Politik
Absturz in dicht besiedeltem Gelände: Die zweistrahlige Maschine zerschellte in einem Hinterhof.
Absturz in dicht besiedeltem Gelände: Die zweistrahlige Maschine zerschellte in einem Hinterhof.(Foto: dpa)

Rousseff-Rivale stirbt bei Absturz: Eduardo Campos ist tot

Ein tragisches Unglück überschattet den Präsidentschaftswahlkampf in Brasilien: Wenige Wochen vor dem Wahltermin stirbt einer der Herausforderer von Amtsinhaberin Dilma Rousseff in den Trümmern eines Privatjets.

Präsidentschaftskandidat stirbt bei Flugzeugabsturz: PSB-Favorit Eduardo Campos, hier bei einer Pressekonferenz Anfang August in Brasilia.
Präsidentschaftskandidat stirbt bei Flugzeugabsturz: PSB-Favorit Eduardo Campos, hier bei einer Pressekonferenz Anfang August in Brasilia.(Foto: dpa)

Ein Flugzeugunglück in Brasilien fordert ein prominentes Opfer: Einer der wichtigsten Hoffnungsträger der Opposition hat den Absturz eines Privatflugzeugs nicht überlebt. Eduardo Campos, Präsidentschaftskandidat der Sozialistischen Partei (PSB), sei bei dem Unglück ums Leben gekommen, wie Parteichef Carlos Siqueira dem brasilianischen TV-Sender "Globo" bestätigte.

Bei dem Absturz starben neben dem landesweit bekannten Politiker sechs weitere Menschen. Dabei handelt es sich nach Behördenangaben um die beiden Piloten, zwei Berater des Politikers, einen Fotografen und einen Kameramann. Präsidentin Dilma Rousseff sagte alle Wahlkampftermine ab und wollte sich noch im Laufe des Tages zu dem Unglück äußern. Vize-Präsident Michel Temer zeigte sich geschockt und sprach von einer Tragödie.

Der 49-Jährige Campos galt als aussichtsreicher Kandidat. Beobachtern zufolge standen seine Chancen gut, die Amtsinhaberin Rousseff bei den Anfang Oktober angesetzten Wahlen abzulösen. Im Team mit der früheren Umweltministerin Marina Silva wollte Campos am 5. Oktober die amtierende Präsidentin herausfordern. Dem Kabinett von Rousseffs Vorgänger Luiz Inácio Lula da Silva gehörte er als Wissenschafts- und Technologieminister an. Früher war er Gouverneur des Bundesstaat Pernambuco.

"Wir sind alle geschockt"

Campos hielt sich am Mittwoch in Rio de Janeiro auf, weil er dem Sender Globo dort ein Interview gab. Anschließend flog er lokalen Medienberichten zufolge zu Wahlkampfterminen vom innerstädtischen Flughafen Santos Dumont weiter in Richtung Guarujá in unmittelbarer Nähe der Küstenstadt Santos. In Santos stürzte das Kleinflugzeug gegen 10.00 Uhr (Ortszeit) in eine Häusersiedlung. Zum Zeitpunkt des Absturzes herrschten schlechte Wetterbedingungen.

"Wir sind alle geschockt", hieß es in einer ersten Mitteilung der politischen Organisation von Marina Silva, die sich auf den Weg nach Santos machen wollte. In letzten Umfragen vom Juli hatten acht Prozent der Befragten angegeben, dass sie bei der Präsidentschaftswahl für Campos stimmen wollten. Auf Rousseff entfielen 38 Prozent der Stimmen und auf den dritten prominenten Kandidaten, Aécio Neves, 22 Prozent.

Riesiges Land: Im Flächenstaat Brasilien findet der Wahlkampf auch im Flugzeug statt.
Riesiges Land: Im Flächenstaat Brasilien findet der Wahlkampf auch im Flugzeug statt.
Kursreaktionen an der Börse

Sein tragischer Tod dürfte den laufenden Wahlkampf tief erschüttern. Welche politische Bedeutung Wirtschaft und Öffentlichkeit dem Unglück beimessen, zeigte sich unter anderem in den Reaktionen an der Börse: Unmittelbar nach Bekanntgabe des tödlichen Flugzeugabsturzes brachen die Kurse am brasilianischen Aktienmarkt deutlich ein.

Der Leitindex an der Börse in Sao Paulo sackte um bis zu 2,1 Prozent ab. Die Aktien der Ölfirma Petrobras, an der der Staat noch einen hohen Anteil hält, verloren bis zu 5,7 Prozent. Viele Anleger sehen die Politik der amtierenden Präsidentin Dilma Rousseff skeptisch.

Ersten Berichten zufolge soll sich Campos an Bord eines Privatjets vom Typ Cessna 560X (auch bekannt als Citation V) befunden haben, das aus noch ungeklärter Ursache im Stadtgebiet des Küstenorts Santos, rund 60 Kilometer südlich São Paulos, abstürzte. Die zweistrahligen Maschinen der Baureihe Cessna Citation sind weit verbreitet und gelten als sehr zuverlässig.

Im Rumpf finden bis zu 8 Passagiere Platz. Die Besatzung der oft als Privat- oder Businessflieger eingesetzten Jets besteht in der Regel aus zwei Piloten. Erste Bilder vom Unglücksort deuten auf Probleme im Landeanflug hin. Die Maschine ging über dicht besiedeltem Gebiet nieder und zerschellte offenbar in einem Hinterhof. Am Absturzort brach Feuer aus. Die umliegenden Dächer weisen Beschädigungen durch eine Druckwelle auf. Womöglich ist die Maschine beim Aufprall explodiert.

Wirtschaftsmacht auf der Südhalbkugel

Noch ist nicht abzusehen, inwieweit das Flugzeugunglück den Präsidentschaftswahlkampf beeinflussen wird. Brasilien - die mit Abstand stärkste Volkswirtschaft Südamerikas - ist eine präsidiale Bundesrepublik. Der Staatsaufbau setzt sich ähnlich wie Deutschland aus den föderalen Elementen Bund, Bundesstaaten und Kommunen zusammen. Die gesetzgebende Gewalt im Bund wird vom Nationalkongress ausgeübt. Der Kongress besteht aus Abgeordnetenkammer und Senat. Die 513 Abgeordneten werden für 4 Jahre, die 81 Senatoren für 8 Jahre gewählt.

Das Amt des Präsidenten wird mit einer absoluten Mehrheit der Stimmen für die Dauer von vier Jahren besetzt. Der Präsident - oder die Präsidentin - werden direkt vom Volk gewählt. Er oder sie kann im Anschluss daran nur einmal wiedergewählt werden (oder erneut nach Unterbrechung). Im Unterschied zu Deutschland ist der Regierungschef zugleich auch Staatsoberhaupt. Derzeitige Amtsinhaberin ist Dilma Rousseff von der Arbeiterpartei (PT). Sie hat angekündigt, bei den anstehenden Wahlen erneut kandidieren zu wollen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen