Politik
Mit Ratschlägen an seine Nachfolger hielt Bush sich stets zurück. Hier 2013 bei einem Festakt im Weißen Haus.
Mit Ratschlägen an seine Nachfolger hielt Bush sich stets zurück. Hier 2013 bei einem Festakt im Weißen Haus.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 12. Juni 2014

George Bush senior wird 90: Ein Freund der Deutschen

Von Wolfram Neidhard

Außenpolitisch war George Bush sehr erfolgreich: Zusammen mit Kanzler Kohl setzte er sich für die Wiedervereinigung ein. Wiedergewählt wurde er nicht. Zum Verhängnis wurde ihm, dass die Wähler seine Lippen gelesen hatten.

Wichtige Männer werden gelegentlich auf Normalmaß zurechtgestutzt: Davon blieb auch George Herbert Walker Bush - immerhin der 41. Präsident der USA - nicht verschont. Als Sohn George W., Präsident Nummer 43, im Juli 2002 seine Eltern in deren Feriendomizil in Kennebunkport besuchte und dort die Beine auf den Tisch legte, verbat sich Mutter Barbara dies. "Um Himmels Willen, Barbara, er ist der Präsident der Vereinigten Staaten", soll Bush senior gesagt haben. "Das ist mir egal", gab die frühere First Lady zurück. "Ich will nicht seine Füße auf meinem Tisch haben." Die diplomatische Mission im eigenen Haus war gescheitert, zwei Präsidenten konnten sich gegen eine starke Frau nicht durchsetzen.

Barbara Bush sei ein Glücksfall für George, sagte Helmut Kohl.
Barbara Bush sei ein Glücksfall für George, sagte Helmut Kohl.(Foto: REUTERS)

Dabei ist der alte Bush im Gegensatz zu seinem Spross - einem ehemaligen Tunichtgut - der geborene Diplomat. Außenpolitik ist die Leidenschaft von Bush senior, der an diesem Donnerstag seinen 90. Geburtstag feiert. Und die Geschichte meinte es gut mit ihm. Bush hatte gerade seine neuen Diensträume im Weißen Haus bezogen, da brach der sowjetische Machtbereich wie ein Kartenhaus zusammen. Während Bushs Präsidentschaft verschwand die Sowjetunion von der Landkarte, Deutschland feierte seine Wiedervereinigung.

Bei alldem kamen Bush, der der Geldaristokratie Neuenglands entstammt, die ersten beruflichen Schritte aber in der Ölbranche im konservativen Texas machte, seine außenpolitischen Erfahrungen zugute. Er war unter den Präsidenten Richard Nixon und Gerald Ford US-Botschafter bei den Vereinten Nationen und Leiter des US-Verbindungsbüros in der Volksrepublik China. In den Jahren 1976 und 1977 war Bush Direktor des Geheimdienstes CIA.

Aber zum politischen Schwergewicht wurde Bush in den 1980er Jahren, als Vizepräsident unter Ronald Reagan. Im republikanischen Vorwahlkampf war Bush gegen den Kalifornier angetreten, unterlag ihm aber. Reagan - auf dem Gebiet der Außenpolitik als ehemaliger Schauspieler und kalifornischer Gouverneur eher unterbelichtet - bot Bush den Vizeposten an. Dieser schlug ein und arbeitete acht Jahre loyal mit dem großen Kommunikator zusammen. Für die USA war es außenpolitisch eine erfolgreiche Zeit.

Mit Bush gegen Thatcher und Mitterrand

Denn ausgerechnet die konservative Reagan-Administration vereinbarte mit der UdSSR weitreichende Abrüstungsschritte, nachdem die ökonomisch schwache kommunistische Weltmacht durch das Wettrüsten in den Ruin getrieben worden war. Bush hatte bereits vor Reagan direkten Kontakt mit dem neuen starken Mann im Kreml, Michail Gorbatschow: Im März 1985 reiste er zur Beerdigung von Gorbatschows Vorgänger Konstantin Tschernenko nach Moskau. Bei Gorbatschow handele es sich um einen sowjetischen Führer neuen Typs, kabelte Bush an Reagan. Er sollte Recht behalten.

Den Fall der Berliner Mauer und die Wiedervereinigung Deutschlands erlebte Reagan nicht als Präsident, er musste das Weiße Haus im Januar 1989 räumen. Bush war im November 1988 ein klarer Wahlsieg über seinen demokratischen Konkurrenten Michael Dukakis gelungen, nun führte er die Vereinigten Staaten.

