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Stuttgart 21 - Prestige-Objekt oder Milliardengrab?: Der steinige Weg zum Tiefbahnhof

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Stuttgart 21 erhitzt seit Jahren die Gemüter. Erste Pläne für eine Tieferlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs wurden im April 1994 vorgestellt. Die Bauarbeiten begannen 16 Jahre später - damit ging auch der Protest richtig los. Aber der Reihe nach: (Foto: dapd)

Stuttgart 21 erhitzt seit Jahren die Gemüter. Erste Pläne für eine Tieferlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs wurden im April 1994 vorgestellt. Die Bauarbeiten begannen 16 Jahre später - damit ging auch der Protest richtig los. Aber der Reihe nach:

Stuttgart 21 erhitzt seit Jahren die Gemüter. Erste Pläne für eine Tieferlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs wurden im April 1994 vorgestellt. Die Bauarbeiten begannen 16 Jahre später - damit ging auch der Protest richtig los. Aber der Reihe nach:

Im April 1994 stellt der damalige Chef der Deutschen Bahn, Heinz Dürr, das Bahnhofsprojekt vor. Politisch verantwortlich sind der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel, Stuttgarts Oberbürgermeister Manfred Rommel und Verkehrsminister Matthias Wissman. Ihr Plan: Der oberirdische Kopfbahnhof soll unter die Erde und in einen Durchgangsbahnhof verwandelt werden.

Im November 1995 werden die ersten Verträge geschlossen. Beteiligt sind die Deutsche Bahn, der Bund, Baden-Württemberg und Stuttgart. In der unterzeichneten Rahmenvereinbarung werden erstmals auch die Kosten des Projekts veranschlagt. Damals ist man zuversichtlich: Das Bauprojekt soll nicht mehr als fünf Milliarden Mark kosten.

Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs werden im Juli 1999 die letzten Gebäude abgerissen. Hier soll der unterirdische Hauptbahnhof gebaut werden. Schon im Mai 1997 gibt es den ersten Protest.

Im November 1997 erhält Architekt Christoph Ingenhoven den Zuschlag für den Umbau in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof mit großen Lichtaugen.

Der Widerstand in der Bevölkerung gegen S21 wächst nun stetig.

Im Dezember 2007 füllen die Projektgegner mit ihrem Protest den Marktplatz - 4000 Demonstranten versammeln sich vor dem Rathaus.

Oberbürgermeister Schuster hatte einen Bürgerentscheid über das Projekt abgelehnt und damit Öl in das Feuer des Protests gegossen. Rund 67.000 Bürger, dreimal mehr als notwendig, hatten ihre Unterschrift gegen S21 abgegeben.

Im Oktober 2008 beschützt eine Menschenkette symbolisch den 1927 von dem Architekten Paul Bonatz gebauten Kopfbahnhof. Die Polizei zählte mehr als 4000 Demonstranten, die Veranstalter sprechen von 8000 Teilnehmern.

Im August 2008 beziffert die Landesregierung die Gesamtkosten mit 5,1 Milliarden Euro. Davon entfallen 3,1 Milliarden auf Stuttgart 21 und 2 Milliarden auf die Neubaustrecke Richtung Ulm. Gegner halten das Vorhaben für unnötig und überteuert.

Bahnchef Rüdiger Grube muss im Dezember 2009 die Kostenschätzung für den Bahnhofsumbau nach oben korrigieren. Jetzt liegt sie schon bei 4,1 Milliarden Euro.

Die Bauarbeiten beginnen am Anfang Februar 2010, die Inbetriebnahme ist für Dezember 2019 geplant.

Ihren Willen zum zivilen Ungehorsam bekundeten Tausende Gegner im April 2010 im Schlossgarten. "Unser Park - unsere Stadt" so das Motto der Protestveranstaltung, die sich vor allem gegen das Fällen von rund 300 alten Parkbäumen richtete.

Für weitere Unruhen sorgt das neue Gutachten des Umweltbundesamtes im August 2010, wonach S21 eine Kostenexplosion ins Haus steht. In dem Gutachten sagen Schätzungen eine Verteuerung auf bis zu 11 Milliarden Euro voraus.

Am 3. Juli 2010 stellt die Bahn in einer Nacht-und-Nebel-Aktion einen Bauzaun vor dem Nordflügel des Hauptbahnhofs auf, der von Polizisten bewacht wird.

Ende August 2010 kommen die Bagger, die Bahn beginnt den Nordflügel abzureißen.

Die S21-Gegner antworteten mit wütenden Protestaktionen. Sie blockieren die Baustellenzufahrt, Straßen in der Innenstadt und besetzen kurzzeitig sogar das Bahnhofsdach.

Der bisher größte Demonstrationszug gegen Stuttgart 21 zieht am 3. September 2010 vom Schlossgarten bis zum Schlossplatz. Die Veranstalter sprechen von 65.000 Teilnehmern.

Am 30. September 2010 eskaliert der Konflikt erneut: Die Polizei geht mit Wasserwerfern und Tränengas gegen Demonstranten vor.

Dabei werden 400 Menschen verletzt.

In der Nacht werden die ersten Bäume im Schlossgarten gefällt.

Am nächsten Tag protestieren über 100.000 Menschen, so viele wie noch nie, gegen Stuttgart 21.

Am 5. Oktober 2010 stoppt die baden-württembergische Landesregierung den Abriss am Südflügel und reagiert damit auf die andauernden Proteste. Ein genereller Baustopp ist jedoch nicht in Sicht.

Heiner Geißler soll zwischen Gegnern und Befürwortern des Großprojekts vermitteln - allerdings machen die Projektgegner einen sofortigen Baustopp zur Bedingung für Gespräche.

In acht Runden Schlichtung (vom 22. Oktober - 27. November 2010) streiten sich Befürworter und Gegner von S21 über die Leistungsfähigkeit des Tiefbahnhofs

Am Ende des Verfahrens zeigen sich beide Seiten trotz unterschiedlicher Auffassungen zufrieden mit der Schlichtung. Heiner Geißler gibt grünes Licht für S21, mahnt aber Nachbesserungen an. Die Bahn wird unter anderem zu einem "Stresstest" verpflichtet.

Im Januar 2011 schließt der Untersuchungsausschuss des Landtags seine Arbeit ab. SPD und Grüne machen die Landesregierung für den massiven Polizei-Einsatz verantwortlich, nach Ansicht der damaligen Koalitionsparteien CDU und FDP gab es keinen politischen Einfluss.

Trotz des Protestes von Hunderten Demonstranten wird im Februar 2011 mit der Verpflanzung von 16 alten Bäumen am Hauptbahnhof begonnen. Die befürchtete Eskalation bleibt jedoch aus. Die Kosten der rund 200.000 Euro teuren Umpflanzungen übernimmt die Bahn.

Bei den Landtagswahlen Ende März 2011 erleidet die CDU eine historische Wahlniederlage und verliert die Macht an ein grün-rotes Regierungsbündnis. Noch am Wahlabend kommt es zu Zwischenfällen an der Baustelle von "Stuttgart 21", als Gegner am Bauzaun rütteln.

Im Mai wird der grüne Politiker Winfried Kretschmann mit den Stimmen von Grünen und SPD zum ersten Ministerpräsidenten seiner Partei gewählt. Während die Grünen das Bahnprojekt verhindern wollen, ist die SPD für das Projekt. Beide Parteien haben sich nach hartem Ringen auf eine Volksabstimmung über "Stuttgart 21" geeinigt.

Anfang Juni versucht Kretschmann bei Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer vergeblich, einen Baustopp zu erwirken.

Mitte Juni setzt die Bahn die Bauarbeiten fort. Sie beginnt mit dem Aufbau eines Rohrleitungssystems für die Entwässerung der S21-Baugrube.

Nach der traditionellen Montagsdemonstration stürmen zahlreiche Demonstranten die Baustelle am Grundwassermanagement. Es kommt zu schweren Sachbeschädigungen.

Im Juli 2011 bestätigt ein Gutachten des Schweizer Verkehrsberatungsbüros sma, dass der geplante Tiefbahnhof den Stresstest bestanden hat und die geforderte Leistung erbringt.

Bei der Präsentation des S-21-Stresstests Ende Juli 2011 schlägt Schlichter Heiner Geißler unter dem Motto "Frieden in Stuttgart" überraschend einen kombinierten Tief- und Kopfbahnhof vor. Die Bahn lehnt die Kombi-Lösung ab.

Im September beschließt das grün-rote Kabinett beschließt, dass das Land keinen Cent mehr als die vorgesehenen 824 Millionen Euro zahlt, wenn der Kostendeckel von 4,5 Milliarden Euro gesprengt werden sollte.

Am 27. November 2011 erleiden die S21-Gegner eine Niederlage bei der Volksabstimmung: 58,8 Prozent der Teilnehmer stimmen gegen einen Ausstieg des Landes aus der Finanzierung des Bahnprojekts - und damit für Stuttgart 21. Die Beteiligung liegt bei 48,3 Prozent.

Mitte Februar 2012 räumt die Polizei das Protest-Camp der S21-Gegner im Schlossgarten. Die Bahn will gut 100 Bäume fällen und knapp 70 weitere versetzen.

Anfang Dezember 2012 machen neue Horrorzahlen die Runde: Das Projekt soll nach Medienberichten 1,5 Milliarden Euro teurer werden als geplant. Die Kosten würden sich dann auf 6 Milliarden Euro belaufen.

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