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Eltern, die in Teilzeit arbeiten, erhalten zukünftig bis zu 28 Monate das halbe Normal-Elterngeld - ohne Abstriche.
Eltern, die in Teilzeit arbeiten, erhalten zukünftig bis zu 28 Monate das halbe Normal-Elterngeld - ohne Abstriche.(Foto: dpa)

Teilzeit in der Elternzeit: "Elterngeld Plus" macht Eltern flexibler

Von Nora Schareika

Familienministerin Schwesig hat sich das Thema Vereinbarkeit groß ins Programm geschrieben. Mit dem "Elterngeld Plus" zumindest kommt sie diesem Anspruch nahe: Es soll keine Abzüge mehr für Teilzeitarbeitende geben. Trotzdem bleiben Fragen offen.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig will mit einer neuen Möglichkeit beim Bezug von Elterngeld die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern. "Elterngeld Plus" heißt die Variante, die zukünftig eine Lücke zwischen Vollzeit zuhause und Vollzeit am Arbeitplatz schließen soll. "Wir wollen die Elternzeit flexibler gestalten. Die Lebenswelt von jungen Familien hat sich verändert", sagte die SPD-Politikerin bei der Vorstellung ihres Konzepts. Bei dieser Variante können Paare das Elterngeld doppelt so lange wie bisher beziehen, wobei die monatlich ausgezahlte Summe halbiert wird. Daraus ergeben sich Vorteile für diejenigen Eltern, die bald nach der Geburt ihres Babys wieder in Teilzeit arbeiten wollen oder müssen.

Beispielrechnung für "Elterngeld Plus"

So wird das klassische Elterngeld berechnet (hier exemplarisch für einen Elternteil und 12 Monate):

  • Durchschnittliches Netto-Einkommen während der 12 Monate vor der Geburt des Kindes: 2400 Euro
  • Monatlicher Elterngeldanspruch für bis zu 12 Monate: 1560 Euro (= 65 Prozent von 2400 Euro)
  • Summe der Elterngeldzahlungen: 18.720 Euro

So wird das Elterngeld bei Teilzeitarbeit berechnet:

  • Fiktives Netto-Teilzeiteinkommen: 1000 Euro pro Monat
  • Differenzbetrag zum Vollzeit-Netto: 1400 Euro
  • Monatlicher Elterngeldanspruch: 910 Euro (= 65 Prozent von 1400 Euro)
  • Verlust im Vergleich zum Elterngeld ohne Erwerbstätigkeit: 650 Euro
  • Gesamteinkommen: 1910 Euro
  • Summe der Elterngeldzahlungen: 10.920 Euro

So soll das Elterngeld Plus funktionieren:

  • Teilzeitgehalt: 1000 Euro
  • Elterngeld Plus: 780 Euro (die Hälfte des Betrages vom klassischen Elterngeld, ausgezahlt über 24 statt 12 Monate)
  • Gesamteinkommen: 1780 Euro
  • Summe der Elterngeldzahlungen: 18.720 Euro (gestreckt auf zwei Jahre)

Elterngeld Plus bedeutet also kurzfristig etwas weniger Geld im Monat zur Verfügung zu haben (hier: 130 Euro weniger). Langfristig ergibt sich aber ein Plus durch die Summe der Elterngeldzahlungen (hier: 7800 Euro mehr).

Die Möglichkeit, die Bezugszeit auf 24 Monate zu verdoppeln und den Auszahlungsbetrag zu halbieren, gab es schon bisher - unabhängig davon, ob Eltern dabei arbeiteten oder nicht. Während der Elternzeit zu arbeiten ist aber bislang finanziell von Nachteil. Bis zu 30 Wochenstunden darf eine Mutter oder ein Vater in dieser Zeit schon nach jetziger Regelung arbeiten, allerdings mit dem Effekt, dass es Abzüge beim Elterngeld gibt. Das "Elterngeld Plus" enthält deshalb Neuerungen bei der Anrechnung von Teilzeiteinkommen.

Teilzeit bisher unvollkommene Option

Die Möglichkeit, bis zu 30 Stunden Teilzeit zu arbeiten, ist an sich großzügig. Denn die Elternzeit wurde eingeführt, damit Elternpaare sich während der ersten 14 Lebensmonate um ihr Kind kümmern können, ohne in ein finanzielles Loch zu fallen. Wer trotz Elternzeit arbeitet, lässt diesen möglichen bezahlten Elternurlaub also verstreichen und verdient weiter eigenes Geld. Trotzdem ergibt sich daraus für die Betroffenen ein Verlustgeschäft, weil zum reduzierten Einkommen durch Teilzeit ein reduziertes Elterngeld kommt. Das betrifft zum Beispiel Freiberufler, die auf Aufträge angewiesen sind, oder Leute mit niedrigen Einkommen, die mit dem Elterngeld nicht über die Runden kommen. Aus unterschiedlichsten finanziellen, persönlichen oder beruflichen Gründen ist es nicht für alle Mütter und Väter das Richtige, sich monatelang ausschließlich um ihr Baby zu kümmern und ihre Berufstätigkeit dabei vollkommen ruhen zu lassen.

