Politik

Erstmals deutsche Kampfeinheit in Frankreich stationiert: Eine "historische Entscheidung"

Bei Straßburg soll eine Bundeswehreinheit den Dienst aufnehmen. Damit sind erstmals nach dem Krieg deutsche Soldaten in Frankreich stationiert. Altpräsident Giscard d'Estaing spricht von einer "historischen Entscheidung", die beide Länder einander noch näher bringen werde.

Ein deutscher (l) und ein französischer Soldat besprechen sich in Baumholder auf dem Truppenübungsplatz. 5900 Soldaten aus Deutschland und Frankreich bilden gemeinsam die deutsch-französische Brigade.
Ein deutscher (l) und ein französischer Soldat besprechen sich in Baumholder auf dem Truppenübungsplatz. 5900 Soldaten aus Deutschland und Frankreich bilden gemeinsam die deutsch-französische Brigade.(Foto: dpa)

Mit einem historischen Schrittwollen Deutschland und Frankreich ihre militärische Zusammenarbeit verstärken. Mehrals 65 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wird erstmals ein deutscher Kampfverbandin Frankreich stationiert: In Anwesenheit der Verteidigungsminister beider Länder,Alain Juppé und Karl-Theodor zu Guttenberg, wird am 10.12. das Jägerbataillon 291der Bundeswehr feierlich in Straßburg in Dienst gestellt. Bei der Zeremonie im StadtparkOrangerie will der Inspektor des Deutschen Heeres, Generalleutnant Werner Freers,dem Bataillon die Truppenfahne überreichen.

Sein Quartier wird das Bataillonmit gut 600 Soldaten im Straßburger Vorort Illkirch-Graffenstaden beziehen, wo sichdie Deutschen eine Kaserne mit der 2. französischen Panzerbrigade teilen. Eine symbolträchtigeEntscheidung - die Einheit gilt nämlich als Nachfolgerin der legendären 2. Panzerdivision,die Straßburg am 23. November 1944 unter dem Kommando von Marschall Leclerc vomNazi-Joch befreit hat. Die Stationierung der deutschen Soldaten in Frankreich wirddenn auch entsprechend gelobt. Sie sei ein Beitrag zum Ausbau der deutsch-französischenBeziehungen und eine Geste "tiefer deutsch-französischer Freundschaft",heißt es in einer Bundeswehrmitteilung an die Presse

"Früher hätte ich das für unmöglich gehalten"

Das Jägerbataillon ist Teilder deutsch-französischen Brigade, der weltweit einzigen binationalen Militäreinheit.Sie wurde 1987 vom damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) und dem früheren französischenStaatschef François Mitterrand ins Leben gerufen und zwei Jahre später offiziellgegründet. Bisher ist die Brigade mit ihren 2800 deutschen und 2300 französischenSoldaten in den baden-württembergischen Standorten Müllheim, Immendingen und Donaueschingenstationiert.

Jetzt wird ein neues Bataillon des Verbandes in Illkirchen bei Straßburg in Dienst gestellt.
Jetzt wird ein neues Bataillon des Verbandes in Illkirchen bei Straßburg in Dienst gestellt.(Foto: dpa)

In dem Städtchen Illkirch-Graffenstadenim Süden der Elsass-Metropole wird der Einzug der deutschen Soldaten überwiegendpositiv gesehen. "Früher hätte ich das für unmöglich gehalten", gestehtMarie-Thérèse Manto-Bigay, die einer Vereinigung von Söhnen und Töchtern gefallenerfranzösischer Soldaten angehört. Schließlich hätten viele Franzosen unter der deutschenArmee Schreckliches erlitten. Doch heute sei dieser Schritt "normal".Ähnlich sieht dies auch Henri Meichel, Mitglied eines örtlichen Veteranenverbandes."Wir haben damals schließlich gegen das Nazi-Regime gekämpft, nicht gegen Deutschland",betont der pensionierte Berufssoldat.

Der Kommandeur des deutschenBataillons, Frank Lindstedt, lobt die Bemühungen der Stadtverwaltung, die Neuankömmlingeins öffentliche Leben zu integrieren. Es gebe Französisch-Kurse für die deutschenSoldaten, und ihre Kinder würden von französischen Schulen mit zweisprachigen Klassenaufgenommen.

Keine Tabus mehr zwischen Frankreich und Deutschland

Die rund 25.000 Einwohnervon Illkirch-Graffenstaden reagieren umso gelassener, als der Anblick deutscherUniformen für sie nichts Neues ist. Die Gemeinde beherbergt schließlich bereitsdas Hauptquartier des Eurokorps, dem auch rund 300 deutsche Soldaten angehören.Bundeswehrfahrzeuge, leicht erkennbar an der Aufschrift "www.bwfuhrpark.de"gehören zum Straßenbild. Genau wie die Minibusse der Bundeswehr, die Kinder derdeutschen Eurokorps-Familien jeden Morgen über den Rhein zu Schulen in der benachbartenbadischen Stadt Kehl fahren.

Der Beschluss, das deutscheBataillon bei Straßburg zu stationieren, war im Februar 2009 bei der Münchner Sicherheitskonferenzoffiziell verkündet worden. Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy wertete diesdamals als Beleg dafür, dass es zwischen beiden Ländern kein Tabu mehr gebe. AltpräsidentValéry Giscard d'Estaing sprach von einer "historischen Entscheidung",die Deutschland und Frankreich einander noch näher bringen werde.

Quelle: n-tv.de