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Schwere Zusammenstöße in Istanbul: Demonstranten wollen Baupläne verhindern

In einem Park in Istanbul werden Bäume gefällt, um dort ein Einkaufszentrum zu errichten. Friedliche Demonstranten werden von der Polizei niedergeknüppelt. Plötzlich erhebt sich ein Proteststurm im ganzen Land, der sich gegen Ministerpräsident Erdogan richtet. Dieser hatte sich für den Bau ausgesprochen.

Vor allem mit Wasserwerfern treibt die Polizei die Demonstranten auseinander.
Vor allem mit Wasserwerfern treibt die Polizei die Demonstranten auseinander.(Foto: dpa)

Nach der gewaltsamen Räumung eines Protestcamps in einem Istanbuler Park  haben in mehreren Städten der Türkei Tausende Menschen gegen Polizeigewalt und Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan protestiert. Auslöser der Demonstrationen war ein Einsatz der Polizei, die in Istanbul Wasserwerfer und Tränengas eingesetzt hatte, um hunderte Menschen von der Grünfläche am Rande des Taksim-Platzes gewaltsam zu vertrieben. Dabei seien mindestens zwölf Menschen verletzt worden, berichteten türkische Medien. Menschenrechtsorganisationen kritisierten, es sei unverhältnismäßige Gewalt gegen friedliche Demonstranten eingesetzt worden.

Mit dem Protestcamp hatten die Demonstranten seit Anfang der Woche versucht zu verhindern, dass Bäume und Grünflächen im Gazi-Park für den Bau eines Einkaufszentrums mit Wohngebäuden zerstört werden. Umweltschützer kritisieren, dass in Istanbul immer mehr Grünflächen für Neubauten geopfert werden. Erdogan hatte erklärt, die Pläne für den Bau im Gezi-Park würden ungeachtet der Demonstrationen durchgesetzt. Unterdessen ordnete ein Gericht in Istanbul an, die Pläne zunächst auf Eis zu legen.

Vor allem Studenten und Anwohner hatten den Park besetzt, um friedlich gegen die Abholzung zu demonstrieren.
Vor allem Studenten und Anwohner hatten den Park besetzt, um friedlich gegen die Abholzung zu demonstrieren.(Foto: AP)

Am Abend demonstrierten auf der zum Taksim-Platz führenden Einkaufsstraße Istiklal mehrere tausend Menschen gegen den Polizeieinsatz. Die Polizei versuchte mehrfach, die Protestierer mit Wasserwerfern und Tränengasgranaten abzudrängen, berichteten Augenzeugen. Die Demonstranten skandierten an die Adresse Erdogans "Tayyip, Rücktritt" und flüchteten vor der Polizei immer wieder in umliegende Seitenstraßen. Demonstranten berichteten, Dutzende Verletzte seien von Krankenwagen weggebracht worden.

In der Hauptstadt Ankara setzte die Polizei Tränengas ein, um Demonstranten vor der Zentrale der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP zu vertreiben. Demonstrationen gab es auch in mehreren weiteren Städten.

Quelle: n-tv.de

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