Das Einkommen aus diesen bis zu 30 Stunden Wochenarbeitszeit wird bislang unvorteilhaft mit dem Elterngeld verrechnet. Im ungünstigsten Fall ergibt sich daraus, dass diese Mütter und Väter in der Summe mehrere tausend Euro des ihnen zustehenden Elterngeldes nicht in Anspruch nehmen können. Grundlage für das Elterngeld ist in diesem Fall nicht das durchschnittliche Nettoeinkommen vor der Geburt des Kindes, sondern die Differenz aus diesem und dem Nettoeinkommen aus der Teilzeiterwerbstätigkeit. Dabei werden wie beim vollen Elterngeld wiederum nur 65 Prozent dieser Differenz ausgezahlt (siehe Beispielrechnung). Hier sind zudem Eltern mit nicht so hohen Einkommen benachteiligt. Verdient eine Mutter etwa vor der Geburt 1200 Euro netto und nach der Geburt in Teilzeit 600 Euro, so bekommt sie ein Elterngeld auf Grundlage von 600 Euro Differenzbetrag, also rund 400 Euro. Würde ihr Elterngeld auf Basis der 1200 Euro veranschlagt, bekäme sie rund 800 Euro.

Die Variante "Teilzeitarbeit in Elternzeit" konnte daher bisher nur eine unvollkommene Option sein für diejenigen Eltern, die - trotz des gesetzlich verbrieften Rechts auf Elternzeit - aus irgendwelchen Gründen nicht lange von ihrem Arbeitsplatz fernbleiben wollten oder konnten. Denn finanziell hatten sie kaum etwas davon, vor Ablauf der Bezugszeit vom Elterngeld wieder zu arbeiten.

Kombinationsmöglichkeiten noch unklar

Beim Bezug von "Elterngeld Plus" können das halbierte Elterngeld und das Teilzeitgehalt parallel auf dem Konto eingehen, ohne dass es langfristige Einbußen gibt. Kurzfristig kann sich daraus ein kleiner finanzieller Nachteil ergeben. Der Vorteil ist aber, dass die Eltern unter dem Strich kein Minus bei den Elterngeldzahlungen hinnehmen müssen. Zudem kann eine solche Teilzeitkonstellation über mehr als zwei Jahre Bestand haben. Die Eltern gehen also bis zu 28 Monate zwar von Anfang an zusätzlich zur Betreuung ihres Kindes arbeiten. So lange können sie dann aber auch mithilfe des Elterngeldes den Einkommenswegfall durch die Teilzeit abfedern. Das "Elterngeld Plus" muss zudem nicht am Stück genommen werden, was beim Elterngeld bisher die Vorgabe ist.

Normales Elterngeld (Vollzeit zuhause) und "Elterngeld Plus" sollen kombiniert werden können. So dürfte es insbesondere für Mütter reizvoll sein, sich zuerst einige Monate ausschließlich um ihren Säugling zu kümmern und dann vor Ablauf von zwölf Monaten wieder Teilzeit zu arbeiten. Bei vielen Frauen wird zudem in den ersten zwei Monaten nach der Geburt ihres Kindes von Arbeitsgeber und Krankenkasse gemeinsam ein Mutterschaftsgeld ausgezahlt. Diese zwei Monate Mutterschutz werden als Elternzeit gezählt, ohne dass Elterngeld gezahlt wird. Frauen erhalten also eigentlich nur 10 Monate Elterngeld, beim Elterngeld Plus wären es damit 20 zuzüglich der zwei Monate nach der Geburt, in denen der Mutterschutz aus guten Gründen sogar ein Beschäftigungsverbot vorsieht.

Elterngeld Plus enthält "Gleichberechtigungsprämie"

Das klassische Elterngeld bleibt weiterhin erhalten. Es kann 14 Monate in Anspruch genommen werden, sofern sowohl die Mutter als auch der Vater gleichzeitig oder nacheinander in Elternzeit gehen. Jeder der beiden muss mindestens zwei und kann höchstens zwölf Monate Elterngeld beziehen. Diese Regel gibt es auch beim "Elterngeld Plus". Nimmt nur ein Elternteil es in Anspruch, ist die Bezugsdauer auf 24 Monate beschränkt. Machen es beide, sind es 28 Monate, zudem soll nach dem Willen von Manuela Schwesig ein "Partnerschaftsbonus" von 10 Prozent auf das Elterngeld draufgelegt werden. Das soll wieder einmal ein besonderer Anreiz für Männer sein, überhaupt Erziehungsurlaub zu nehmen.

Mit den sogenannten "Vätermonaten", wie die zwei Pflichtmonate für den Partner genannt werden, wollte die frühere Familienministerin Ursula von der Leyen bei der Einführung 2007 erreichen, dass mehr Väter eine Auszeit für die Betreuung ihres Kleinkindes nehmen. Der Begriff "Vätermonate" zeigt schon, dass nach wie vor davon ausgegangen wird, dass die Mütter die längere Auszeit nehmen. Nach Maßstäben deutscher Familienpolitik war es dennoch eine Revolution. Der Erfolg ist nach gut sieben Jahren allerdings zwiespältig: Zwar nehmen mittlerweile rund 27 Prozent der Väter Elternzeit und beantragen dazu das Elterngeld. Die meisten beschränken sich dabei aber auf die zwei "Alibi-Monate", ohne die das Paar sonst eine kürzere Auszahlung in Kauf nehmen müsste.

Beim Elterngeld gibt es - je nach Höhe des vorherigen Nettoverdienstes - zwischen 300 und 1800 Euro monatlich. Beim "Elterngeld Plus" liegt der Höchstbetrag also bei 900 Euro. Die neue Regelung soll laut Schwesig ab 1. Juli 2015 in Kraft treten.

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Quelle: n-tv.de

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