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Das KZ Auschwitz-Birkenau war das größte deutsche Vernichtungslager.
Das KZ Auschwitz-Birkenau war das größte deutsche Vernichtungslager.(Foto: Killerkeks/Pixelio)
Montag, 06. Mai 2013

Beihilfe zum Mord in Auschwitz: Ehemaliger KZ-Aufseher festgenommen

Die Polizei in Baden-Württemberg hat einen ehemaligen Aufseher des Konzentrationslagers Auschwitz festgenommen. Wegen des dringenden Tatverdachts, die Morde in dem Vernichtungslager unterstützt zu haben, wurde der 93-Jährige in Untersuchungshaft genommen, teilte die Staatsanwaltschaft Stuttgart mit. Der Mann, der zuletzt in Aalen lebte, hatte demnach von Herbst 1941 an bis zur Auflösung des Lagers im Frühjahr 1945 in Auschwitz gearbeitet und dort neben anderen Aufgaben auch Aufseherdienste verrichtet.

Der Mann gehörte dem Totenkopf-Sturmbann an, der Wachmannschaft des Konzentrationslagers. Später arbeitete er für die dortige SS-Standortverwaltung als Koch für die SS-Truppe. Auf die Frage, ob er in Auschwitz gewesen sei, sagte er der "Welt am Sonntag": "Ja, als Koch, die ganze Zeit."

1982 war der Verdächtige nach Deutschland zurück gekehrt

In Ausschwitz soll der Verhaftete nicht nur als Koch gearbeitet haben.
In Ausschwitz soll der Verhaftete nicht nur als Koch gearbeitet haben.(Foto: dpa)

Der gebürtige Litauer wanderte 1956 in die USA aus, nach Chicago. Dort arbeitete er nach Medienberichten bei der Gitarrenfirma Harmony. Im Jahr 1982 wurde er ausgewiesen, weil er den USA seine SS-Vergangenheit verschwiegen hatte. Seit seiner Einreise nach Deutschland im Jahr 1983 wohnte er in Aalen im Ostalbkreis.

Der Mann soll nun wegen Beihilfe zum Mord angeklagt werden. "Wir werden versuchen konkret inhaltlich und zeitlich festzustellen, was er in Auschwitz gemacht hat", sagte die Sprecherin. Zwar gingen die Ermittler davon aus, dass der Verdächtige in seiner Funktion als Aufseher nicht selbst Menschen im Lager getötet habe, wohl aber "mit seinen Handlungen dort die Täter unterstützte", sagte die Sprecherin weiter. Eine entsprechende Anklageschrift werde derzeit vorbereitet. Ein Arzt habe den Mann trotz seines hohen Alters als haftfähig beurteilt.

Die Zentrale Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg hatte im vergangenen Jahr zwei wichtige Vorermittlungsverfahren abgeschlossen. Sie gab sie weiter an die zuständigen Staatsanwaltschaften nach Weiden in Nordbayern und nach Stuttgart. In beiden Fällen handelt es sich um frühere Aufseher im Konzentrationslager Auschwitz und den Vorwurf, Beihilfe zur Ermordung von mehreren Hunderttausend Menschen geleistet zu haben, überwiegend Juden.

Urteil im Fall Demjanjuk gab Anstoß zu neuen Ermittlungen

Seit dem spektakulären Prozess gegen den KZ-Aufseher John Demjanjuk wegen Beihilfe zum Mord in Tausenden von Fällen hat die NS-Stelle mehr Möglichkeiten, NS-Verbrecher vor Gericht zu bringen: Die Ermittlungsbehörden waren bis zu dem Richterspruch davon ausgegangen, dass bei NS-Delikten für eine Verurteilung eine Individualschuld nachgewiesen werden muss. Dies ist nun nicht mehr der Fall. Für das Landgericht München reichte eine Tätigkeit in einem Vernichtungslager aus, um Demjanjuk schuldig zu sprechen. Der Ukrainer wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Der Leiter der NS-Stelle, Kurt Schrimm, ging zuletzt davon aus, dass sich möglicherweise 50 mutmaßliche KZ-Aufseher aus den Vernichtungslagern Auschwitz und Auschwitz-Birkenau noch in diesem Jahr wegen Beihilfe zum Mord vor Gericht verantworten müssen.

Das Wiesenthal-Zentrum in Israel begrüßte die Verhaftung. Der Leiter der Einrichtung, Efraim Zuroff, sprach von einem positiven ersten Schritt. "Wir hoffen, dass es noch eine ganze Reihe erfolgreicher juristischer Schritte der deutschen Behörden gegen KZ-Personal und Mitglieder der Einsatzgruppen geben wird", sagte er. Nach Angaben des Wiesenthal-Zentrums stand der Mann auf der Liste der zehn meistgesuchten Nazi-Verbrecher auf Platz vier. Seit November 2012 hatte die Stuttgarter Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt.

Quelle: n-tv.de

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