Politik

Zu viele ohne Abschluss: Deutschland verfehlt Bildungsziele

Bis Ende dieses Jahres sollte die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss halbiert werden. So das selbstgesteckte Ziel der Bundesregierung. Daraus wird einer aktuellen Studie zufolge nichts.

5,7 Prozent der Jugendlichen verlassen die Schule ohne Abschluss. Viele machen danach auch keine Ausbildung.
5,7 Prozent der Jugendlichen verlassen die Schule ohne Abschluss. Viele machen danach auch keine Ausbildung.(Foto: dpa)

Deutschland wird in diesem Jahr einen wesentlichen Teil seiner Bildungsziele verfehlen. Dies geht aus einer Untersuchung des Essener Bildungsforschers Klaus Klemm für den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) hervor, über die die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Demnach haben es Bund und Länder nicht geschafft, die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss und die der jungen Menschen ohne Berufsausbildung - so wie beim Dresdner Bildungsgipfel im Jahr 2008 geplant - bis 2015 zu verringern. Der DGB und führende Länder-Politiker fordern deshalb eine neue Bildungsstrategie.

2013 verließen der neuen Studie zufolge 5,7 Prozent der Jugendlichen allgemeinbildende Schulen ohne irgendeinen Abschluss. Das Ziel, die Quote von acht auf vier Prozent zu verringern, sei damit "bisher deutlich verfehlt", stellt Klemm fest. Es sei kaum zu erwarten, dass diese Marke noch in diesem Jahr erreicht werde. Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten hatten vor gut sechs Jahren vereinbart, die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss bis 2015 zu halbieren.

Weiter hoch ist auch die Zahl der jungen Erwachsenen ohne Ausbildung: 2013 hatten 1,4 Millionen im Alter von 20 bis 29 Jahren weder eine abgeschlossene Berufsausbildung noch waren sie dabei, eine solche zu erwerben. Das entspricht einem Anteil von 13,8 Prozent in dieser Altersgruppe. Das Ziel des Bildungsgipfels, den Wert von 17 auf 8,5 Prozent zu verringern, sei damit "bis 2015 völlig ausgeschlossen", heißt es in der Untersuchung.

Fortschritte verzeichnet die Studie hingegen bei der Weiterbildung: Bis 2015 sollte sich jeder Zweite zwischen 19 und 64 weitergebildet haben. 2012 lag die Quote bereits bei 49 Prozent. Das Erreichen des 50-Prozent-Ziels in diesem Jahr sei daher wahrscheinlich, stellt Klemm fest. Er sieht aber eine "soziale Schieflage": Gerade Arbeitslose, gering Qualifizierte, Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung und aus Zuwandererfamilien nähmen deutlich seltener an Weiterbildung teil. Sie "bleiben somit abgehängt", schreibt der Bildungsforscher.

"Kooperationsverbot ist anachronistisch"

Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende, fordert deshalb "einen neuen Bildungsgipfel noch in diesem Jahr. Bund, Länder und Kommunen müssen zusammen mit den Sozialpartnern eine neue gemeinsame Bildungsstrategie vereinbaren". Das Bildungssystem produziere "zu viele Bildungsverlierer. Diesen Menschen droht ein Leben in prekären Verhältnissen, die meisten von ihnen werden kaum ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen können", sagte sie der SZ.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) unterstützt die Forderung des DGB nach einem neuen Bildungsgipfel. "Es ist an der Zeit, über alle politischen Ebenen hinweg eine gemeinsame Strategie zu entwickeln", sagte er. Die erzielten Fortschritte "reichen bei Weitem nicht aus". Das Kooperationsverbot im Grundgesetz, das eine enge Zusammenarbeit von Bund und Ländern in der Bildung untersagt, sei "anachronistisch, es muss durch die Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen ersetzt werden".

Auch die saarländische Regierungschefin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) spricht sich für eine gemeinsame Bildungsstrategie bis zum Jahr 2020 aus. Die Zahl der Jugendlichen ohne Schulabschluss sei immer noch "zu hoch". Nach wie vor gebe es "zu viele junge Erwachsene ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Deshalb sollten wir uns mit dem bisher Erreichten nicht einfach zufriedengeben".

Quelle: n-tv.de

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