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Das Wasser wird immer knapper. Das birgt ein hohes Konflikpotenzial.
Das Wasser wird immer knapper. Das birgt ein hohes Konflikpotenzial.(Foto: REUTERS)

Erdrückende Probleme: Dem Jemen droht der Kollaps

Armut, Terrorismus, rückständige Gesellschaftsstrukturen - die Probleme des Jemen sind immens und kein Ende in Sicht. Im Gegenteil, die versiegenden Wasservorräte werden die Konflikte noch verschärfen.

Entwicklungsminister Dirk Niebel hat sich für seine erste Reise im neuen Jahr eines der schwierigsten Partnerländer für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit ausgesucht: den Jemen. Die Probleme des arabischen Landes sind erdrückend, die Sicherheitslage nur schwer überschaubar und äußerst kritisch.

Die Regierung unter Staatspräsident Ali Abdullah Saleh geht die von einer internationalen Gemeinschaft erzwungenen Reformen nicht an. Besonderes Ärgernis ist, dass er den von den Geberstaaten eingeforderten Dialog mit der Opposition aufgekündigt hat.

Das Land hat eine sehr rückständige Gesellschaftsform mit ausgeprägten Patronats- und Klientelstrukturen. 40 Prozent der Zwangsverheirateten sind Mädchen unter 15. Niebel will zusätzlich zu den 80 Millionen Euro für 2009 und 2010 fünf Millionen für ein Mutter-Kind-Programm zur Verfügung stellen. Weitere 900.000 Euro fließen über das Welternährungsprogramm in das Land.

Der Kampf um das Wasser

Mit der rasant steigenden Bevölkerungszahl verschärft sich das Problem der Wasserversorgung. Der Jemen ist eines der wasserärmsten Länder der Welt. Nur 50 Prozent der Menschen haben Zugang zu sauberem Wasser. Zugleich wird zu viel Wasser in der Landwirtschaft verbraucht - vor allem beim Anbau der Droge Kat. Künftige Konflikte werden wohl auch ums Wasser geführt.

Entwicklungsminister Dirk Niebel trifft sich in Sanaa mit dem jemenitischen Staatspräsidenten Ali Abdullah Saleh.
Entwicklungsminister Dirk Niebel trifft sich in Sanaa mit dem jemenitischen Staatspräsidenten Ali Abdullah Saleh.(Foto: dpa)

Deutschland engagiert sich bei der Wasserversorgung und - entsorgung sowie beim Ressourcenschutz. Nach den deutschen Entwicklungshilfe-Kriterien aber ist das seit rund 40 Jahren währende Engagement im Jemen eigentlich nicht mehr zu rechtfertigen. Doch deutsche Präsenz ist heute mehr denn je politisch gewollt. Das Land, das seit einigen Jahren Rückzugsgebiet des internationalen Terrorismus ist und vor dem politischen Kollaps steht, soll stabilisiert werden.

Der stellvertretende Premierminister Abdulkarim al-Arhabi, der in den 1970er Jahren in der DDR studierte, nannte drei Problemzentren: Rebellen im Norden, gewalttätige Proteste im Süden - und Al-Kaida. Solange es Bombenanschläge dieser Terrorgruppe im Jemen und anderswo in der Welt gibt, kann Sanaa sicher sein, dass das internationale Interessen nicht schwindet.

Weitere Verhandlungen mit Sanaa

"Deutschland ist daran interessiert, dass der internationale Terrorismus bekämpft wird. Und Jemen ist hier ein wichtiger Partner", bekräftigt Niebel, was vor einem Jahr so ähnlich auch Außenminister Guido Westerwelle bei seinem Jemen-Besuch gesagt hatte. Seit den Briefbomben vor einigen Wochen, die im Jemen aufgegeben wurden und unter anderem via Deutschland in die USA verschickt werden sollten, sei der Dialog nochmals intensiviert worden.

Direkte Terrorismusbekämpfung falle nicht in sein Ressort. Seine Aufgabe sei es vielmehr, mit langfristigen Projekten terroristischen Aktivitäten den Nährboden zu entziehen, sagte Niebel. Doch deutlich wird auch: Um hierbei sichtbare Erfolge zu erzielen, müsste die internationale Gebergemeinschaft ihre Zusammenarbeit deutlich verbessern. Niebels Ministerium wird also im Juni wieder Verhandlungen mit Sanaa führen und die Gelder vermutlich nicht zurückfahren.

Denn die internationale Gemeinschaft sieht durchaus die Gefahr, dass dem labilen Jemen das gleiche Schicksal widerfahren könnte wie Afghanistan. Man muss sich nur mal vorstellen, was passiert wäre, wenn eine der Briefbomben in Köln oder gar Detroit hochgegangen wäre. Die Amerikaner sind bereits mit erheblicher Militärhilfe präsent.

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Quelle: n-tv.de

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