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(Foto: picture alliance / dpa)

"Das macht zehn pro Einwohner": Dorf soll 1000 Flüchtlinge aufnehmen

Das niedersächsische Innenministerium will noch im Oktober 1000 Flüchtlinge in dem kleinen 100-Einwohner-Dorf Sumte unterbringen. Vor Ort ist man unsicher, wie das gelingen soll.

Ein halbes Dutzend Straßen, ein paar Häuser und etwa 100 Einwohner: Sumte ist ein beschauliches Dorf in der niedersächsischen Elbtalaue, eine Autostunde östlich von Lüneburg. Dass man hier mal republikweit Aufmerksamkeit erfährt, ist eher selten. Doch das ändert sich in diesen Tagen plötzlich.

Noch im Oktober sollen in dem Dorf bis zu 1000 Flüchtlinge in einer seit Jahren leerstehenden Anlage mit Bürohäuschen unterbracht werden - und damit mehr als in irgendeiner anderen Unterkunft im Landkreis Lüneburg. "Dem Land Niedersachsen ist bewusst, dass eine Unterbringung von so vielen Menschen in einer relativ kleinen Gemeinde natürlich auch zu einer Belastung für die Region und ihre Bewohner werden könnte", sagte Ministeriumssprecherin Nadine Bunzler.

In Sumte sieht man die Entscheidung kritisch. "Die Nachricht war erst einmal kaum glaubhaft. 1.000 Flüchtlinge, das macht zehn pro Einwohner - die Stimmung im Ort ist nicht so positiv. Wir wissen nicht, was auf uns zukommt", sagte Bürgermeister Christian Fabel dem "NRD".

Grit Richter, Bürgermeisterin der zuständigen Gemeinde Amt Neuhaus, ist der Meinung, dass die Einrichtung zu groß ist für die Region und etwa die Abwasserleitungen nicht ausreichten. Wenn plötzlich so viele Menschen dort wohnen, waschen und kochen, könne es zu Schwierigkeiten kommen. Skeptisch ist Richter auch aus anderen Gründen. In Sumte gibt es weder einen Supermarkt noch eine ständig besetzte Polizeistation. "Wir brauchen aber Polizeipräsenz. Und es muss sichergestellt werden, dass das Leben in Amt Neuhaus nicht zusammenbricht", fordert sie.

Beim niedersächsischen Innenministerium hat man Verständnis für die Befürchtungen. "Es wird sehr, sehr erklärungsbedürftig sein", räumt auch Alexander Götz vom niedersächsischen Innenministerium ein. "Für die Menschen vor Ort wird es eine besondere Herausforderung, eine Belastung, da darf man gar nicht drum herumreden." Die Unterkunft in Sumte sei als Notunterkunft ausgelegt und nur auf befristete Zeit. Am Dienstag lädt das niedersächsische Innenministerium zu einer Informationsveranstaltung in der Gemeinde ein.

Quelle: n-tv.de

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