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Freitag, 15. September 2017

Terroralarm in Großbritannien: Explosion erschüttert Londoner U-Bahn

Im Londoner Berufsverkehr ereignet sich eine Explosion in der U-Bahn-Station Parsons Green. Augenzeugen berichten von Panik und einem riesigen Feuerball. Die Polizei fahndet nun mit Hochdruck nach den Verantwortlichen - und hofft dabei auf Handy-Fotos.

In der britischen Hauptstadt hat sich nach Angaben der Londoner Polizei ein Terroranschlag ereignet. Demnach kam es gegen 09:20 Uhr deutscher Zeit zu einer Explosion in einer U-Bahn in der Station Parsons Green. Der Chef der Anti-Terror-Abteilung der britischen Polizei, Mark Rowley, erklärte am Mittag, die Detonation sei durch einen selbstgebauten Sprengsatz ausgelöst worden. Die Bombe explodierte möglicherweise mit Hilfe eines Zeitzünders, wie die BBC unter Berufung auf eine ungenannte Quelle meldete.

Die Polizei sucht mit Hochdruck nach dem oder den Tätern. Sie wird bei ihren Ermittlungen vom britischen Inlandsgeheimdienst MI5 unterstützt. "Die Fahndung läuft", bestätigte Londons Bürgermeister Sadiq Khan. Ob bereits konkrete Personen im Visier der Behörden sind, dürfe er aber nicht sagen.

Insgesamt gab es bei der Explosion mindestens 22 Verletzte. Der Londoner Rettungsdienst teilte zunächst mit, es seien 18 Menschen ins Krankenhaus gebracht worden. Drei weitere Verletzte hätten sich eigenständig in Behandlung begeben, erklärte der staatliche Gesundheitsdienst NHS. Sie erlitten überwiegend Verbrennungen. Keiner der Betroffenen ist schwer oder lebensgefährlich verletzt.

Riesiger Feuerball

Auf Bildern aus der U-Bahn war ein brennender, weißer Plastikeimer zu erkennen, der in einer Kühltüte eines Supermarktes steht. Aus dem Eimer hängen mehrere Drähte heraus. Da im Inneren der U-Bahn keine größeren Schäden zu erkennen sind, wird gemutmaßt, dass es bei der Detonation des Sprengsatzes zu einer Fehlzündung kam. Eine Spezialeinheit zur Entschärfung von Bomben untersuchte den Tatort.

Forensiker untersuchen den überirdischen Bahnsteig der U-Bahn-Station Parsons Green.
Forensiker untersuchen den überirdischen Bahnsteig der U-Bahn-Station Parsons Green.(Foto: REUTERS)

 Augenzeugen zufolge soll die U-Bahn mitten im morgendlichen Berufsverkehr vollbesetzt gewesen sein, als plötzlich ein riesiger Feuerball durch den Waggon schoss. Anschließend seien die Menschen panisch auf den Bahnsteig gerannt, hieß es. Einige seien gestürzt oder niedergetrampelt worden. "Wir liefen die Treppen runter, und es hat sich angefühlt, als würden wir um unser Leben laufen", sagte ein Mann namens Luke dem Sender BBC5. Eine Frau namens Emma schilderte: "Nach einer Weile stapelten sich die Menschen übereinander, weil einige beim Laufen hingefallen waren."

Die U-Bahn-Haltestelle wurde weiträumig abgesperrt. Im Fernsehen war ein großes Aufgebot an Rettungskräften und bewaffneter Polizei zu sehen. Auch die Feuerwehr ist mit 50 Mann im Einsatz. Der Verkehr der Linie District Line wurde teilweise eingestellt. Anwohner wurden angewiesen, den Bereich bis auf Weiteres zu meiden.

Auf Twitter rief die Polizei Augenzeugen auf, den Ermittlern Informationen sowie alle Videos und Bilder des Tatortes bereitzustellen. Die Londoner Feuerwehr bat die Bevölkerung, alles zu melden, was auf eine terroristische Bedrohung hindeuten könnte.

May beruft Krisenstab ein

Großbritannien war in den letzten Monaten Ziel mehrerer terroristischer Anschläge. Bei vier Attentaten in diesem Jahr wurden 36 Menschen getötet. 2005 kamen 52 Menschen ums Leben, als britische Islamisten Selbstmordanschläge auf drei Londoner U-Bahnen und einen Bus verübten.

Die selbstgebaute Bombe detonierte in einem weißen Plastikeimer, getarnt in einer Lidl-Tüte.
Die selbstgebaute Bombe detonierte in einem weißen Plastikeimer, getarnt in einer Lidl-Tüte.(Foto: imago/E-PRESS PHOTO.com)

"Meine Gedanken sind bei den Verletzten von Parsons Green und den Rettungskräften, die erneut schnell und mutig auf einen mutmaßlichen terroristischen Vorfall reagieren", erklärte die britische Premierministerin Theresa May. Sie berief ein Treffen ihres Krisenstabs ein, dem auch der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan beiwohnen wird. In einer Mitteilung verurteilte er den Versuch, Menschen in London verletzten und ihre Art zu Leben zerstören zu wollen.

Der britische Außenminister Boris Johnson rief die Menschen dazu auf Ruhe zu bewahren. Es sei im Moment wichtig, nicht zu spekulieren, sagte er dem Nachrichtensender "Channel 4 News". "Alle sollten die Ruhe bewahren und ihren Alltag ganz normal fortsetzen, so normal wie es irgendwie geht."

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Großbritannien nach dem mutmaßlichen Anschlag in London ihre Unterstützung zugesagt. Die Bundesregierung sei "geeint mit Großbritannien, mit der britischen Regierung, aber vor allen Dingen auch mit den Menschen", sagte Merkel.

US-Präsident Donald Trump machte derweilen einen "Loser Terroristen" für den Anschlag verantwortlich. "Dies sind kranke und wahnsinnige Menschen, die Scotland Yard bereits im Blick gehabt hat", schrieb er auf Twitter und forderte, proaktiver zu sein. Man müsse mit schärferen Mitteln gegen Terroristen vorgehen. "Das Internet ist ihr Haupt-Anwerbungswerkzeug, das wir ausschalten und besser nutzen müssen."

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Quelle: n-tv.de

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