Suche
hier klicken, um den Ort für die Startseite festzulegen
Berlin
17
SO 13° / 24°
MO 10° / 24°
Politik

Donnerstag, 01. Oktober 2009

"Menge Druck im Kessel": Das Wendland mobilisiert sich

Die Einladung ins Wendland steht. Ob Kanzlerin Merkel ihr folgt, ist fraglich. Denn die Gastgeber wollen ihr nicht zum Wahlsieg gratulieren, sondern über Atompolitik diskutieren.
Das Wendland kämpft seit Jahrzehnten gegen Atommüll im Salzstock Gorleben.

Das Wendland kämpft seit Jahrzehnten gegen Atommüll im Salzstock Gorleben.
(Foto: dpa)

Die künftigen Regierungspartner CDU/CSU und FDP sind dafür, viele Meiler erst einmal laufen zu lassen und den gefährlichen Strahlenmüll im Salzstock Gorleben einzulagern. Dagegen setzt sich die Region zur Wehr. Seit Angela Merkel 1997 als Bundesumweltministerin die zu hohe Strahlung eines Castor-Behälters mit verschüttetem Backpulver beim Kuchenbacken verglich, ist ihr der Grimm vieler Wendländer ohnehin gewiss.

"Jetzt drehen wir richtig auf", kündigt Monika Tietke von der Bäuerlichen Notgemeinschaft an, deren Traktoren zum Symbol der länger als 30 Jahre währenden Gorleben-Proteste geworden sind. "Das Maß ist voll, ein schnelles Durchwinken von Gorleben ist bei uns hier nicht drin." Ein anderes Wahlergebnis wäre aus Sicht der Landwirtin "natürlich wünschenswert" aber gleichzeitig auch ein "Wunder" gewesen. Es entzürnt sie, dass sich Merkel für Laufzeitverlängerungen ausspreche, aber kein Geld für eine offene Endlagersuche in die Hand nehmen wolle, sagt Tietke. "Das empfinden wir als absoluten Hohn, gerade im Vergleich zu den Milliarden, die in die Banken gesteckt worden sind."

Unterstützung bekommt die Region nach der Bundestagswahl von Atomkraftgegnern aus ganz Deutschland. Einen offenen Brief an die Parteichefs Merkel, Horst Seehofer (CSU) und Guido Westerwelle (FDP) auf der Kampagnen-Plattform Campact haben bereits rund 36.000 Menschen unterschrieben. Darin fordert die Anti-Atom-Organisation "Ausgestrahlt", den "halbwegs befriedeten Konflikt um die Atomkraft, der Jahrzehnte die Republik gespalten hat", nicht wieder anzufachen, sondern den Atomausstieg endlich zu vollziehen. Es sei "eine Menge Druck im Kessel", sagt Sprecher Jochen Stay, ebenfalls ein Gorleben-Veteran.

Atomkraftgegner demonstrieren auf Traktoren wenige Wochen vor der Bundestagswahl für einen Ausstieg aus der Kernenergie.

Atomkraftgegner demonstrieren auf Traktoren wenige Wochen vor der Bundestagswahl für einen Ausstieg aus der Kernenergie.
(Foto: picture-alliance/ dpa)

Nach und nach komme ans Licht, wie in den 70er und 80er Jahren Wissenschaftler mit Vorbehalten gegen Gorleben kaltgestellt und Gutachten geschönt worden seien, sagt Tietke erbost. "Damals war der Salzstock noch nicht einmal zweite Wahl." Die Wendländer seien nicht länger bereit, auf die Befindlichkeiten von Bayern und Baden- Württemberg Rücksicht zu nehmen, die ein Endlager in ihren Ton- oder Granitformationen ablehnen. "Im Grunde ist der einzig gangbare Weg, bei der Endlagersuche bei Null anzufangen wie die Schweiz es macht."

Keine Rücksichten auf den Süden

Auch die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) kündigt einen "harten Dauerkonflikt" um Gorleben an. "Mit der Atomkraft gibt es keinen Frieden", warnt BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. Die Gegner würden bei jeder sich bietender Gelegenheit demonstrieren und klagen, sollte das Gorleben-Moratorium aufgehoben werden. Hoffnung für die Wendländer bedeuten CDU-Politiker wie der saarländische Ministerpräsident Peter Müller, der sich vor Beginn der schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen für ein Festhalten am 2000 unter Rot-Grün beschlossenen Atomausstieg ausgesprochen hat.

Monika Tietke zählt auch auf eine starke Opposition unter dem streitbaren scheidenden Umweltminister und möglichen neuen SPD-Chef Sigmar Gabriel: "Der kann sich jetzt nicht plötzlich umdrehen, nur weil der Wahlkampf vorbei ist." Was Tietke Kanzlerin Merkel sagen würden, wenn diese tatsächlich ins Wendland kommen sollte, behält die Landwirtin erst einmal für sich: "Ich möchte nicht als unhöflich dastehen nachher."

:

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Nach und nach komme ans Licht, wie in den 70er und 80er Jahren Wissenschaftler mit Vorbehalten gegen Gorleben kaltgestellt und Gutachten geschönt worden seien, sagt Tietke erbost. "Damals war der Salzstock noch nicht einmal zweite Wahl." Die Wendländer seien nicht länger bereit, auf die Befindlichkeiten von Bayern und Baden-Württemberg Rücksicht zu nehmen, die ein Endlager in ihren Ton- oder Granitformationen ablehnen. "Im Grunde ist der einzig gangbare Weg, bei der Endlagersuche bei Null anzufangen wie die Schweiz es macht."

"Harter Dauerkonflikt"

Auch die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) kündigt einen "harten Dauerkonflikt" um Gorleben an. "Mit der Atomkraft gibt es keinen Frieden", warnt BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. Die Gegner würden bei jeder sich bietender Gelegenheit demonstrieren und klagen, sollte das Gorleben-Moratorium aufgehoben werden. Hoffnung für die Wendländer bedeuten CDU-Politiker wie der saarländische Ministerpräsident Peter Müller, der sich vor Beginn der schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen für ein Festhalten am 2000 unter Rot-Grün beschlossenen Atomausstieg ausgesprochen hat.

Monika Tietke zählt auch auf eine starke Opposition unter dem streitbaren scheidenden Umweltminister und möglichen neuen SPD-Chef Sigmar Gabriel: "Der kann sich jetzt nicht plötzlich umdrehen, nur weil der Wahlkampf vorbei ist." Was Tietke Kanzlerin Merkel sagen würden, wenn diese tatsächlich ins Wendland kommen sollte, behält die Landwirtin erst einmal für sich: "Ich möchte nicht als unhöflich dastehen nachher."

Dirk Averesch, dpa

Artikel versenden

"Menge Druck im Kessel": Das Wendland mobilisiert sich

Empfänger
Ihre Informationen
Persönliche Mitteilung

Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.