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Das HK416 wird in Deutschland bislang nur von Spezialkräften eingesetzt.
Das HK416 wird in Deutschland bislang nur von Spezialkräften eingesetzt.(Foto: sosefan/flickr.com)

Neues Gewehr für die Bundeswehr: Das könnte der G36-Nachfolger sein

Von Christoph Herwartz

Die deutschen Soldaten werden eine neue Standard-Waffe bekommen. Die Beschaffung könnte ausnahmsweise schnell und unkompliziert werden. Denn ein mögliches Modell ist schon auf dem Markt.

Bis zu zehn Jahre kann die Beschaffung eines neuen Gewehrs für die Bundeswehr dauern. So steht es in dem Untersuchungsbericht, der das Ende des G36 einläutete. Doch Spezialeinheiten und Soldaten im Einsatz sollen laut Ursula von der Leyen "sofort" Ersatz bekommen. Die Verteidigungsministerin würde das kaum so formulieren, wenn sie nicht schon eine Vorstellung davon hätte, welches Gewehr sie beschaffen möchte.

Dazu kommen wohl vor allem Waffen infrage, die dem G36 sehr ähnlich sind, aber nicht die bekannten Probleme aufweisen. Denn das G36 ist bei den Soldaten beliebt, es funktioniert auch in staubigem Gebiet und bot selten Anlass zur Klage – bis wissenschaftliche Studien die Treffungenauigkeit bei Hitze feststellten.

Die Institute, die für das Verteidigungsministerium das G36 testeten, verglichen es mit anderen Gewehren. Darunter waren auch weitere Waffen des Herstellers Heckler & Koch. Welche Typen genau getestet wurden, ist bislang nicht eindeutig bekannt. Allerdings hat das Fachblog "Augen Geradeaus" ein Bild aus dem eigentlich vertraulichen Bericht veröffentlich. Dort ist neben einem G36-Gewehrlauf ein weiterer Gewehrlauf zu sehen. Dieser, so mutmaßen Nutzer die des Blogs, stammt von einem HK416Bw. Wahrscheinlich ist dieses Gewehr dasjenige, das im Test am besten abschnitt.

Der Lauf ist das Entscheidende

Das HK416 ist laut Hersteller kein Sturmgewehr wie das G36, sondern ein "leichtes Maschinengewehr". Das Kürzel "Bw" zeigt an, dass es eine spezielle Variante gibt, die für die Bundeswehr hergestellt wurde. Sie ist bei Spezialkräften schon im Einsatz. Die Beschaffung dieses Gewehres wäre damit unbürokratisch möglich. Tests und ein langwieriges Zulassungsverfahren wären unnötig.

Das MG36 wurde ursprünglich für die Bundeswehr entwickelt.
Das MG36 wurde ursprünglich für die Bundeswehr entwickelt.(Foto: Sonaz/wikimedia.org)

Doch in einer Mitteilung schreibt der Hersteller, die Waffe sei mit dem G36, das "nach speziellen Anforderungen konzipiert wurde", nicht vergleichbar. Heckler & Koch kommt zu dem Schluss, "dass der Vergleich des G36 mit dem leichten Maschinengewehr HK416Bw waffentechnisch unzulässig ist". Dabei geht es dem Hersteller darum, den Ruf des G36 zu retten, das nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Armeen und bei Polizeieinheiten eingesetzt wird. Die Argumentation: Selbst wenn das G36 ungenauer ist als das HK416, kann es dennoch ein gutes Gewehr sein.

Dem Verteidigungsministerium geht es aber um etwas anderes. Es will wissen, welches Gewehr für die Soldaten im Einsatz das beste ist. Eine Modernisierung wäre die Einführung des HK416 allemal. Das G36 entstand Anfang der 1990er Jahre, das HK416 wurde ab 2005 produziert und seitdem in vielen Details weiterentwickelt. Der wichtigste Unterschied zwischen den beiden Waffen ist aber der Lauf: Zwar sind die Rohre beide für Kaliber 5,56 x 45 Millimeter ausgelegt, außen aber unterschiedlich groß. Der Lauf des HK416 ist aber wesentlich dicker. Das macht die Waffe besonders präzise und widerstandsfähig gegen Hitze. Denn je dicker der Lauf ist, desto langsamer erhitzt er sich bei Dauerfeuer. Und im erhitzten Zustand verbiegt sich ein Lauf umso weniger, je dicker er ist. Allerdings ist das HK416 auch etwa ein Kilogramm schwerer als das G36.

MG36 ist nur wenig schwerer als G36

Heckler & Koch legt eine andere Variante nahe: das MG36. Laut Pressemitteilung ist es identisch mit dem G36, verfügt jedoch über ein wesentlich dickeres Rohr als das G36. Und es sei dennoch nur etwa 135 Gramm schwerer als das G36. Die Waffe war für die Bundeswehr konzipiert, von dieser aber nie eingeführt worden. Laut Heckler & Koch ließe sie sich ohne weitere Erprobung beschaffen.

Ein neuer Vertrag mit Heckler & Koch hätte für die Bundeswehr Vorteile. Die Soldaten müssten sich nicht umstellen, Zubehör könnte weiter genutzt werden. Vielleicht ließen sich sogar die vorhandenen G36 umrüsten. Diese Option brachte Eigentümer Andreas Heeschen ins Gespräch: "Über Veränderungen an unseren Produkten kann immer geredet werden", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Das ist unser tägliches Geschäft, wir sind da flexibel und gut."

Die Soldaten im Einsatz und die Spezialkräfte sollen kurzfristig mit neuen Waffen ausgestattet werden. Dazu ist eine Beschaffung bei Heckler & Koch naheliegend. Für die Zukunft könnte sich von der Leyen allerdings auch woanders umsehen.

Quelle: n-tv.de

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