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Überschwemmungen wie hier in Liberia rauben der betroffenen Bevölkerung oft die Lebensgrundlage.
Überschwemmungen wie hier in Liberia rauben der betroffenen Bevölkerung oft die Lebensgrundlage.(Foto: dpa)
Dienstag, 14. November 2017

107 Millionen Euro zusätzlich: Deutschland stockt Klimaversicherungen auf

Der Klimawandel betrifft alle, besonders schmerzlich aber ist er für Menschen in Entwicklungsländern, die dadurch ihre Lebensgrundlage verlieren. Die von der Bundesregierung unterstützten Klimaversicherungen helfen ihnen - allerdings nur kurzfristig.

125 Millionen Dollar (107 Millionen Euro) zusätzlich für Klimaversicherungen in Entwicklungsländern - mit dieser Zusage hat die Bundesregierung vor den abschließenden Beratungen bei der UN-Klimakonferenz in Bonn ihr klimapolitisches Engagement unterstrichen. Die Aufstockung der Fördersumme sei eine Reaktion auf die klimabedingte Zunahme von Naturkatastrophen, sagte Entwicklungsstaatssekretär Thomas Silberhorn. Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth äußerte sich derweil optimistisch über einen pünktlichen Abschluss der Verhandlungen.

Die 125 Millionen Dollar fließen laut Silberhorn in die Initiative InsuResilience für die Förderung von Klimafolgenversicherungen in Entwicklungsländern. Diese 2015 beim G7-Gipfel in Elmau gestartete Initiative werde nun zu einer globalen Partnerschaft ausgebaut. Er rechne damit, dass in Bonn weitere Länder Finanzzusagen machen, sagte der Entwicklungsstaatssekretär.

Die in Bonn vorgestellte InsuResilience will bis zum Jahr 2020 400 Millionen Menschen in Entwicklungsländern gegen Folgen des Klimawandels versichern.
Die in Bonn vorgestellte InsuResilience will bis zum Jahr 2020 400 Millionen Menschen in Entwicklungsländern gegen Folgen des Klimawandels versichern.(Foto: imago/photothek)

Klimaversicherungen böten "sehr schnelle Lösungen" für den Umgang mit katastrophalen Folgen des Klimawandels, sagte Silberhorn. Dadurch könne verhindert werden, dass die Menschen in den besonders stark betroffenen Entwicklungsländern langfristig ihre Lebensgrundlage verlieren, etwa durch den Verkauf ihres Viehs bei Dürren.

InsuResilience verfolgt das Ziel, bis zum Jahr 2020 in Entwicklungsländern 400 Millionen Menschen zusätzlich gegen Folgen des Klimawandels zu versichern. Dafür waren bislang 550 Millionen Dollar (471,8 Millionen Euro) bereitgestellt worden, davon 190 Millionen Euro von Deutschland. An dem Programm sind neben einigen Nationalstaaten und der EU auch Institutionen wie die Weltbank sowie Organisationen aus der Zivilgesellschaft und Versicherungsunternehmen wie Munich Re, Swiss Re und Hannover Re beteiligt.

Frühwarnsysteme und Notfallpläne gefordert

Auch das Gastgeberland der Bonner Klimakonferenz, die Fidschi-Inseln, sind Partnerland. Wirtschaftsminister Aiyaz Sayed-Khaiyum sagte, InsuResilience trage dazu bei, Menschen nach einer Naturkatastrophe "so schnell wie möglich in ein normales Leben zurückzubringen".

Entwicklungsorganisationen begrüßten die Ankündigung der Bundesregierung, mahnten aber zugleich einen umfassenden Ansatz im Umgang mit klimabedingten Schäden an. "Gegen die langfristigen Folgen der Klimaveränderungen wie beispielsweise den Anstieg des Meeresspiegels gibt es keinen Versicherungsschutz", erklärte die Klimaexpertin von Brot für die Welt, Sabine Minninger. Bei der von Deutschland geförderten Initiative müssten außerdem die Bedürfnisse der Betroffenen im Vordergrund stehen, "nicht aber die Markterweiterung der Versicherungswirtschaft".

Die Hilfsorganisation Oxfam forderte zusätzliche Schutzmaßnahmen wie etwa Frühwarnsysteme und Notfallpläne. "Solch ein umfassender Ansatz darf nicht nur auf dem Papier stehen, sondern muss konkret umgesetzt werden", erklärte Oxfam-Klimareferent Jan Kowalzig.

Deutschland sagte am Dienstag überdies knapp 70 Millionen Euro für Umweltschutzprojekte in Brasilien zu. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, erklärte, bei den Klimaverhandlungen gehe es "um nichts weniger als um das Weltgemeinwohl, das durch den ungehemmten CO2-Ausstoß gefährdet ist".

Papiere der Klimakonferenz auf "Schlusskurs"

Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth sagte, die Arbeit an den Papieren mit den Zwischenergebnissen von Bonn sei auf dem "Schlusskurs". Dieses Jahr müssten die Konferenzteilnehmer wohl nicht "nachsitzen". Am Mittwoch geht die UN-Klimakonferenz mit dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel und anderen Staats- und Regierungschefs in die entscheidende Phase.

Deutschland steht derzeit unter Druck, mit zusätzlichen Maßnahmen seine eigenen Klimaschutzziele doch noch zu erreichen. Das Umweltbundesamt empfahl in einem Thesenpapier die Stilllegung der ältesten und ineffizientesten Braunkohlekraftwerke sowie eine Drosselung der Stromproduktion der übrigen Anlagen.

Die Klimaziele und der Kohleausstieg sind auch ein zentrales Streitthema bei den Sondierungsgesprächen zwischen Union, FDP und Grünen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) rief Merkel auf, vor den Delegierten in Bonn die Abschaltung der 20 klimaschädlichsten Kohlemeiler in Deutschland anzukündigen. Dieses "Signal" sei notwendig für einen Erfolg der nächsten UN-Klimakonferenz 2018 in Kattowitz, erklärte BUND-Chef Hubert Weiger.

Quelle: n-tv.de

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