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(Foto: imago/Christian Ohde)

BND-Beamte berichten: Er ist der Mann, der zum Maulwurf wurde

Jung, krank, naiv - über den BND-Mitarbeiter, der seinen Arbeitgeber und den NSA-Untersuchungsausschuss ausspioniert hat, dringen immer mehr Informationen an die Öffentlichkeit. Auch ein Motiv kristallisiert sich heraus.

Doppelagent, Maulwurf, umgedrehter Spion - all das sind abstrakte Beschreibungen für den Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND), der am Mittwoch aufgeflogen ist.  Sie beziehen sich allein auf seine Funktion. Doch wer ist der Mann, der dahinter steckt?

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Hochrangige Beamte des deutschen Auslandsgeheimdienstes haben der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" und der "Bild am Sonntag" nun Details geliefert, die den Menschen zumindest ein wenig greifbarer machen.

Der heute 31 Jahre alte Mann musste in seiner Kindheit einige Härten überstehen: Durch eine schwere Erkrankung in jungen Jahren wurde er geh- und sprachbehindert. Auch seine Arbeit beim BND fiel ihm nicht leicht: Nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" galt er unter Kollegen als "Naivling" und als wenig qualifiziert. Allein seine technischen Fähigkeiten machten ihn für den Dienst attraktiv. Er bekam einen Posten in der Abteilung "Einsatzgebiete/Auslandsbeziehungen", die unter anderem deutsche Soldaten im Auslandseinsatz schützt und die Zusammenarbeit mit Partnerdiensten koordiniert. Der Mann war für "technische Unterstützungsaufgaben" zuständig. Ein Agent war er im Grunde also nicht, und damit auch kein Doppelagent. Zum Maulwurf allerdings wurde er. Laut den BND-Beamten allerdings nicht, weil er auf Geld aus war, ihn trieb ein ausgeprägtes Geltungsbedürfnis.

25.000 Euro für seine Dienste

Seine geheime Arbeit nahm er Ende 2012 auf. Er schrieb eine Email an die amerikanische Botschaft in Berlin und bot seine Dienste als Informant an. Er stieß auf Interesse. Wenige Wochen später kam es zu einem ersten Treffen in Salzburg. Er bekam 10.000 Euro, ein Laptop für die Kommunikation und eine Telefonnummer für den Notfall. Auch erste Aufträge steckte sein Kontaktmann ihm damals zu.

Es kam zu zwei weiteren Treffen in Österreich. Er bekam nochmals insgesamt 15.000 Euro. Im Tausch dafür lieferte er in den zwei Jahren seiner Tätigkeit 218 Dokumente, die als "vertraulich" oder gar "streng geheim" eingestuft waren. Nach Angaben des BND handelte es sich allerdings nicht um besonders sensible Daten. "Es ist nach der ersten Bewertung nicht etwas, was der GAU (größte anzunehmende Unfall) wäre", hieß es.

Die Anerkennung und das Geld, das er von den Amerikanern bekamm, reichten dem Mann nicht. Am 28. Mai schrieb er auch das russische Konsulat in München an. In der Email, die er von einem Google-Mail-Account versandte, schickte er gleich drei BND-Dokumente mit, um zu belegen, dass er von Nutzen sein kann. Er wagte zu viel.

Der Bundesverfassungsschutz fing die Mail ab, bevor sie das Konsulat erreichte. Die Ermittlungen begannen: Da er einen privaten Computer verwendete, war schnell klar, um wen es ging. Zum Zeitpunkt als die Mail verschickt wurde, war er der einzige, der im Urlaub war. Die Generalbundesanwaltschaft wurde eingeschaltet und der abtrünnige BND-Mitarbeiter noch einige Wochen überwacht. Am Mittwoch dann der Zugriff. Noch in der Nacht sagte der Mann "umfassend" aus. Die "Bild am Sonntag" zitiert unter anderem den Satz: "Das stimmt mit den Russen. Aber ich liefere schon seit zwei Jahren an die Amerikaner." Angeblich gab er auch an, einmal pro Woche Dokumente übermittelt zu haben. Sein letzter Auftrag: Informationen zum NSA-Untersuchungsausschuss weiterleiten. Und das tat er auch. Es handelte sich um zwei Sendungen mit BND-internen Zusammenstellungen für den Untersuchungsausschuss. Über Informationen aus dem Ausschuss verfügte er dagegen nicht.

Dank der Notfall-Telefonnummer des Maulwurfs konnten die Ermittler ausmachen, für welchen US-Dienst er tätig war. In der "Bild am Sonntag" heißt es: Die deutschen Dienste haben die Rufnummer überprüft und sind sich sicher, dass die CIA hinter der Sache steckt." Der enttarnte Maulwurf sitzt jetzt in Untersuchungshaft.

Quelle: n-tv.de

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