will Italiens politische Landschaft wieder aufrollen, wie einst 1994.

Damals, als die Kommunisten unter KPI-Chef Achille Occhetto sich des Sieges schon sicher waren, dann aber von ihm auf den letzten Metern abgefangen wurden. So soll es auch diesmal kommen, träumt Berlusconi.

Das ist die Wahrheit. Silvio Berlusconi will wirklich zurück. Seine letzte Partei mit Namen "Volk der Freiheit", PDL, wird dafür entsorgt. Sollen sich die alten Parteigrößen doch um die Beerdigung kümmern, das interessiert ihn schon nicht mehr. Umgeben von der Schar der letzten Treuen, einer Damenriege von echten und gefärbten Blondinen-Hinterbänklerinnen der PDL, plant Berlusconi die Rückkehr.

Die Meinungsumfragen kümmern ihn nicht. Dass Dreiviertel aller Italiener ihn für abgewirtschaftet, für den Hauptverantwortlichen der moralischen und wirtschaftlichen Krise des Landes halten, dass die PDL derzeit auf unter 15 Prozent geschätzt wird: Es interessiert ihn nicht. Die Realität ist nur das Ausgangsmaterial für die Wirklichkeit, die er dann neu erschafft.

Berlusconi glaubt fest an sich. Die Demokratische Partei hat eben mit ihren Urwahlen für den Kandidaten zum Regierungschef einen Riesenerfolg erzielt, über drei Millionen Italien nahmen teil. Gerade deswegen wird Berlusconi keine Urwahl veranstalten. Er braucht die Meinung der einfachen Leute nicht, er weiß auch so, was sie wollen.

Die ehemaligen PDL-Größen sind raus

Seine alten Mitstreiter sind verzweifelt. Keiner von ihnen darf in die neue Partei, hat Berlusconi beschlossen. Sie soll ein sauberes Image bekommen. Also weder ehemalige Geheimlogenmitglieder der P2 - er wird der einzige in der neuen Partei sein - noch Leute, die unter Anklage stehen, noch ehemalige Geliebte.

Ein harter Schnitt. Wer bleibt dann noch übrig? Auf keinen Fall sein ehemaliger Kronprinz, Angelino Alfano, der immer noch Generalsekretär der alten Kreatur PDL ist. Der es aber gewagt hatte, auch für die PDL Urwahlen zu verlangen, und dann, man höre und staune, als Bedingung für die Teilnahme festzulegen, dass man nicht vorbestraft sein dürfe, nicht einmal in erster Instanz, oder dass Ermittlungen gegen einen Kandidaten laufen dürften.

Ein schwerer Fauxpas, ein unerhörter Affront: Berlusconi ist so etwas wie ein Rekordmann der Urteile in erster Instanz, und ermittelt wird gegen ihn zurzeit in mehreren Verfahren. Das Ruby-Urteil wegen Anstiftung zur Prostitution einer Minderjährigen steht im Januar 2013 an. Also ist Alfano, der einstige Liebling, raus. Raus sind auch alle anderen ehemaligen Parteigrößen. Es bleiben nur noch die Blondinen aus den hinteren Sitzrängen des Parlamentes. Keine von ihnen ist eine ehemalige Geliebte, davon geht man aus, mit diesen Neuen soll alles anders werden. Selbst Twitter hat Berlusconi für sich entdeckt. Mit Entsetzen mussten seine Wahlkampfmanager jedoch feststellen, dass der Name Silvio Berlusconi schon in 140 Twitter-Accounts existiert: alles Verballhornungen. Das wird nun kein Spaziergang für Berlusconi. Den Umfragen nach dürfte er es aber über die 5-Prozent-Hürde schaffen.

Quelle: n-tv.de

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