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Horrorvorstellung für Umweltschützer: die Renaissance der Kohle.
Horrorvorstellung für Umweltschützer: die Renaissance der Kohle.(Foto: picture alliance / dpa)

Altmaier zieht bittere Bilanz: CO2-Emissionen steigen wieder

Beim Ziel, bis zum Jahr 2020 den Ausstoß klimaschädlicher Gase um 40 Prozent zu verringern, liegt Deutschland gut im Plan. Bisher. Niedrige Kohlepreise und Emissionszertifikate auf Ramschniveau bremsen die Energiewende aus. Umweltminister Altmaier zeigt sich besorgt.

Zum ersten Mal seit Jahren haben die umweltschädlichen Klimagasemissionen in Deutschland wieder zugenommen. Das sagte Bundesumweltminister Peter Altmaier der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung." Endgültige Zahlen nannte der CDU-Politiker zunächst nicht. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Fachkreisen erfuhr, deutet sich für 2012 ein Anstieg der Treibhausgasemissionen um rund 1,5 Prozent an. Deutlicher wurde Altmaier beim Thema Fracking und schloss es laut der Zeitung faktisch aus.

Altmaier: "Das kann uns nicht gleichgültig sein, weil es die Erfüllung unserer Klimaziele gefährdet".
Altmaier: "Das kann uns nicht gleichgültig sein, weil es die Erfüllung unserer Klimaziele gefährdet".(Foto: picture alliance / dpa)

Im Jahr 2011 war der Treibhausgasausstoß nach Angaben des Umweltbundesamtes noch um mehr als zwei Prozent gesunken. Dies lag vor allem daran, dass die privaten Haushalte wegen der warmen Witterung weniger heizten. Besorgniserregend im Jahr 2012 war nun laut Altmaier, dass immer mehr Kraftwerke wieder verstärkt auf Braun- und Steinkohle für die Stromerzeugung setzten – eine Folge des niedrigen Kohlepreises auf dem Weltmarkt. Das führe in Deutschland dazu, dass die Erzeugung von Elektrizität aus Kohle wieder deutlich zu Lasten der Stromproduktion durch Gas zugenommen habe, sagte der Minister der "Frankfurter Allgemeinen". "Das kann uns nicht gleichgültig sein, weil es die Erfüllung unserer Klimaziele gefährdet".

EU-Parlament will Zertifikathandel reformieren

Die Vereinten Nationen wollen verhindern, dass sich die Temperatur auf der Erde durch den emissionsbedingten Klimawandel nicht um mehr als zwei Grad erhöht. Um dieses Ziel zu erreichen, wollte die EU ursprünglich den Treibhausgasausstoß um 30 Prozent bis zum Jahr 2020 drücken. Deutschland setzt sogar auf 40 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990. Bisher liegt die Bundesrepublik - mehr als die Hälfte der Reduktion ist geschafft - gerade noch im Plan. Einen Anstieg kann sich aber auch Deutschland langfristig nicht leisten.

Vor dem Hintergrund der Klimaziele sahen sich jüngst schon die Europaabgeordneten im Umweltausschusses zum Handeln gezwungen. Sie sprachen sich dafür aus, die Versteigerung der Emissions-Zertifikate zu verschieben. Derzeit kostet der Ausstoß von einer Tonne Kohlendioxid weniger als fünf Euro. Europäische Kommission und Klimaschützer halten aber einen Preis von mehr als 25 Euro für angemessen, um die Industrie zu einem Umstieg auf emissionsarme Technologien zu ermuntern.

Altmaier: Fracking nicht vertretbar

Altmaier kündigte in der "Frankfurter Allgemeinen" zudem an, dass er mit Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) ein Gesetz vorlegen wolle, das das Fracking-Verfahren in Trinkwasserschutzgebieten verbiete und Umweltverträglichkeitsprüfungen vorschreibe. Altmaier sagte: "Derzeit sehe ich nirgendwo in Europa die Vertretbarkeit von Fracking. Das gilt auch für Deutschland."

Beim Fracking-Verfahren wird ein Gemisch aus Wasser und Chemikalien mit hohem Druck in tiefe Gesteinsschichten gepresst. So können bisher unerreichbare Öl- und Gasvorkommen erschlossen werden. Umweltschützer befürchten dabei zum einen direkte Umweltschäden durch das Verfahren und zum anderen eine Renaissance fossiler Brennstoffe, die maßgeblich für den CO2-Ausstoß auf der Welt verantwortlich zeichnen.

Quelle: n-tv.de

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