Politik
Das Konzept für den Wahl-O-Mat stammt aus den Niederlanden.
Das Konzept für den Wahl-O-Mat stammt aus den Niederlanden.(Foto: picture alliance / dpa)

Mit 38 Klicks zur Entscheidung: Der neue Wahl-O-Mat ist online

Von Christian Rothenberg

Welche Partei soll ich wählen? Fast die Hälfte der Deutschen hat angeblich noch keinen Schimmer. Abhilfe leistet der Wahl-O-Mat. Das Internet-Tool ermittelt, welche Parteien den politischen Positionen des Nutzers am nächsten stehen. Das ist nicht nur für unentschlossene Wähler spannend.

Linken-Politiker und Testperson Jan van Aken
Linken-Politiker und Testperson Jan van Aken(Foto: dpa)

So einträchtig trifft man mitten im Wahlkampf doch eher selten aufeinander. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe, SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, FDP-Bundesgeschäftsführer Jörg Paschedag, Linken-Vize Jan van Aken, Grünen-Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke und CSU-Politikerin Dorothee Bär sind an diesem Tag Testpersonen. Als das Signal kommt, schwärmen sie schließlich aus zu den bereitgestellten Computern. Die sechs Politiker sind die ersten, die den neuen Wahl-O-Mat ausprobieren dürfen.

Seit diesem Donnerstag bietet das Internet-Tool wieder Hilfe bei der Wahlentscheidung. Gut drei Wochen vor der Bundestagswahl am 22. September schaltet die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) die Webseite frei. Mithilfe der Wahlprogramme hat die bpb Thesen erstellt, die von 28 der insgesamt 29 zugelassenen Parteien beantwortet wurden. Anhand von 38 politischen Fragestellungen wertet der Wahl-O-Mat aus, welche Parteien dem Nutzer besonders nahe stehen.

25 Millionen Nutzer seit 2002

Das Konzept stammt ursprünglich aus den Niederlanden. Hier dient der "StemWijzer" den Wählern schon seit 1989, im Internet seit 1998, als Orientierungshilfe. In Deutschland kam das Programm unter dem Namen Wahl-O-Mat vor der Bundestagswahl 2002 erstmals zum Einsatz und wurde seitdem etwa 25 Millionen Mal genutzt. Allein bei der letzten Bundestagswahl suchten 6,7 Millionen Menschen die Entscheidungshilfe. "Diesmal wollen wir noch deutlich mehr erreichen", sagt bpb-Präsident Thomas Krüger.

Die Vorzüge des Projekts sind für ihn eindeutig: Es motiviert Unentschlossene und zeigt die Unterschiede zwischen den Parteien. "Das Gerücht, dass sich Parteien nicht unterscheiden, wird Lügen gestraft", sagt Thomas Krüger. Ihm zufolge erreicht der Wahl-O-Mat die Wähler in allen Altersgruppen. 34 Prozent der Nutzer seien unter 30 Jahre alt. Jeder Zweite komme auf die Internetseite, um sich seiner eigenen Standpunkte zu vergewissern. Bei 80 Prozent komme am Ende die Partei heraus, die man sowieso beabsichtigt zu wählen. Aber gelingt das auch bei der Premiere 2013?

Jan van Aken klickt sich durch die 38 Fragen. Deutschland soll aus der Nato austreten, Rüstungsexporte sollen verboten, der Spitzensteuersatz angehoben werden - da ist sich der Linke sicher. Aber etwas mulmig ist dem Linken schon. Was, wenn der Wahl-O-Mat am Ende nicht die meisten Übereinstimmungen mit seiner Partei ausweist? "Das wäre schon blöd." Doch Augenblicke später triumphiert er. 100 Prozent Linke, mit großem Abstand folgen MLPD, Grüne und Piraten, na das ist doch was. Andre Nahles kommt am Nebentisch derweil immerhin auf 97 Prozent SPD. "Das wäre doch ein gutes Wahlergebnis für uns." Sie ist erleichtert. Vor ein paar Jahren, so erzählt die Generalsekretärin, sei sie beim Wahl-O-Mat auch mal bei einer anderen linken Partei gelandet.

Quelle: n-tv.de

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