Politik
Obama verurteilt den Anschlag als "feige Tat".
Obama verurteilt den Anschlag als "feige Tat".(Foto: AP)

Anschläge in Boston: Bomben waren in Kochtöpfen

Beim Boston-Marathon explodieren zwei Bomben. Drei Menschen sterben, mehr als 170 werden verletzt. Jetzt werden erste Details zur Bauart der Bomben bekannt: Offenbar wurden sie aus Dampfkochtöpfen gebaut. Aus den Körpern der Opfer holen Ärzte Metallstücke.

Die Bomben, die bei dem Anschlag auf den Boston-Marathon gezündet wurden, waren offenbar in Dampfkochtöpfen. Sie seien in Rucksäcken versteckt gewesen, berichteten die US-Sender NBC News und CNN unter Berufung auf Ermittler. Es sei wahrscheinlich, aber noch nicht sicher, dass Zeitzünder verwendet worden seien.

Unter den Toten ist ein acht Jahre alter Junge.
Unter den Toten ist ein acht Jahre alter Junge.(Foto: REUTERS)

Die beiden Sprengsätze waren am Montag gegen 14.50 Uhr Ortszeit mit nur zwölf Sekunden Abstand nahe der Ziellinie des Boston-Marathon in der Boylston Street gezündet worden, die bereits Stunden vorher von den ersten Läufern überquert worden war. Mindestens drei Menschen kamen laut der Polizei ums Leben. Mehr als 170 Menschen wurden verletzt, einige davon seien in einem kritischen Zustand. Mehreren Patienten mussten die Beine amputiert werden. Unter den Toten ist ein achtjähriger Junge und eine 29 Jahre alte Frau. Die Mutter und die sechsjährige Schwester des getöteten Jungen wurden schwer verletzt. Deutsche kamen nach Informationen des Auswärtigen Amtes nicht zu Schaden.

Die Bombenattacke ist der erste tödliche Anschlag in den USA seit den Terrorangriffen vom 11. September 2001. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Als mögliche Täter gelten sowohl islamistische als auch rechtsradikale Gruppen oder ein Einzeltäter. Die pakistanischen Taliban bestritten jede Beteiligung. Nach Angaben der Polizei wurde noch niemand festgenommen. Auch das Motiv für den Anschlag sei noch unklar.

Ärzte operierten Metallstücke aus den Körpern der Opfer

Laut NBC News waren die Bomben mit Kugeln oder Splittern bestückt. Bei CNN hieß es dagegen, es könne auch sein, dass die Behälter zerborsten seien und die Stücke die umstehenden Menschen trafen. Ärzte gaben Medienberichten nach an, sie hättem metallische Kugeln und Gegenstände, die Nägeln ähnelten, aus den Körpern von Opfern operiert.

Video

Der FBI-Sprecher in Boston, Rick DesLauriers, hatte es zuvor auf einer Pressekonferenz abgelehnt, sich zur Bauart der Bomben zu äußern. Zunächst hatte es Vermutungen geben, es könne noch weitere Sprengsätze gegeben haben, die nicht explodiert seien. Dies wiesen der Gouverneur von Massachusetts, Deval Patrick, und Gene Marquez von der Bundespolizeibehörde ATF jedoch zurück. Es seien nur zwei Bomben gefunden worden. Bei Gegenständen, die vorsichtshalber gesprengt worden seien, habe es sich nicht um Blindgänger gehandelt.

DesLauriers sagte, die Beamten würden alles tun, um die Täter zur Verantwortung zu ziehen. Die Untersuchungen seien im Gange. Bislang gebe es keine Hinweise auf eine neue, zusätzliche Bedrohung. Polizeisprecher Ed Davis fügte hinzu, die Polizei in Boston habe es mit dem komplexesten Tatort in der Geschichte der Dienststelle zu tun. Marquez bat die Bevölkerung um Unterstützung und forderte sie auf, Videos oder Fotos von dem Attentat der Polizei zu übergeben.

"Das amerikanische Volk lässt sich nicht terrorisieren"

US-Präsident Barack Obama verurteilte den Anschlag als eine abscheuliche und feige Tat. Er werde als Terrorakt vom FBI untersucht. Wenn unschuldige Opfer auf diese Weise attackiert würden, handle es sich immer um Terrorismus. Noch wüssten die Ermittler nicht, ob es die Tat eines Einzelnen oder einer Organisation sei. "Aber wir werden es herausfinden." Die Täter würden zur Verantwortung gezogen.

Die Sprengsätze explodierten nahe der Ziellinie.
Die Sprengsätze explodierten nahe der Ziellinie.(Foto: AP)

Obama dankte den Ersthelfern und den Einsatzkräften. In Boston habe man am Montag viel Heldentum und Liebe erfahren können. So hätten Läufer beispielsweise Erste Hilfe geleistet oder seien sofort Blut spenden gegangen. "Das amerikanische Volk lässt sich nicht terrorisieren", sagte der Präsident. Die Reaktionen der Menschen hätten gezeigt, dass die Amerikaner Bösem "selbstlos, mitfühlend und furchtlos" entgegentreten würden.

Die Internationale Gemeinschaft reagierte mit Empörung auf die Anschläge: UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die "sinnlose Gewalt". Papst Franziskus sagte, er sei zutiefst traurig über die "sinnlose Tragödie". Kremlchef Wladimir Putin sprach von einem barbarischen Verbrechen und forderte eine aktive Koordination des weltweiten Anti-Terror-Kampfs. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte die Hoffnung, dass die Schuldigen bald zur Rechenschaft gezogen würden. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen, EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und der britische Premierminister David Cameron reagierten ebenfalls schockiert.

Eine halbe Million Zuschauer säumten die Straßen

Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 finden große Sportveranstaltungen in den USA unter strengsten Vorkehrungen statt. Der Boston-Marathon gehört zu den populärsten Rennen an der amerikanischen Ostküste. Mehr als 26.000 Läufer waren in diesem Jahr an den Start gegangen, unter ihnen laut Teilnehmerliste auch rund 250 Deutsche. Mehr als 500.000 Menschen hatten in Boston die Straßen gesäumt.

In diesem Jahr war die letzte Meile des Boston-Marathons den Opfern des Amoklaufs von Newtown gewidmet, wo im Dezember in einer Grundschule 20 Kinder und 6 ihrer Betreuer erschossen worden waren. Angehörige der Opfer sollen unter den Zuschauern gewesen sein. Ob auch sie verletzt wurden, war zunächst nicht bekannt.

Auch in anderen größeren US-Städten und in Frankreich wurden die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt. Für Deutschland sieht das Bundesinnenministerium keine erhöhte Terrorgefahr: Die Sicherheitslage sei unverändert, sagte ein Ministeriumssprecher. Deutschland stehe nach wie vor im Fadenkreuz des internationalen Terrors.

Die Organisatoren von Großveranstaltungen wie den Marathons in London und Berlin, der Leichtathletik-WM in Moskau oder den Olympischen Spielen 2016 in Rio kündigten eine Überprüfung ihrer Sicherheitskonzepte an. Sowohl in London als auch in Hamburg sind für kommenden Sonntag Marathonläufe angesetzt, die wie geplant stattfinden sollen.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen