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Am 16. Dezember 2009 wurde Sary offiziell wegen Völkermord durch das Rote-Khmer-Tribunal angeklagt.
Am 16. Dezember 2009 wurde Sary offiziell wegen Völkermord durch das Rote-Khmer-Tribunal angeklagt.(Foto: AP)

Pol Pots Außenminister: "Bruder Nummer Drei" tot

Zwei Millionen Kambodschaner sind unter dem Terrorregime der Roten Khmer in den 70er Jahren ums Leben gekommen. Nach großem Widerstand müssen sich seit 2009 die Schlüsselfiguren der Schreckensherrschaft vor einem UN-Sondertribunal verantworten. Wegen ihres hohen Alters könnten sie ihrer Verurteilung entgehen - so wie nun Ex-Außenminister Ieng Sary.

Der wegen Völkermords und Kriegsverbrechen angeklagte frühere Außenminister der Roten Khmer in Kambodscha, Ieng Sary, ist tot. Er starb im Alter von 87 Jahren, wie das von den Vereinten Nationen unterstützte Sondertribunal zur Schreckensherrschaft der Roten Khmer in Phnom Penh mitteilte. Ieng Sary sei am Morgen gestorben, nachdem er sich bereits seit zehn Tagen im Krankenhaus aufgehalten habe.

Der Verstorbene war eines der Gesichter der Roten Khmer, die in den 1970er Jahren eine Gewaltherrschaft in Kambodscha aufbauten. Er musste sich vor dem Sondertribunal wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermords verantworten. Mit ihm angeklagt sind "Bruder Nummer Zwei" Nuon Chea, der 86 Jahre alt ist, und der inzwischen 81-jährige einstige Staatschef Khieu Samphan. Die Angeklagten haben die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen.

Ieng Sary wurde als Sohn einer armen Khmer-Familie Familie in Vietnam geboren und entwickelte sich zu einem radikalen Studenten. Er bestritt stets, von den Massenhinrichtungen unter den Roten Khmer gewusst zu haben. Seine Frau Ieng Thirith wurde ebenfalls angeklagt, sie war Sozialministerin der Roten Khmer. Wegen ihrer im vergangenen Jahr diagnostizierten Alzheimer-Erkrankung blieb ihr ein Prozess aber erspart.

Das Regime der Roten Khmer, das einen utopischen Agrarstaat schaffen wollte, wurde von "Bruder Nummer Eins" Pol Pot angeführt, der 1998 starb. Unter der Schreckensherrschaft starb fast ein Viertel der kambodschanischen Bevölkerung durch Hunger, Überarbeitung oder Hinrichtung.

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Quelle: n-tv.de

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