Politik
Nicht nur schlecht fürs Klima, auch noch sinnlos: Schornsteine eines Blockheizkraftwerkes am Flughafen Berlin Brandenburg.
Nicht nur schlecht fürs Klima, auch noch sinnlos: Schornsteine eines Blockheizkraftwerkes am Flughafen Berlin Brandenburg.(Foto: dpa)

CO2-Ausstoß nimmt zu: Deutschland wieder Klimakiller

Mehr als zwei Jahrzehnte lang durfte Deutschland sich international in der Gewissheit sonnen, immer geringere Kohlendioxid-Emissionen zu produzieren. Jetzt ist die Bundesrepublik zurück im Club der Klimakiller. Kein Wunder: Klimaschutz spielt hierzulande keine Rolle mehr.

Der Trend zum Rückgang der CO2-Emissionen in Deutschland ist endgültig beendet: Der Ausstoß von Kohlendioxid steige zum zweiten Mal in Folge, sagte der Chef der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen, Hans-Joachim Ziesing, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Nach 1990 hatte Deutschland über zwei Jahrzehnte stets weniger Treibhausgase in die Atmosphäre abgegeben und sich dafür international als Vorreiter feiern lassen. "Nach ersten überschlägigen Schätzungen dürften sich die energiebedingten CO2-Emissionen in Deutschland um etwa 20 Millionen Tonnen oder um reichlich 2 Prozent erhöhen", sagte Ziesing. Schon im vergangenen Jahr war der CO2-Ausstoß gestiegen. Umweltminister Peter Altmaier (CDU) hatte damals betont, es solle sich nur um einen einmaligen Ausreißer handeln.

Vor einem Jahr ließ sich der Anstieg der CO2-Emissionen noch durch den kalten Winter erklären. Auch dieses Jahr habe die Kälte erneut für höhere Emissionen gesorgt, da mehr Gas verheizt worden sei, sagte Ziesing. Allerdings seien auch die Emissionen durch Kohle und Mineralöl gestiegen. Der niedrige Strompreis an der Börse und der Preisverfall im europäischen Emissionshandel hatten zuletzt bewirkt, dass zahlreiche alte Kohle-Kraftwerke eingesetzt wurden. Diese können besonders billig Strom produzieren, haben aber gleichzeitig hohe Emissionen.

Merkel denkt an Kosten, nicht ans Klima

In Polen, das seine Energie zu rund 90 Prozent aus der Verbrennung von Stein- und Braunkohle gewinnt, beginnt an diesem Montag die UN-Klimakonferenz, auf der die Staaten über ein neues weltweit verbindliches Klimaschutz-Abkommen beraten. Allerdings ist damit zu rechnen, dass diese Konferenz wie ihre Vorgänger keinen Durchbruch bringen wird. Weltweit hat der CO2-Ausstoß seit 1990 um 48 Prozent zugenommen, von 22 Milliarden Tonnen Kohlendioxid bis 32,5 Milliarden Tonnen.

Wissenschaftler rechnen seit Jahren vor, dass der Ausstoß von CO2 sehr bald sinken muss, wenn das politisch festgelegte Zwei-Grad-Ziel eine realistische Option bleiben soll. Allerdings spielt der Klimawandel selbst in der Heimat der "Energiewende" keine Rolle mehr: In ihrem wöchentlichen Videoblog sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel, eines "der ersten großen Projekte der neuen Bundesregierung" werde eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes sein.

Obwohl am Montag in der polnischen Hauptstadt Warschau die Klimakonferenz beginnt, ist in diesem Videoblog vom Klimawandel keine Rede. "Wir müssen vor allen Dingen die Kostenexplosion, muss man schon sagen, bei den Umlagen für die erneuerbare Energie dämpfen", betonte die einstige "Klimakanzlerin" lediglich.

In ihren Koalitionsverhandlungen wollen Union und SPD beschließen, am deutschen Ziel von 40 Prozent weniger Treibhausgasen bis 2020 im Vergleich zu 1990 festzuhalten, für die Europäische Union will Schwarz-Gelb bis 2030 eine Minderung um 40 Prozent fordern. Bislang wurden ambitioniertere Klimaziele auf europäischer Ebene stets blockiert - bei den CO2-Grenzwerten für Autos bis vor kurzem auch von der schwarz-gelben Bundesregierung.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen