Politik
Das Krankenhaus von In Amenas.
Das Krankenhaus von In Amenas.(Foto: dpa)

80 Menschen sterben bei Geiselnahme : Bilanz einer Terrortat

Nach der Besetzung einer Gasförderanlage in Algerien suchen Sicherheitskräfte immer noch nach vermissten Personen. Bisher werden 80 Tote gemeldet, davon gehörten 23 zu den Geiselnehmern. Die Kritik an dem brutalen Einsatz der Armee ist verklungen. Die westlichen Regierungen sind sich einig, dass es keinen anderen Weg gab, die Terroristen zu stoppen.

Das Geiseldrama in der algerischen Wüste hat mindestens 80 Menschenleben gefordert. Einen Tag nach dem blutigen Ende der Terroraktion fanden algerische Spezialeinheiten weitere 25 Tote in der Gasförderanlage In Amenas im Osten des Landes. Im algerischen Radio zeigte sich Kommunikationsminister Mohamed Said "sehr besorgt", dass die Zahl der Opfer weiter nach oben korrigiert werden müsse. Unter anderem das Schicksal von drei britischen und fünf norwegischen Geiseln ist noch unklar.

Mit der Erstürmung der Industrieanlage in der Wüste hatte die algerische Armee die Geiselnahme durch islamische Terroristen blutig beendet. Vor dem letzten Angriff sollen die Islamisten noch sieben ausländische Geiseln ermordet haben. Die Aktion war seit Monaten für den Fall vorbereitet, dass Algerien Frankreich im Mali-Krieg unterstützt.

Hoffnung auf weitere Überlebende

(Foto: dpa)

Nach einer ersten Bilanz der algerischen Regierung konnten sich 685 algerische Beschäftigte und 107 ausländische Mitarbeiter während des mehrtägigen Dramas selbst retten, wurden befreit oder von den Geiselnehmern freiwillig laufen gelassen. 32 Terroristen waren nach diesen früheren Angaben "neutralisiert" worden – die Zahl der toten Geiseln lag bei 23. Aus den Krankenhäusern wurden nach Algerischen Angaben bereits 56 Verletzte entlassen.

Die Nationalitäten der Opfer sind weiter nicht vollständig geklärt. Mindestens drei Briten kamen ums Leben. Vermutlich gibt es drei weitere Tote. Zudem gibt es ein Opfer, das ohne britische Staatsbürgerschaft in Großbritannien lebte. Mindestens 52 Philippiner überlebten die Geiselnahme. Ebenso kamen drei Rumänen. Ein Suchtrupp aus Norwegen fahndet auf dem Gasfeld nach fünf Vermissten aus dem eigenen Land. Nach wie vor besteht Hoffnung, Lebende zu finden.

"Es ist schwierig, alles richtig zu machen"

Zwei deutsche Mitarbeiter einer Bohrfirma, die sich mehrere Kilometer von In Amenas entfernt an ihrem Einsatzort befanden, wurden aus Algerien ausgeflogen. Die letzten Tage hatten sie an einem sicheren Ort in der Obhut algerischer Sicherheitskräfte verbracht.

Nach anfänglicher Kritik am Vorgehen der algerischen Armee gab es nach Abschluss der Aktion viel internationale Unterstützung. US-Präsident Barack Obama machte die Geiselnehmer für das Blutvergießen verantwortlich: "Die Schuld an dieser Tragödie liegt bei den Terroristen, die sie verursacht haben." Die USA arbeiteten weiterhin mit ihren Partnern eng zusammen, um die "Geißel des Terrorismus" in der Region zu bekämpfen.

Auch der britische Regierungschef David Cameron sieht die Verantwortung für die Taten allein bei den Terroristen. Mit Blick auf Kritik am Eingreifen des algerischen Militärs sagte er: "Es ist sehr schwierig, auf solche Situationen zu reagieren und alles richtig zu machen."

So lange wie möglich gewartet

Frankreichs Präsident François Hollande verteidigte die Befreiungsaktion ebenfalls. Bei einem Geiseldrama mit so kaltblütigen Terroristen, die zum Töten bereit sind, habe ein Land wie Algerien keine andere Wahl gehabt, sagte Hollande. Die Regierung in Oslo stellte sich ausdrücklich hinter die letzte Militäraktion. Außenminister Espen Barth Eide sagte: "Wir haben Grund zu der Annahme, dass die algerischen Einsatzkräfte so lange mit ihrem Eingreifen gegen die Terroristen gewartet haben, wie das möglich war."

Die Anlage In Amenas war am Mittwoch von schwer bewaffneten Islamisten besetzt worden. Am Donnerstag griff das Militär erstmals an. Beim Sturm am Samstag wurden dann alle verbliebenen elf Terroristen getötet. Laut algerischem Radio hatten die Terroristen versucht, einen Teil der Anlage in Brand zu setzen. Das Areal wird nach Minen abgesucht.

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen