Politik
Trump und Gingrich bei einem Treffen in New York.
Trump und Gingrich bei einem Treffen in New York.(Foto: AP)
Dienstag, 06. Dezember 2011

Trump moderiert Kandidaten-Debatte: "Die Irren übernehmen die Anstalt"

von Sebastian Schöbel

Milliardär, Selbstdarsteller, Königsmacher: In einer eigenen TV-Debatte will Donald Trump die republikanischen Präsidentschaftskandidaten auf die Probe stellen. Dem Gewinner winkt Trumps Unterstützung. Falls Trump nicht doch noch selbst antritt. Das republikanische Establishment rauft sich die Haare.

"Natürlich will ich seine Unterstützung", flötet Newt Gingrich in die Mikrofone. Der Mann, den der aktuelle Spitzenreiter der republikanischen Präsidentschaftskandidaten so heftig umschwärmt, steht direkt daneben und formt die Lippen zum trotzigen Schmollmund. "Im Moment habe ich mich noch nicht entschieden", bellt Immobilien-Tycoon Donald Trump den Reportern entgegen, die sich in der Lobby seines New Yorker "Trump Towers" versammelt haben. Doch seine bissige Mimik ist nur Show. Trump ist sichtlich zufrieden, denn mal wieder steht er im Mittelpunkt des Interesses.

Am 27. Dezember wird Trump seine eigene TV-Debatte mit den republikanischen Kandidaten führen. Veranstalter ist die konservative Internetseite "Newsmax", gesendet wird auf dem Sender "Ion Television", der rund 99 Millionen Haushalte erreicht. Es wird der krönende Abschluss von Trumps eigener, sehr öffentlicher Suche nach einem Gegner für Amtsinhaber Barack Obama sein.

Das letzte Wort vor Iowa

Ort und Termin der Trump-Show sind mit Bedacht gewählt: Des Moines, Hauptstadt des Bundesstaates Iowa, genau eine Woche bevor dort der Startschuss für die republikanischen Vorwahlen fällt. Damit hat ausgerechnet Trump das (fast) letzte Wort in einem politischen Schaukampf, der die republikanische Partei zu zerreißen droht.

"Die Irren haben die Anstalt übernommen."
"Die Irren haben die Anstalt übernommen."(Foto: REUTERS)

"Was zum Teufel machen republikanische Kandidaten in einer Debatte, die ein Typ ausrichtet, der sagt, er tritt vielleicht selbst als unabhängiger Kandidat an", schimpfte Karl Rove, George W. Bushs politischer Ziehvater, in der "New York Times". Erst vor wenigen Tagen hatte Trump wieder einmal mit einem späten Eintritt ins Rennen kokettiert. "Wenn nicht der richtige Kandidat gefunden wird, könnte ich selbst antreten", sagte der dem TV-Sender CBS. Der frühere Bush-Sprecher Ari Fleischer schlug in die gleiche Kerbe und nannte Trumps Debatte "eine Einladung zum Zirkus". Der konservative Politstratege Mark McKinnon bezeichnete die Debatte gar als Zeichen dafür dass "die Irren die Kontrolle über die Anstalt übernommen haben".

Trump hält Hof und fast jeder kommt

Dabei ist schon überraschend, dass die Meinung vom berühmtesten CEO der USA überhaupt etwas zählt in diesem Wahlkampf. Trump spielt seit Jahren mit dem Gedanken, in die Politik einzusteigen, doch mehr als Ankündigungen kamen dabei nie heraus. Den aktuellen Wahlkampf begleitet Trump vor allem mit zotigen Kommentaren: So wärmte er unter anderem die Theorie auf, nach der Barack Obama gar kein gebürtiger US-Amerikaner sei, weil er seine Geburtsurkunde nie vorgezeigt hätte. Selbst eingefleischte Obama-Hasser seufzten laut auf und der Präsident war sich nicht zu schade, Trump deswegen beim alljährlichen Galadinner des Pressekorps im Weißen Haus ordentlich zu veräppeln.

Doch Trump hat sich mit deftigem Populismus im Gespräch gehalten, setzt in den Medien eigene Akzente. Den Boden dafür hat die republikanische Partei freilich selbst gelegt: Mit der Tea Party und dem Aufstieg Sarah Palin verharrt die "Grand Old Party" in einer Art ideologischen Starre. Auch das aggressive politische Klima, nicht zuletzt geschaffen durch die Blockadehaltung der Republikaner im Kongress, lässt wenig Platz für moderate Wortführer.

Seit Wochen zitiert Trump nun die republikanischen Kandidaten zu sich, hält geheime Unterredungen mit ihnen hinter verschlossenen Türen, die dann doch jedes Mal ausführliche Berichterstattung erhalten. Fast alle waren sie schon da: Newt Gingrich ebenso wie Mitt Romney, Rick Perry und Michele Bachmann. Auch der spektakulär gescheiterte Herman Cain saß schon bei Trump im Büro, worauf dieser die öffentlich gemachten Sexskandale Cains als "hässliche Hexenjagd" bezeichnete.

Huntsman und Paul sagen ab

Zwei Kandidaten fehlen bisher auf Trumps Besucherliste: Jon Huntsman, der Mormone und Ex-Gouverneur von Utah, und Ron Paul, der ewige Revolutionär vom libertären Rand. Sein Urteil über die beiden hat Trump aber ohnehin bereits gefällt: "Witzkandidaten" seien sie für ihn. Umso krachender kamen nun die Absagen von Huntsman und Paul für Trumps Spektakel.

Für Ron Pauls Kampagne ist die Debatte "unter der Würde des Präsidentenamtes", schon weil Trumps bloße Anwesenheit eine "Ablenkung von den wichtigen Themen des Landes" wäre. Das Huntsman-Lager amüsierte sich eher hämisch über Trumps Offerte und schickte seinen Kandidaten sogar zu Fox News, um das zu unterstreichen. "Ich werde weder seinen Ring küssen, noch irgend einen andern Teil seiner Anatomie”, so Huntsman.

Ob Mitt Romney kommen wird steht bisher noch nicht fest. Eine Absage kann er sich inzwischen aber kaum noch erlauben: Seine Umfragewerte sehen mit jeder neuen Woche schlechter aus. In Iowa liegt er inzwischen abgeschlagen auf Platz zwei, auch in South Carolina ist Gingrich vorn, und in New Hampshire schmilzt Romneys Führung langsam dahin.

Quelle: n-tv.de

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