Die importierten Bananen werden erst in Deutschland gelb. Verantwortlich dafür ist das Gas Äthylen.
(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)
Freitag, 30. Dezember 2011
Bananen aus Ecuador: Billig isst bitter
Deutsche Supermärkte bieten Bananen an, die unter ausbeuterischen Arbeitsbedingungen produziert werden. Zu diesem Schluss kommt eine Befragung von Oxfam unter knapp 120 Arbeitern von Plantagen in Ecuador. Auf einigen Plantagen dort werden Pestizide während der Arbeitszeit versprüht.Auf ecuadorianischen Bananenplantagen sind Hungerlöhne, Gesundheitsrisiken und die Verletzung von Gewerkschaftsrechten die Regel. Das ergibt die Studie "Bittere Bananen" der Entwicklungsorganisation Oxfam, für die 117 Arbeiter von Bananenplantagen befragt wurden.
"Nach den Aussagen sind die Arbeitsbedingungen dort untragbar und ausbeuterisch", sagt die Autorin der Studie, Franziska Humbert, zugleich Oxfam-Referentin für soziale Unternehmensverantwortung. (Hier die Studie als pdf.) Ecuador ist der größte Bananenexporteur der Welt.
"Besonders problematisch sind Löhne, die nicht ausreichen, eine Familie zu ernähren. Der durchschnittlich gezahlte Nettolohn liegt laut der befragten Bananenarbeiter/innen bei lediglich rund 237 US-Dollar, deutlich unter der staatlich definierten Armutsgrenze von 544 US-Dollar für eine vierköpfige Familie", so Humbert weiter. Insgesamt hätten 83 Prozent der Befragten ein Familieneinkommen unterhalb der Armutsgrenze angegeben.
Überstunden werden zudem nicht bezahlt. Denn zu den durchschnittlich 46 bis 48 Wochenstunden kommen laut Oxfam noch einmal 24 bis 32 Überstunden pro Monat.
Kein Schutz gegen Pestizide
Daneben würde die Gesundheit von Arbeitern und Anwohnern durch Pestizide gefährdet. "Obwohl das ecuadorianische Gesetz dies verbietet, werden immer noch gefährliche Pestizide von Flugzeugen aus auf die Felder gesprüht", kritisiert Humbert. 90 Prozent der Befragten auf den Zulieferplantagen hätten gesagt, dass dies während ihrer Arbeitszeit erfolgte. Auf Plantagen der Noboa-Gruppe, zu der die Marke Bonita gehört, hatten die Arbeiter nach Aussage der dort beschäftigten Befragten nicht einmal Schutzkleidung erhalten.
Laut Oxfam sind auf den Bananenplantagen in Ecuador noch immer Entlassungen wegen Gewerkschaftszugehörigkeit an der Tagesordnung. Eine Ausnahme macht hier offenbar Dole.
Im Auftrag von Oxfam Deutschland wurden in den Jahren 2010 und 2011 insgesamt 63 Arbeiter befragt, die auf Plantagen und bei der Verpackung der ecuadorianischen Bananenproduzenten Dole, Noboa und Reybanpac arbeiteten. Außerdem wurden 54 Arbeiter von Zulieferplantagen befragt.
"Wir kaufen nach Größe und Preis"
Die genannten Firmen beliefern in Deutschland die Handelsketten Metro, Edeka, Rewe, Lidl und Aldi. Oxfam macht diese Firmen für die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in Ecuador mitverantwortlich, da sie ihre Marktmacht gegenüber Lieferanten ausnutzten, um die Kosten zu drücken. Referenzpreis sei der Aldi-Preis. Oxfam zitiert aus einer E-Mail von einer führenden deutschen Supermarktkette: "Wir kaufen unsere Bananen nicht nach Marke ein, sondern nach Größe und Preis."
Von den Supermarktketten fordert Oxfam soziale Selbstverpflichtungen, die einen fairen Umgang mit Lieferanten und den dort Beschäftigten vorschreiben. Auch die Bundesregierung müsse handeln: "Sie muss die Einhaltung sozialer Mindeststandards innerhalb der Lieferkette gesetzlich vorschreiben und sicherstellen, dass unfaire Einkaufspraktiken kartellrechtlich verboten werden."
hvo
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