Politik

Das Dosenpfand kommtDie Dosen verschwinden

18.12.2002, 07:20 Uhr

Paradox nach Monaten politischen Streits: Nach dem Start des Dosenpfands werden Verbraucher bei vielen Händlern keine Dosen und Einweg-Flaschen mehr kaufen können.

Nach dem Start des Dosenpfands in zwei Wochen werden Verbraucher bei vielen Händlern keine Dosen und Einweg-Flaschen mehr kaufen können.

In einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa vom Dienstag kündigten mehrere Handelsketten an, Einweg aus den Regalen zu nehmen oder bis zum Start der Pfandpflicht am 1. Januar ein funktionierendes Dosenpfand-System zu haben. Andere Unternehmen hatten noch nicht entschieden, wie sie mit den Pfandregeln umgehen werden. Bislang ist noch ungeklärt, wann es ein bundesweites Pfandsystem geben wird.

Aldi Nord will nach dem Jahreswechsel zunächst überhaupt keine pfandpflichtigen Dosen mehr verkaufen, Plastikflaschen sollen künftig zurückgenommen werden. Aldi Süd wollte sich dazu Dienstag nicht äußern. Karstadt, Tengelmann und Kaiser's planen ein Rücknahmesystem für Dosen und Einwegflaschen.

Der Konsum Dresden, mit 1000 Beschäftigten und 44 Filialen einer der größten Einzelhandel-Genossenschaften, nimmt zum 2. Januar sämtliche pfandpflichtigen Dosen und Einweg-Flaschen aus dem Sortiment. Auch die Bremke-Gruppe mit 100 Famila-, Combi- und Friz-Filialen setzt komplett auf Mehrweg.

Deutschlands führende Warenhauskette Karstadt will beim Pfand zunächst eine Übergangslösung mit einer manuellen Rücknahme umsetzen. „Wir werden in den Lebensmittelabteilungen Pfand auf Einwegverpackungen erheben und nehmen natürlich die bei uns gekauften Flaschen und Dosen zurück“, sagte ein Sprecher. Bei der Rückgabe müssten die Kunden allerdings den Kaufbon mitbringen.

Plus arbeitet nach eigenen Angaben an einer individuellen Lösung, wollte aber noch keine Einzelheiten preisgeben. Auch Edeka und Spar machten noch keine konkreten Äußerungen. Eine Spar-Sprecherin sagte, es sei noch nicht entschieden, wie das Unternehmen nach dem 1. Januar verfahren werde. An eine Auslistung von Produkten sei bislang jedoch nicht gedacht.

Auch der größte deutsche Handelskonzern METRO gab noch keine Details zur Umsetzung des Dosenpfand bekannt. Zu dem Düsseldorfer Konzern gehören die Lebensmittelhändler real und extra. Aber auch die Metro-Großhandelsmärkte und die Warenhaustochter Kaufhof führen Lebensmittel und Getränke im Sortiment.

Die Rewe-Handelsgruppe, neben Edeka größter Lebensmittelhändler Deutschlands, machte ebenfalls noch keine Angaben zur Umsetzung des Zwangspfandes. Zu Rewe gehören unter anderem die Ketten miniMal, HL, toom, Otto Mess, Stüssgen und der Discounter Penny.

Die Pfandpflicht betrifft zunächst Bier, Mineralwasser und kohlensäurehaltige Getränke wie Limonade oder Cola. Für Dosen und Einweg-Flaschen wird ein Pfand von 25 Cent fällig, bei mehr als 1,5 Liter Inhalt sind es 50 Cent.

Entscheidung über Pfand weiter offen

Das Bundesverfassungsgericht wird möglicherweise nicht mehr in diesem Jahr über den Eilantrag gegen die geplante Einführung des Dosenpfands entscheiden. Es sei noch nicht klar, ob der zuständige Erste Senat vor dem Jahr 2003 über den Antrag befinden werde, sagte Gerichtssprecherin Gudrun Schraft-Huber am Dienstag in Karlsruhe. Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) warb derweil erneut für das neue Dosenpfand.