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Die Fördertürme in den Feldern Tamar und Leviathan werden derzeit von privaten Wachunternehmen beschützt.
Die Fördertürme in den Feldern Tamar und Leviathan werden derzeit von privaten Wachunternehmen beschützt.(Foto: picture alliance / dpa)

Wettrüsten auf dem Mittelmeer: Deutsche Waffen sollen Israels Gas schützen

Von Peter Poprawa

Israel ist reich. Verfügt es doch über das größte Unterwasser-Erdgasvorkommen, das in den letzten zehn Jahren entdeckt wurde. Das weckt Begehrlichkeiten anderer Staaten, gegen die sich Israel schützen muss. Ausgerechnet deutsche Kriegsschiffe sollen dabei helfen.

Israel steht mit Deutschland in Kaufverhandlungen über zwei Kriegsschiffe im Wert von einer Milliarde Euro. Die Schiffe sollen zum Schutz israelischer Gaspipelines im östlichen Mittelmeer eingesetzt werden. Israels Nationaler Sicherheitsberater Jossi Cohen hatte sich in der vergangenen Woche in Berlin aufgehalten. Doch unterschrieben ist der Vertrag noch nicht. Ebenso hat sich die Bundesregierung noch nicht über das Geschäft geäußert, obgleich es sich um den Export von Kriegswaffen handeln würde und sie in ihrem Koalitionsvertrag mehr Transparenz bei Rüstungsexporten und eine schnellere Information des Bundestags vereinbart hatte.

Die Opposition kritisiert das Vorgehen, das scheinbar unbemerkt von der Öffentlichkeit über die Bühne geht. Die Grünen verlangen umgehend Aufklärung durch das Parlament, ob es den Kriegswaffenexport genehmigt habe und warum. Auch die Linken werfen der Bundesregierung vor, "hemmungslos das Wettrüsten rund ums Mittelmeer" zu befördern. Zudem sei die Zugehörigkeit der Erdgasfelder, die Israel sichern wolle, bis heute umstritten.

Libanon will ein Stück vom Kuchen

Ein Lenkwaffen-Zerstörer, der bei einer Übung im Atlantik sein Artilleriegeschütz MK-45 abfeuert.
Ein Lenkwaffen-Zerstörer, der bei einer Übung im Atlantik sein Artilleriegeschütz MK-45 abfeuert.(Foto: dpa)

Seit Jahren sucht Israel mit enormem finanziellem Aufwand nach Erdgas im Mittelmeer, um energieunabhängig zu werden. Der Durchbruch gelang in den Jahren 2009 und 2010, als man in einer Tiefe von rund 5000 Metern zwei riesige Felder entdeckte - die aktuell größten Offshore-Gasvorkommen weltweit. Dabei handelt es sich um das Feld Tamar bei Haifa mit geschätzten 238 Milliarden Kubikmetern und um das Feld Leviathan mit rund 450 Milliarden Kubikmetern. Dieses Feld liegt etwas weiter von der Küste entfernt und damit in der sogenannten "exklusiven Wirtschaftszone". Dort beansprucht auch der Libanon Teile der von Israel entdeckten Gasvorkommen - nämlich mindestens die Hälfte. Während die Plattformen derzeit von privaten Sicherheitsdiensten der Förderfirmen bewacht werden, befürchtet das israelische Militär Terrorattacken auf Pipelines oder Tankschiffe.

Der Schutz der Anlagen im Mittelmeer steht nicht nur im Interesse Israels selbst, sondern auch Europas und insbesondere Deutschlands. Denn neben der für Israel wichtigen Energiesicherheit geht es dem Land um Geschäfte mit dem riesigen Energievorkommen. Allerdings braucht Israel für den Gasexport Partner.

Entspannung im Türkei-Zypern-Konflikt möglich

Israels Ölminister Alexander Varhavsky hatte im Frühjahr bei einer internationalen Energiekonferenz in Tel Aviv darauf hingewiesen, dass Israel in der Lage wäre, 25 Jahre lang die Hälfte seiner Gasvorkommen zu exportieren. Voraussetzung sei jedoch eine Kooperation mit dem Libanon, der Türkei und Zypern. Eine Einigung mit dem Libanon dürfte schwer werden, weil das Land selbst Ansprüche auf die Gasvorkommen angemeldet hat. Die Einigung mit Zypern ging indes geräuscharm über die Bühne. Zumindest mit dem südlichen Teil der Insel. Die Regierung in Nikosia war schnell davon zu überzeugen, dass sie im Gegenzug für Energielieferungen und dem Aufbau einer Verflüssigungsanlage auf Gebietsansprüche verzichten würde.

Ungeklärt sind die Verhandlungen indes mit dem zur Türkei zählenden nördlichen Teil der Insel. Die Türken sind einerseits selbst an Gaslieferungen aus Israel interessiert, wollen sich andererseits aber den Bau der Pipeline durch das von ihnen beanspruchte zyprische Gebiet teuer abkaufen lassen. Die Regierung in Ankara hat bereits angekündigt, dass beim Streit um das Gas "alle Register gezogen" würden. Israel ist bereits auf gutem Wege, denn im März hatte sich Ministerpräsident Benjamin Netanjahu öffentlich für den Angriff auf die Gaza-Solidaritäts-Flottille im Frühjahr 2010 entschuldigt, bei der neun türkische Aktivisten von israelischen Soldaten getötet worden waren. Der Vorfall hatte damals zu einer massiven Verschlechterung der Beziehungen zwischen der Türkei und Israel geführt.

Wenn der Regierung in Jerusalem jetzt der Gas-Deal gelänge, könnte dies dazu beitragen, die Spannungen in der Region weiter abzubauen - zumindest zwischen Israel, der Türkei und Zypern. Und auch die EU könnte von den Gaslieferungen aus Israel profitieren, indem sie ihre Abhängigkeit von Russland verringert. Bliebe noch das Problem mit dem Libanon.

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Quelle: n-tv.de

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