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Die Umbauarbeiten sind abgeschlossen - dem neuen Bundestag gehören nur noch vier Fraktionen an.
Die Umbauarbeiten sind abgeschlossen - dem neuen Bundestag gehören nur noch vier Fraktionen an.(Foto: imago stock&people)

Durchschnitt liegt bei knapp 50 Jahren: Der neue Bundestag ist ziemlich alt

Von Nora Schareika

Die beiden jüngsten Abgeordneten im neuen Bundestag sind 26 Jahre alt. Damit hören die Gemeinsamkeiten schon auf: Die CSU-Abgeordnete Emmi Zeulner kommt aus Franken, SPD-Mann Mahmut Özdemir aus Duisburg.

Sie sind die Ausnahmen im Bundestag: Mahmut Özdemir und Emmi Zeulner.
Sie sind die Ausnahmen im Bundestag: Mahmut Özdemir und Emmi Zeulner.(Foto: dpa)

Der neu gewählte Bundestag ist so alt wie seit 15 Jahren nicht mehr. Im Durchschnitt liegt das Alter der Abgeordneten bei 49,6 Jahren. Nur 1998 startete der Bundestag mit einem höheren Durchschnittsalter in die Legislaturperiode; damals lag es bei 49,9 Jahren.

Der durchschnittliche Bundestagsabgeordnete von 2013 ist in zwei von drei Fällen männlich und zwischen 1950 und 1965 geboren. Deutlich unter 50 Jahren bleibt nur der oder die durchschnittliche Grünen- und CSU-Abgeordnete. Die älteste Fraktion ist die der Linkspartei, hier sind die Abgeordneten im Durchschnitt fast 51 Jahre alt. Gleichzeitig stellt die Linke den höchsten Frauenanteil mit 56 Prozent. Nur unwesentlich jünger ist der CDU-Abgeordnete mit 50,3 Jahren, er ist dafür umso häufiger ein Mann - nur ein Viertel der CDU-Politiker in der Unionsfraktion sind Frauen. Die SPD ist in jeder Hinsicht Durchschnitt: Bei einem Alter von 50 Jahren sind 42 Prozent der SPD-Abgeordneten Frauen.

Die jüngsten Neu-Mitglieder des Bundestages sind alle Jahrgang 1987. Die jüngste Frau unter ihnen ist die CSU-Abgeordnete Emmi Zeulner aus Oberfranken. Sie hat den Wahlkreis vom geschassten früheren Polit-Star Karl-Theodor zu Guttenberg übernommen. 56,9 Prozent der Wähler im Wahlkreis Kulmbach-Bamberg-Lichtenfels machten sie zur jüngsten Abgeordneten in Berlin. Die Kandidatur in der CSU-Hochburg sei aber kein Selbstläufer gewesen, betont Zeulner: "Wer so denkt, der hat sich von vorneherein für diese Aufgabe disqualifiziert", sagt die 26-Jährige energisch.

Zeulner wuchs auf dem Land auf und war auch schon einmal Korbstadt-Königin - in ihrer oberfränkischen Heimatstadt Lichtenfels das Pendant zur Weinkönigin in anderen Regionen. Für die gelernte Krankenschwester sind es die typischen Land-Themen, die sie auf ihrer politischen Agenda stehen hat. Ganz oben: Die Abwanderung der jungen Leute einzudämmen, indem Umgehungsstraßen gebaut werden, dem Ärztemangel begegnet und schnelles Internet ausgebaut wird. Ebenso will sich Zeulner aber auch für die Älteren einsetzen - die CSU-Stammwählerschaft eben. "Ich sehe mich als Vertreterin aller Altersgruppen, da mache ich keine Unterschiede." Denn, so schreibt Zeulner auf ihrer Homepage, die Anerkennung der Leistung der Älteren liege ihr ebenso am Herzen wie die Chancen ihrer eigenen Generation. Die volksnahe Art ihres Parteichefs Horst Seehofer sei ihr ein Vorbild.

Aus dem klassischen Kernland der SPD hat es Zeulners Altersgenosse Mahmut Özdemir nach Berlin verschlagen. Damit hören die Gemeinsamkeiten auch auf. Özdemir stammt aus Duisburg, spricht breiten Pott-Dialekt und empfindet beim Anblick von Hochöfen Heimatgefühle. In seinem Wahlkreis Duisburg II erhielt er 43,2 Prozent der Erststimmen. Seine politische Agenda ist geprägt vom Strukturwandelgebiet zwischen Rhein und Ruhr. Der Arbeitersohn hat Jura studiert und ist seit zwölf Jahren in der SPD. Sein Vorbild ist Gerhard Schröder - wegen dessen Durchsetzungswillens.

Mahmut Özdemir sieht sein jugendliches Alter in dem fast doppelt so alten Bundestag durchaus als Besonderheit. Gleichwohl geht er nicht mit weichen Knien, sondern "mit durchgedrücktem Rücken" zum ersten Mal den Plenarsaal. "Ich sitze da in einer Reihe mit großen Sozialdemokraten. Das macht mich stolz", sagt der Duisburger n-tv.de. Er sei jetzt dazu berufen, auch seinen Teil zu geben. Er will sich gezielt für jüngere Arbeitnehmer einsetzen. "Ohne Perspektiven für die Jüngeren in der Arbeitswelt kann es auch mit der Rente für die Älteren nicht funktionieren."

Der Wechsel nach Berlin bringt praktische Probleme mit sich, wie sie auch jeder Student oder Berufseinsteiger beim Umzug an einen neuen Ort regeln muss. "Ich habe noch nicht so viele Anzüge wie die Kollegen, das ist beim Transport umständlich", sagt Emmi Zeulner.

Zudem brauche sie eine Wohnung, damit die Blazer für den Bundestag nicht immer zerknautscht aus dem Koffer kommen. Und auch, wenn Emmi Zeulner den Politikerjargon zum Teil schon recht authentisch rüberbringt, weiß sie: "Man kann sich immer verbessern."

Quelle: n-tv.de

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