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Verteidigungsministerin Von der Leyen hatte bei ihrem ersten A400M-Flug eine Panne.
Verteidigungsministerin Von der Leyen hatte bei ihrem ersten A400M-Flug eine Panne.(Foto: dpa)

Problemflugzeug der Bundeswehr: Der A400M ist nicht für den Krieg geeignet

Ein interner Bericht stellt dem neuen Transportflugzeug der Bundeswehr ein verheerendes Zeugnis aus. Der A400M erfüllt wichtige Anforderungen nicht und kann nur mit viel Aufwand eingesetzt werden. Ob Airbus nachbessert, ist demnach fraglich.

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Das Transportflugzeug Airbus A400M wird womöglich nie voll einsatzfähig sein. Grund dafür seien anhaltende technische Probleme und Vertragsquerelen mit dem Hersteller Airbus, wie es in einem Schreiben des Bundesverteidigungsministeriums heißt. Airbus werde nicht die nötigen Investitionen tätigen, um erforderliche Nachbesserungen am A400M auf den Weg zu bringen, schreibt das Ministerium im vertraulichen Teil seines Rüstungsberichts aus dem April.

Verantwortlich dafür seien die Unterfinanzierung des Programms und die wegen der bisherigen Pannen und Verzögerungen ohnehin erwarteten Entschädigungsforderungen der Nationen. Wenn Airbus aber nicht investiere, sei "die operationelle Verwendbarkeit des Flugzeugs (..) gefährdet". Probleme machen demnach vor allem die Fähigkeiten zum Absetzen von Lasten und Personal aus der Luft sowie der Selbstschutz.

Nicht für Kriegsgebiete geeignet

Das Selbstschutzsystem, das das Flugzeug vor anfliegenden Raketen schützen soll, funktioniere bislang nur eingeschränkt. "Die volle, vertraglich geschuldete Leistungsfähigkeit der Selbstschutzanlage des A400M wird nicht erreicht", heißt es im Bericht. Selbstschutz bleibe für den taktischen Lufttransport aber eine grundlegende Voraussetzung.

Als Konsequenz könnte die Bundeswehr nach 2021, wenn die letzten alten Transall-Flugzeuge außer Dienst gestellt werden, ohne einen Militärtransporter dastehen, der auch tatsächlich in Kriegsgebiete hineinfliegen kann. "Es ist nicht absehbar, ob beziehungsweise wann und wie viele einsatzreife Flugzeuge A400M mit den vertraglich geforderten vollständigen taktischen Fähigkeiten zur Verfügung stehen werden", bilanziert der Bericht.

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Airbus fordert derzeit Nachverhandlungen zum A400M-Vertrag. Selbst wenn die fehlende militärische Ausstattung noch kommt, könnte dies nach Einschätzung des Ministeriums länger dauern als erwartet. 

Bei Nachverhandlungen könnte Airbus eine weitere Verschiebung von 12 bis 18 Monaten geltend machen, heißt es in dem Bericht. Das Dokument nennt die operationellen Mängel signifikant. Dazu zähle, dass der A400M Fallschirmjäger bislang nicht simultan absetzen könne.

Airbus verweist auf Fortschritte

Das Verteidigungsministerium wollte den Bericht nicht kommentieren. "Der A400M zeigt heute im täglichen Einsatz, dass er ein leistungsfähiges Flugzeug ist", sagte eine Sprecherin. Dass er dabei noch nicht alles könne, was er nach Vertrag können solle, sei bekannt. "Wir beobachten die Projektentwicklung sehr genau. Wenn wir Einschränkungen und Risiken erkennen, analysieren wir detailliert, was diese für uns bedeuten könnten." Der Hersteller sei ganz klar in der Pflicht, Lösungen zu finden.

Ein Sprecher von Airbus bewertete die Kritik als überzogen. "Airbus hat im letzten Jahr erhebliche Fortschritte gemacht - sowohl beim Absetzen von Fallschirmjägern als auch beim Selbstschutzsystem", sagte er. Beide Fähigkeiten würden weiter ausgebaut. Die Bundeswehr werde auf jeden Fall das beste Selbstschutzsystem erhalten, das in seiner Klasse verfügbar sei.

Flugvorbereitung zu aufwendig

Deutschland hat insgesamt 53 A400M beim Hersteller Airbus bestellt. Den ersten A400M hatte die Bundeswehr 2014 erhalten. Mittlerweile sind acht Exemplare ausgeliefert worden, die alle in Wunstorf beim Luftgeschwader 62 stationiert sind. Derzeit sind nach Angaben der Bundeswehr drei Flugzeuge einsatzfähig. Ein vierter sei kurz davor, wieder genutzt werden zu können.

Doch die Zahl der einsatzbereiten Flugzeuge ist relativ. Dem Rüstungsbericht zufolge dauert es viel zu lange, um einen A400M auf einen Flug vorzubereiten. Vor jedem Flug müssten Daten wie der Kraftstoffverbrauch berechnet und zwischen einer Vielzahl nicht miteinander vernetzter Systeme ausgetauscht werden. "Dies kann für einen Hin- und Rückflug über 50 Mann-Stunden Vorbereitungszeit in Anspruch nehmen, was aus operationeller Sicht nicht akzeptabel ist", heißt es in dem Dokument.

Die lange Vorbereitungszeit habe zur Folge, dass unabhängig davon, wie viele A400M die Bundeswehr besitze, mit dem derzeit für die Planung vorgesehenen Personal nur zwei Missionen pro Woche vorbereitet werden könnten. Kurzfristige Einsätze wie die Evakuierung Verletzter oder Katastrophenhilfe seien "ohne entsprechende Nachbesserungsmaßnahmen mit diesem enormen Vorlauf" nicht durchführbar.

107 Monate Verzögerung  - bis jetzt

Der A400M geriet in den vergangenen Jahren wegen zahlreicher Pannen immer wieder in die Schlagzeilen. Das Ministerium schätzt die Verzögerungen bis zum Jahr 2019 auf 107 Monate, also fast neun Jahre. Die Kostensteigerung beträgt nach dem aktuellen Rüstungsbericht 1,49 Milliarden Euro oder 18 Prozent.

Die anhaltende Pannenserie kostete wiederum Airbus allein im vergangenen Jahr 2,2 Milliarden Euro an Sonderlasten, seit dem Programmstart vor 13 Jahren waren es mehr als sechs Milliarden. Airbus will die Zahl der ausgelieferten Modelle 2017 zwar auf über 20 steigern, kämpft aber immer noch mit technischen Problemen, insbesondere bei den Triebwerken und der militärischen Ausstattung. Viele der bereits ausgelieferten Maschinen sind nicht oder nur eingeschränkt einsatzfähig.

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Quelle: n-tv.de

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