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Länder, die besonders dunkelrot eingefärbt sind, erklärt Transparency International für hochkorrupt.
Länder, die besonders dunkelrot eingefärbt sind, erklärt Transparency International für hochkorrupt.

Griechenland Hort der Korruption: Die Liste der Bestechlichkeit

Einmal im Jahr veröffentlicht Transparency International den "Korruptionswahrnehmungsindex". Europa schneidet dabei insgesamt überdurchschnittlich gut ab. Das krisengebeutelte Griechenland allerdings steht auf einer Stufe mit Staaten wie Kolumbien und Dschibuti. Und die anderen Länder? n-tv.de zeigt die Liste.

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Der frühere griechische Verteidigungsminister Akis Tsochatzopoulos sitzt seit Monaten im Gefängnis von Korydallos. Die Justiz wirft ihm Geldwäsche, Bestechlichkeit und die Bildung einer kriminellen Organisation vor. Eines seiner aufsehenerregendsten Vergehen: Im Jahr 2000 zeichnete er als Minister für einen Kaufvertrag zwischen der ehemaligen MAN-Tochter Ferrostaal und dem Griechischen Staat über vier deutsche U-Boote des Typs 214 im Wert von 2,85 Milliarden Euro verantwortlich. Er soll für seine Unterschrift Schmiergelder in zweistelliger Millionenhöhe erhalten haben.

Tsochatzopoulos ist der Inbegriff für Korruption unter Amtsträgern. In Griechenland ist er keine Ausnahme. Das wissen nicht nur die griechischen Bürger, die seit dem Fall Tsochatzopoulos Hunderte von Anzeigen bei der Behörde gegen Wirtschaftskriminialität (SDOE) gestellt haben, weil sie sich darüber wunderten, wie sich ihr Bürgermeister seine gigantische Villa leisten kann oder ihr Abgeordneter sein gewaltiges Auto. Laut dem Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International grassiert die Korruption bei Behörden und Amtsträgern in Griechenland dieser Tage geradezu.

Der Inbegriff griechischer Korruption: der frühere griechische Verteidigungsminister Tsochatzopoulos (r.) - hier mit seinem damaligen deutschen Amtskollegen Volker Rühe.
Der Inbegriff griechischer Korruption: der frühere griechische Verteidigungsminister Tsochatzopoulos (r.) - hier mit seinem damaligen deutschen Amtskollegen Volker Rühe.

Der Index gründet sich auf Studien und Einschätzungen renommierter unabhängiger Institute wie der Weltbank und dem Weltwirtschaftsforum und gilt als verlässliches Maß für die Bestechlichkeit der öffentlichen Verwaltungen in einem Land. Auf der Skala von 0 (hoch korrupt) bis 100 (sehr sauber) kommt Griechenland nur auf 32 Punkte. Damit ist es gleichauf mit Ländern wie Kolumbien oder Dschibuti.

Dänemark, Finnland und Neuseeland gelten als sauber

Doch wer glaubt, dass Griechenland eine besondere Ausnahme ist oder gar das Ende der Fahnenstange, irrt. Afghanistan, Nordkorea und Somalia bilden mit je acht Punkten den Sockel des Index. Laut Transparency International schaffen es zwei Drittel der 176 untersuchten Staaten nicht über die 50-Punkte-Marke. Griechenland landet mit Rang 94 so lediglich im unteren Mittelfeld.  Was allerdings nicht als zufriedenstellendes Ergebnis zu werten ist.

Der Index im Überblick - zum Vergrößern klicken.
Der Index im Überblick - zum Vergrößern klicken.

Insgesamt gebe es ein ernsthaftes Problem mit Korruption, sagte Transparency-Geschäftsführerin Huguette Labelle in einer Videobotschaft. "Die Regierungen müssen Anti-Korruptions-Maßnahmen bei allen staatlichen Entscheidungsprozessen einbeziehen", forderte sie. Besonders wichtig seien bessere Regeln für Lobby-Arbeit und Parteienfinanzierung sowie die Offenlegung staatlicher Ausgaben und Auftragsvergaben.

Während Griechenland im internationalen Vergleich kaum auffällt, stellt es in Europa allerdings sehr wohl einen Sonderfall dar. Kein anderes Land des Kontinents schneidet derart schlecht ab. Nur Italien bewegt sich auf ähnlichem Niveau und kommt auf 42 Punkte (Rang 72). Andere Krisenstaaten überwinden dagegen deutlich die 60-Punkte-Hürde. Deutschland landet mit 79 Punkten vor den USA und Frankreich auf Platz 13.

Europa stellt überdies zwei von drei Spitzenreitern. Dänemark und Finnland gelten mit jeweils 90 Punkten genauso wie Neuseeland als sauber.

Obwohl die EU und weitere westeuropäische Staaten insgesamt überdurchschnittlich abschneiden, 77 Prozent von ihnen liegen über der 50-Punkte-Marke, warnt Transparency International. Die Nichtregierungsorganisation weist ausdrücklich darauf hin, dass die Korruption in Behörden und unter Amtsträgern ein nicht zu vernachlässigender Faktor in der Euro- und Finanzkrise ist. Das miserable Abschneiden Griechenlands wirkt da, wie wohl auch der Fall Tsochatzopoulos, wie ein handfester Beleg.

Quelle: n-tv.de

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