Anschlag auf Taksim-PlatzErdogan fühlt sich allein gelassen
Nach dem Selbstmordanschlag von Istanbul haben die Sicherheitsbehörden bei der Suche nach den Hintermännern der Gewalttat offenbar noch keine heiße Spur. Doch die Türkei vermutet die Täter in den Reihen der PKK. Ministerpräsident Erdogan kritisiert in diesem Zusammenhang die europäischen Nachbarn scharf.
Einen Tag nach dem Selbstmordanschlag von Istanbul hat der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan den Europäern vorgeworfen, den gegen die Türkei gerichteten Terror zu unterstützen. "Wir werden nicht vergessen, dass wir allein gelassen wurden," sagte Erdogan in einer Rede in Istanbul. Er verwies darauf, dass Gliederungen der verbotenen kurdischen Rebellengruppe Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in europäischen Ländern unter dem Deckmantel von Stiftungen oder Medien aktiv seien.
Trotz aller Warnungen und Forderungen der Türkei unterstützten einige europäische Länder den Terror "direkt oder indirekt", sagte Erdogan. Namen dieser Länder nannte er nicht, aber er dürfte unter anderem Deutschland und Dänemark gemeint haben. Einige PKK-nahe Medien haben ihren Sitz in Deutschland, während der als Sprachrohr der PKK betrachtete Satellitensender Roj-TV von Dänemark aus sendet.
Terrororganisation PKK
Die PKK wird sowohl von der Türkei als auch von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. Bei seinem jüngsten Gespräch mit Angela Merkel in Berlin Anfang Oktober hatte Erdogan der Bundeskanzlerin nach Medienberichten ein Bündel Dokumente über die Aktivitäten der PKK in Deutschland übergeben. Merkel verurteilte den Bombenanschlag in Istanbul "auf das Schärfste".
Die Türkei verdächtigt die PKK als Drahtzieher hinter dem Anschlag in Istanbul mit 32 Verletzten. Bislang hat sich niemand zu dem Selbstmordanschlag auf dem Taksim-Platz im Zentrum der türkischen Metropole von Sonntagmorgen bekannt. Die Untersuchungen deuteten darauf hin, dass zu 90 Prozent die PKK hinter dem Anschlag stehe, sagte ein hochrangiger Sicherheitsbeamter. Die Ermittler gingen davon aus, dass die radikal-islamische Al-Kaida und andere Extremistengruppen ausgeschlossen werden könnten, hieß es.
Die PKK wies die Vorwürfe zurück. "Wir sind auf keiner Weise in den Anschlag verwickelt", teilte die PKK-Führung in einer Erklärung mit, wie die der Kurdenorganisation nahestehende Agentur Firat berichtete. In der Stellungnahme verwies die PKK-Führung darauf, dass sie ihren seit August geltenden Waffenstillstand nun bis zu den Parlamentswahlen im Juni kommenden Jahres verlängert habe.