Nach dem Mauerfall stellte Bush mit seiner Zustimmung für die Einheit Deutschland die Weichen. Die Hilfe des amerikanischen Präsidenten war wichtig, weil sich Großbritanniens Premierministerin Margaret Thatcher und Frankreichs Staatspräsident François Mitterrand höchst reserviert verhielten. Bush war es auch, der Bundeskanzler Helmut Kohl dabei unterstützte, Gorbatschow von der Wiedervereinigung zu überzeugen. Eine klare Bedingung gab es: Deutschland bleibt Mitglied der Nato. Kohl vergaß Bush diese Hilfe nie. Der US-Präsident sei ein wahrer Freund der Bundesrepublik, und die Deutschen verdankten ihm viel, äußerte der Pfälzer mehrmals.

Helmut Kohl, Michail Gorbatschow und George Bush am 8. November 1999 in Berlin.
Helmut Kohl, Michail Gorbatschow und George Bush am 8. November 1999 in Berlin.(Foto: REUTERS)

Gegenüber Moskau verkniff sich der amerikanische Konservative jegliches Triumphgeheul. Tatsache war jedoch, dass die USA die einzig verblieben Supermacht waren. Diplomatisch geschickt agierte Bush im Sommer und Herbst 1990 nach dem irakischen Einmarsch in Kuwait. Er setzte erneut auf die Diplomatie und schaffte die Bildung einer Koalition gegen Iraks Diktator Saddam Hussein. Es gab eine UN-Resolution, die UdSSR verwahrte sich einem Militärschlag gegen den Irak nicht. Mit Ägypten, Syrien und Saudi-Arabien gewann Bush auch arabische Staaten für die im Januar 1991 beginnende "Operation Wüstensturm".

"It's the economy, stupid!"

Obwohl für die alliierten Truppen der Weg nach Bagdad frei war, verzichtete Bush auf Saddam Husseins Sturz, wohl wissend, dass dieser das Land ins politische Chaos stürzen würde. Sein Sohn George W. Bush, der 2003 den Irak mit fadenscheinigen Begründungen ohne Zustimmung durch den UN-Sicherheitsrat angreifen ließ, beseitigte den Diktator zwar. Der Irak ist aber bis heute nicht zur Ruhe gekommen.

Nach dem erfolgreichen Irak-Feldzug verzeichnete Bush in den USA Zustimmungswerte von um die 90 Prozent. Dennoch war dem Republikaner nur eine vierjährige Amtszeit beschieden. "It's the economy, stupid!" Mit diesem Slogan gewann der Demokrat Bill Clinton 1992 die US-Präsidentschaftswahlen. Bush hatte ihm ordentlich zugearbeitet. Der außenpolitische Erfolgsmensch bekam nämlich die Wirtschaft nicht flott. Zudem wurde Bush ein gebrochenes Wahlversprechen zum Verhängnis: "Read my lips: no new taxes" (Lest es von meinen Lippen: keine neuen Steuern), sagte er während des Wahlkampfs 1988. Bush erhöhte nach dem Irak-Krieg dennoch die Steuern, die US-Bürger nahmen ihm das übel und wählten ihn ab.

Bush nahm die Niederlage sportlich und hielt sich mit klugen Ratschlägen an seine Nachfolger zurück. Auch während der Regierungszeit seines Sohnes blieb er bei dieser Linie. Dabei hätte dem Junior die politische Lebenserfahrung des Alten geholfen. Das Setzen auf Diplomatie durch den alten Bush hat auch mit dessen Biographie zu tun: Im Zweiten Weltkrieg entrann er als Kampfpilot dem Tod nur knapp und musste einmal sogar aus dem Meer gefischt werden. Bush junior war in den 1960er Jahren - während andere Amerikaner in Vietnam starben - an der "Heimatfront" eingesetzt.

So gehört es wohl zur Ironie der Geschichte, dass dem Jüngeren eine längere Amtszeit als Präsident beschieden war. Der Alte ist dennoch mit sich im Reinen. Allerdings klappt es mit dem Fallschirmspringen nicht mehr, denn die Gesundheit spielt nicht mehr mit. Der 90-Jährige sitzt seit geraumer Zeit im Rollstuhl. Und Barbara Bush, die Helmut Kohl als Glücksfall für seinen Freund ansieht, hält den Clan, aus dem Präsidenten gemacht werden, zusammen.

Update: Er ist doch gesprungen.

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Quelle: n-tv.de

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