Freitag, 18. November 2011
Auszüge aus Verhören veröffentlicht: Breivik wollte Hochhaus sprengen
Der rechtsradikale Attentäter Breivik wollte offenbar das Regierungshochhaus in Oslo zum Einsturz bringen. Das geht aus öffentlich gewordenen Protokollen von Verhören hervor. Weil der Plan scheiterte, sei er dann zur Insel Utøya aufgebrochen, wo er 69 Menschen tötete, heißt es. In den Verhören listet Breivik zudem "Verräter der Kategorie A" auf.In Norwegen sind erstmals wesentliche Teile von Polizeiverhören mit dem inhaftierten Massenmörder Anders Behring Breivik veröffentlicht worden. Demnach wollte der 32 Jahre alte Rechtsradikale bei seinen Anschlägen am 22. Juli das Regierungshochhaus mit dem Büro von Ministerpräsident Jens Stoltenberg zum Einsturz bringen. Nur weil er mit diesem Vorhaben scheiterte, brach er zur Insel Utøya auf, berichtete Osloer Zeitung "VG".
Auf Utøya tötete der Islamhasser 69 Teilnehmer eines sozialdemokratischen Jugendlagers. Zuvor waren im Osloer Regierungsviertel acht Menschen durch die von ihm platzierte Autobombe gestorben. Norwegens größte Boulevardzeitung widmete den Aussagen Breiviks elf Seiten. Details über die Tötung der Opfer auf Utøya seien aber weggelassen worden, hieß es. Vor der Polizei hat Breivik bisher bei 18 Verhören über 130 Stunden lang ausgesagt.
"Verräter der Kategorie A"
Die Polizei wollte sich zu der Veröffentlichung nicht äußern. Redaktionschef Torry Pedersen schrieb über die Gründe: "Dies ist das erste Mal, dass die Öffentlichkeit Breiviks eigene Stimme und Wortwahl hört". Das sei ein wichtiges Element, um "Klarheit über den tatsächlichen Hergang zu bekommen".
Nach den Angaben von "VG" gab Breivik an, er habe vor allem Norwegens frühere Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland sowie Außenminister Jonas Gahr Støre und den Vorsitzenden der sozialdemokratischen Jugendorganisation AUF, Eskil Pedersen, töten wollen. Diese habe er als "Verräter der Kategorie A" eingestuft.
Angehörige der Opfer und Überlebende haben seit dem Sommer mehrfach kritisiert, dass Medien Breivik breiten Platz einräumen. Bei einem Haftprüfungstermin unterband der Richter den Versuch des Attentäters, eine "Erklärung" an anwesende Hinterbliebene und Überlebende abzugeben.
dpa
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