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Die Separatisten - die auch über schwere Waffen verfügen - leisten in Donezk weiterhin Widerstand.
Die Separatisten - die auch über schwere Waffen verfügen - leisten in Donezk weiterhin Widerstand.(Foto: AP)

Stadt ist eingekesselt: Donezk steht kurz vor der Einnahme

Die ukrainische Armee vermeldet Erfolge im Kampf gegen die Separatisten. Es gebe beträchtliche Geländegewinne, heißt es. Durch Artilleriebeschuss wird in Donezk ein Hochsicherheitsgefängnis beschädigt - mehrere Insassen fliehen.

Die ukrainische Armee steht nach eigenen Angaben kurz vor der Einnahme der Rebellenhochburg Donezk im Osten des Landes. Die Truppen hätten beträchtlich an Boden gewonnen und einen Keil zwischen die separatistischen Kämpfer getrieben, sagte Militärsprecher Andrii Lysenko in Kiew.

Ein ukrainischer Scharfschütze.
Ein ukrainischer Scharfschütze.(Foto: dpa)

Die Regierungstruppen hätten nun Donezk von der anderen Rebellenhochburg Lugansk an der Grenze zu Russland abgeschnitten. "Die Truppen des Anti-Terror-Einsatzes bereiten sich auf den letzten Schritt zur Befreiung von Donezk vor", sagte Lysenko. "Unsere Soldaten haben Donezk komplett von Lugansk abgeriegelt", sagte er. "Wir arbeiten daran, beide Städte zu befreien, aber es ist besser, zuerst Donezk zu befreien - es ist wichtiger."

Regierungseinheiten beschossen zudem Stellungen der Separatisten in Donezk mit schwerer Artillerie. Nach heftigem Granateneinschlag seien Krankenwagen und Löschfahrzeuge zu den betroffenen Vierteln gerast, teilte die Verwaltung der Großstadt mit. Über einigen Stadtteilen stehe dichter Rauch. Laut Augenzeugen fuhren Panzer der Separatisten durch die Stadt.

Durch den Beschuss wurde laut Stadtverwaltung auch ein Hochsicherheitsgefängnis beschädigt. Ein Insasse sei getötet und drei weitere verletzt worden. Daraufhin sei es zu einer Meuterei in der Haftanstalt gekommen. Mehr als 100 Straftätern gelang nach Angaben der Behörden die Flucht. Etwa 30 von ihnen seien wenig später zurückgekehrt, sagte ein Sprecher der Strafvollzugsbehörde. Ein Häftling kam bei dem Angriff ums Leben, 18 Menschen wurden verletzt.

Moskau klagt über Grenzbeschuss

Russland warf der Ukraine erneut den Beschuss seines Grenzgebiets vor. In der Region Rostow seien mehrere Granaten eingeschlagen, teilte der für den Grenzschutz zuständige Inlandsgeheimdienst FSB mit. Die Munition sei nur 300 Meter von einem Wohnhaus entfernt detoniert. Russland hatte in den vergangenen Wochen wiederholt Beschuss von ukrainischer Seite beklagt. Dabei starb mindestens ein Zivilist, mehrere Häuser wurden beschädigt.

Die Regierung in Kiew hatte am Sonntag eine Feuerpause im Kampf gegen die prorussischen Separatisten abgelehnt. Dazu müssten die Rebellen zuerst die Waffen niederlegen, sagte ein Armeesprecher. Die Separatisten hatten sich zu einer Waffenruhe bereiterklärt, um der Bevölkerung in den belagerten Städten Donezk und Lugansk zu helfen. Sie relativierten dieses Angebot später jedoch.

Die Separatisten kämpfen seit Monaten für eine Abspaltung der Industrieregion von der Ukraine. Bei den Gefechten mit den Regierungstruppen sind sie in die Städte Donezk und Lugansk zurückgedrängt worden.

Verhandlungen über Hilfslieferungen

Am Absturzort des malaysischen Flugzeugs MH17 teilten die militanten Gruppen mit, alle Leichen und privaten Gegenstände der 298 Opfer geborgen zu haben. "Wir haben die letzten Überreste unter Wrackteilen entdeckt und der ukrainischen Seite übergeben", sagte Separatistenführer Andrej Purgin. Seine Leute hätten das Trümmerfeld bei Grabowo komplett abgesucht.

Von internationalen Experten gab es zunächst keine Bestätigung. Die Helfer hatten das Gebiet nach dem mutmaßlichen Abschuss der Boeing am 17. Juli abgesucht, mussten den Absturzort aber zuletzt wegen zunehmender Gefechte verlassen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sprach angesichts rasant steigender Opferzahlen und einer zerstörten Infrastruktur von einer schwierigen humanitären Lage in Donezk und Lugansk. Falls allerdings Russland wie beabsichtigt Hilfsgüter in das Konfliktgebiet schicken wolle, dürfe dies nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Ukraine geschehen, betonte er.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte, Moskau spreche mit der Ukraine und dem Internationalen Roten Kreuz über Lieferungen etwa von Medikamenten in das krisengeschüttelte Nachbarland. Die Führung in Kiew und der Westen verdächtigen Moskau, unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe Soldaten zur Unterstützung der Aufständischen entsenden zu wollen.

Quelle: n-tv.de

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