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Kein Wort über den "Stern": Rainer Brüderle vor der FDP-Präsidiumssitzung.
Kein Wort über den "Stern": Rainer Brüderle vor der FDP-Präsidiumssitzung.(Foto: dpa)

Sexismus in der FDP: Brüderle will dauerhaft schweigen

Ganz Deutschland spricht über Sexismus. Ganz Deutschland? Nein! Die FDP-Spitze will dauerhaft zu dem Thema schweigen. Schließlich wolle man die Debatte nicht noch beleben. Und überhaupt, Brüderle sei "ein charmanter und ein fähiger Kopf", meint Generalsekretär Döring.

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle will zu den Vorwürfen des Magazins "Stern" schweigen. "Es ist Rainer Brüderles Entscheidung, keine Stellungnahme zu dem Vorgang abzugeben, und wir unterstützen ihn in seiner Entscheidung", sagte Generalsekretär Patrick Döring nach einer Präsidiumssitzung der FDP.

Brüderle habe in der Sitzung deutlich gemacht, dass er die Berichterstattung nicht kommentieren werde. Die Mitglieder hätten ihm dafür Respekt bekundet. Auch Parteichef Philipp Rösler werde sich nicht dazu äußern, weil die FDP-Spitze die Debatte nicht beleben wolle, sagte Döring. Brüderle führt als Spitzenkandidat die Liberalen in die Bundestagswahl im September.

Alles nur "Befindlichkeit", meint Döring

Rainer Brüderle und Laura Himmelreich am 10. Januar bei einem Pressetermin in Osnabrück.
Rainer Brüderle und Laura Himmelreich am 10. Januar bei einem Pressetermin in Osnabrück.(Foto: dpa)

Die Journalistin Laura Himmelreich hatte Brüderle in einem Artikel im aktuellen "Stern" vorgeworfen, vor gut einem Jahr an einer Hotelbar zudringlich geworden zu sein. Döring sagte dazu, nur weil mit der Reporterin eine Seite ihre "Befindlichkeit" zum Ausdruck gebracht habe, müsse Brüderle dies nicht auch tun. Weitere Ratschläge an Brüderle von Kollegen oder Medien seien fehl am Platz.

Längst wird im Internet und den Medien aber nicht mehr nur über Brüderle, sondern über Sexismus in der ganzen Gesellschaft diskutiert. Am Sonntagabend hatte die FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin in der ARD gesagt, die Diskussion sei inzwischen weit entfernt von Brüderle und der Frage, ob der Artikel korrekter Journalismus gewesen sei oder nicht. "Und ich finde es auch gut, dass sie sich weit entfernt hat, weil die Diskussion an sich wichtiger und größer ist als die FDP und der eigentliche Anlass."

"Ein charmanter und fähiger Kopf"

Zugleich betonte Döring, Brüderle habe als Spitzenmann im Wahlkampf die volle Unterstützung der Parteiführung. "Ich halte das alles für sehr aufgebauscht und an den Haaren herbeigezogen. Deshalb stehen wir hinter ihm, denn wir wissen, dass er ein charmanter und ein fähiger Kopf ist."

Nach Worten des Generalsekretärs braucht Himmelreich keine Konsequenzen der FDP zu fürchten. Die Pressefreiheit in Deutschland sei ein hohes Gut, und darunter falle der Bericht. "Es gibt keine Arbeitsbeschränkungen oder Kontaktsperre." Über Einladungen für Hintergrundgespräche entscheide allerdings jeder Kollege selbst.

Niebel hat Himmelreich ausgeladen

FDP-Entwicklungsminister Dirk Niebel hatte zuvor ein Interview mit der Reporterin abgesagt. Am Mittwoch findet in Berlin Brüderles übliches Pressefrühstück mit Journalisten statt. Auch Himmelreich ist eingeladen.

Döring warf dem "Stern" vor, bewusst ein "Zerrbild" von Brüderle gezeichnet zu haben. Das Magazin habe billigend in Kauf genommen, dass auch Brüderles Ehefrau "brutalstmöglich" hineingezogen worden sei. Dies war in einem Artikel auf Stern.de geschehen, den die Redaktion später jedoch korrigierte.

Döring sieht kein FDP-Problem

Der Generalsekretär wies Darstellungen zurück, die FDP insgesamt habe ein Problem mit Frauenfeindlichkeit. "Ich kenne keine Beschwerde, dass es zu sexistischen Ausfällen innerhalb von FDP-Gliederungen oder gar in Führungsspitzen gekommen wäre", sagte Döring. Richtig sei, dass die FDP zu wenig weibliche Mitglieder habe. Daran arbeite die Parteispitze.

Eine Quote wird von FDP-Frauen seit Jahren vergeblich gefordert. Die FDP-Europaabgeordnete Koch-Mehrin hatte kritisiert, ihre Partei sei das Schlusslicht, wenn es darum gehe, Gleichberechtigung in der eigenen Partei zu leben. Hier müssten sich grundsätzliche Einstellungen verändern.

Quelle: n-tv.de

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